Deutsch-Spanische Liasion

Fusion zwischen Deutscher Telekom und Telefónica Spanien?

Der Kurs der spanischen Telefónica ist auf knapp 8 Euro gerauscht. Somit ist das Unternehmen "bezahlbar" geworden, wären da nicht immense Schulden. Könnte Telefónica trotzdem verkauft oder fusioniert werden?
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Ist eine Fusion zwischen Deutscher Telekom und spanischen Telefónica denkbar?Ist eine Fusion zwischen Deutscher Telekom und spanischen Telefónica denkbar? Die Spekulation der Wirtschaftswoche über Gerüchte, wonach die spanische Muttergesellschaft Telefónica über den Verkauf der deutschen Tochter Telefónica Germany (o2) nachdenkt, hat hierzulande zunächst Verwunderung ausgelöst. Berichte aus spanischen Medien lassen diese Meldungen unter einem ganz neuen Licht erscheinen.

So beleuchtete bereits im November die spanische Wirtschaftsseite merca2.es in Zusammenarbeit mit der Nachrichtenagentur Bloomberg die wirtschaftliche Situation des Telefónica Konzerns, der nicht nur in Europa, sondern insbesondere Südamerika sehr stark engagiert ist.

Merca 2 rechnet vor, dass im November 2007 der Wert der Telefónica-Aktie bei 23,16 Euro gelegen habe, was einen Marktwert des gesamten Unternehmens von rund 110 Milliarden Euro bedeutete. Damit war Telefónica das viertgrößte Telekommunikationsunternehmen der Welt.

Telefónica-Aktie auf Talfahrt

Danach rauschte die Telefónica-Aktie in den Keller, im November 2017 - also 10 Jahre später - dümpelte die Aktie zwischen 8 und 10 Euro, was einem Marktwert von 44 Milliarden Euro entspricht. Dadurch wäre der Telefónica Konzern sehr günstig zu kaufen. Eine Art „Schutz“ vor der feindlichen Übernahme waren nur noch die in etwa gleich hohen Schulden des Unternehmens.

Gerüchteküche brodelt

Schnell starteten Überlegungen und Gerüchte, wer denn die Telefónica kaufen könnte. Ein Käufer müsste rund 60 Milliarden Euro hinblättern, sonst würden die Aktionäre eher abwinken.

China Mobile in Spanien?

Merca und Bloomberg sahen da China mobile auf Platz 1. Das Unternehmen hat schon 850 Millionen Kunden und wächst jährlich um 3 Prozent. Mit einem jährlichen EBITDA (Gewinn vor Steuern und Abschreibungen) von 40 Millarden Euro würden die Chinesen den spanischen Konzern quasi aus der „Portokasse“ übernehmen können. Das Haupt-Gegenargument dürfte aber starker politischer Widerstand der spanischen Regierung sein.

Platz 2: AT&T

Auf Platz 2 sehen die Analysten den amerikanischen Telekommunikations-Riesen AT&T. Die arbeiten bereits sehr eng mit America Movil zusammen, welche dem Unternehmer Carlos Slim gehört. Der hatte schon früher Interesse an der Telefónica gezeigt. Bei den Verhandlungen war schon einmal diskutiert worden den europäischen Anteil (sprich die o2-Gesellschaften) an Slim zu verkaufen. Dazu kam es bekanntlich nicht.

Platz 3: Verizon?

Auf Platz 3 sieht merca.es den US-Anbieter Verizon, der schon einiges Geld (z.B. für AOL) ausgegeben hatten. Wobei Merca2 den Kauf der Telefónica durch Verizon trotzdem am wenigsten realistisch hält.

Deutsche Telekom übernimmt Telefónica?

Bliebe noch die europäische Option, genauer gesagt die deutsche.

Das wäre kein Kauf, sondern eher eine Fusion. Sprich Deutsche Telekom und Telefónica würden formal fusionieren, z.B. durch einen Aktientausch. Glaubt man Bloomberg, sei diese Option schon sehr weit gediehen und hätte auch die Zustimmung der deutschen Bundeskanzlerin Merkel gefunden. Die Planspiele würden vorsehen, dass beide Unternehmen „doppelte Unternehmungen“ vorher verkaufen sollten.

Fusion von D1 und o2 nicht möglich

Und jetzt wird klar: Würden Deutsche Telekom und Telefónica wirklich fusionieren, würden auf dem Deutschen Markt auf einmal die Mobilfunkanbieter Telekom Mobilfunk (D1) und Telefónica-o2 zum gleichen Unternehmen gehören, was kartellrechtlich kaum genehmigungsfähig wäre. Ergo: Telefónica Spanien müsste die deutsche Tochter schleunigst verkaufen.

Verkauf bringt Geld in die klammen Kassen

Das könnten sie ohnehin schon vorgehabt haben. Der Verkauf aller o2-Gesellschaften würde die Schulden von Telefónica schon spürbar reduzieren. Telefónica hatte den größten Teil seiner o2-Marken bereits losgeschlagen, etwa in Tschechien, der Slowakei oder in Irland. In Großbritannien scheiterte der Verkauf von o2-UK an Hutchison/Three am Einspruch der EU-Behörden in Brüssel.

Widerstand gegen Fusion

Doch gegen eine Großfusion von Deutsche Telekom und Telefónica gibt es insbesondere in Spanien starke politische Bedenken. Die staatstragende Telefongesellschaft in Spanien soll nicht mehr spanisch sein? Undenkbar.

Man muss sich das so vorstellen, wenn beispielsweise die Deutsche Telekom von einem ausländischen Unternehmen aufgekauft würde. Das hätte hierzulande auch nicht nur Freunde.

Deutsches Sparprogramm für Spanien?

Die Wirtschaftsjournalisten gehen davon aus, dass die Deutsche Telekom ihrem spanischen Partner sofort ein knackiges Sparprogramm verordnen und keinen Stein auf dem anderen lassen würde, verbunden mit Effizienz-steigernden Maßnahmen und einem wahrscheinlichen Verlust von zahlreichen Arbeitsplätzen - vermutlich überwiegend in Spanien.

An dem mit großen Aufwand angekündigten Projekt „Aura“ lassen merca2 und Boomberg kein gutes Haar. Das sei rein reines „Marketing Feuerwerk“, mehr nicht.

Auch Okidario favorisiert die Fusion

Im Februar 2018 stellte die Onlineseite Okidiario ebenfalls fest, dass Telefónica ins Fadenkreuz zweier großer Namen der Branche geraten sei, einmal AT&T, aber auch der Deutschen Telekom.

Doch kein Verkauf?

Eigentlich stünde Telefónica ja nicht zum Verkauf, aber man sei sich da nie ganz sicher, wenn es ein wirklich gutes Angebot geben sollte. Inzwischen sei die Aktie auf unter 8 Euro gefallen oder umgerechnet 40 Milliarden Buchwert. Okidiario sprach mit AT&T, die durchaus ein Interesse an den Spaniern signalisierten. Auch okidiario hält eine Fusion zwischen Deutscher Telekom und Telefónica für die wohl interessanteste Variante.

Aktuelle Wende: Pallete sagt "Kein Verkauf, sondern Einkauf"!

Seit wenigen Tagen scheint Telefónica Boss José María Álvarez-Pallete auf Angriff umzuschalten, berichtet das Magazin Hispanidad am 12. März 2018: Pallete denke gar nicht mehr ans Verkaufen, sondern eher ans Einkaufen.

Schulden sind akzeptabel

Er sei laut dem Magazin der Ansicht, dass Schulden in Höhe von 44 Milliarden Euro durchaus akzeptabel seien. Nach Durchsicht der Finanzergebnisse von 2017 sei ein Verkauf seiner Tochtergesellschaften (wörtlich „49 Prozent des Unternehmens“) nicht mehr notwendig, im Gegenteil. Er denke eher an neue Zukäufe. Wo die liegen könnten, verriet das spanische Magazin nicht.

Keine Angst vor der Deutschen Telekom oder vor AT&T

Allete fürchtet die Interessenten an seinem Unternehmen nicht. Er hält die Übernahme seines Unternehmens durch die Deutsche Telekom aus politischen Gründen für unmöglich, der Widerstand wäre viel zu groß. Die Deutsche Telekom würde sich nicht dem Risiko aussetzen wollen, von der spanischen Regierung eine Abfuhr erteilt zu bekommen.

Auch ein Kauf durch die amerikanische AT&T sei aus geostrategischen Gründen unwahrscheinlich, da US-Präsident Trump mit der EU-Kommission derzeit gewaltig im Streit liege.

Angst vor Vodafone + Liberty

Was den Telefónica-Chef eher beunruhige und beschäftige, sei die Allianz zwischen Vodafone und Liberty Global. Vodafone sei stark in Mobilfunk und Liberty stark in Kabel und Fernsehen. Im Moment wisse niemand genau, wie man Fernsehinhalte gewinnbringend vermarkten könne. Vielleicht sei der beste Weg über Bündnisse.

Vielleicht erklärt diese Aussage auch die ähnliche Kritik von Telekom Chef Höttges an der angedachten Fusion von Vodafone und Liberty.

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