Tarifcheck

Der Tarifcheck: "2 Handys, Notebook & Playstation für 0 Euro*"

Die wirklichen Kosten von Prämien-Paketen à la getmobile.de
Von Björn Brodersen
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Zwei Handys, ein Notebook und die Sony-Spielekonsole Playstation PSP Slim & Lite für 0 Euro - ein solches Angebot klingt zu schön, um wahr zu sein. Und tatsächlich: Wer das kleine Sternchen im aktuellen Werbeangebot des Händlers getmobile.de wahrnimmt und sich das Angebot genauer anschaut, erkennt, dass das vermeintliche Schnäppchen durchaus Kosten verursacht. Voraussetzung für das Hardware-Bündel ist nämlich der Abschluss zweier Mobilfunkverträge mit einem monatlichen Grundentgelt in Höhe von jeweils 4,95 Euro. Immer noch wenig Geld für die ganzen Geräte? Wir haben nachgerechnet und zeigen, ob das Paketangebot mit den vielen "Gratis-Prämien" wirklich ein Schnäppchen ist oder doch einen Haken hat.

So funktioniert das Geschäftsmodell der Händler

Das Beigaben-Bündel von getmobile.de Zunächst ein Wort darüber, wie Händler wie getmobile.de überhaupt ein solches Prämien-Paket schnüren können, die immer wieder in Magazinen und in Fernsehspots beworben werden. Der Händler kauft die Hardware in großen Stückzahlen zu einem stark rabattierten Preis ein und kassiert Provisionen für das Vermitteln der Mobilfunkverträge. In unserem Beispiel muss der Kunde für das Hardware-Paket zwei Handy-Laufzeitverträge im sogenannten Power-Spar-Tarif abschließen, der in den Netzen von T-Mobile, Vodafone und o2 verfügbar ist. Vertragspartner für den Kunden ist dabei der Mobilfunkprovider Talkline (freenet AG). Zudem bietet getmobile.de den Käufern teure Tarife fürs Telefonieren mit dem Handy an.

Die Nutzungskosten in diesem 4,95 Euro pro Monat teuren Power-Spar-Tarif scheinen wie aus einer längst vergangenen Zeit zu stammen. Handy-Anrufe ins deutsche Festnetz kosten je nach Wochentag und Tageszeit zwischen 19 und 69 Cent pro Minute, Anrufe in die deutschen Mobilfunknetze je nach Wochentag, Uhrzeit und Zielnetz zwischen 49 und 79 Cent pro Minute. Zudem setzt der Talkline-Tarif einen Mindestumsatz in Höhe eines einminütigen Handy-Telefonats pro Tag voraus. Der Versand einer SMS-Mitteilung im Inland schlägt mit 19 Cent zu Buche. Die Minutenpreise für Gespräche ins Ausland reichen von 1,99 bis 2,99 Euro, wobei es zunächst auf der Angebotsseite von getmobile.de keinen Hinweis darüber gibt, ob diese Preise auch für Gespräche in die Mobilfunknetze oder nur in die Festnetze im Ausland gelten.

Die Nutzungskosten sind nicht nur vergleichsweise hoch, der Tarif an sich ist durch die Einteilung in verschiedene Zeitfenster und Zielnetze auch intransparent. Zum Vergleich: Etliche aktuelle Grundgebühr- und Mindestvertragslaufzeit-freie Prepaid-Tarife bieten einheitliche Preise von 9 Cent je Telefonminute im Inland sowie pro versendeter SMS-Mitteilung. Zudem findet der Interessent auf der Website von getmobile.de keine vollständigen Tarifinformationen, sondern nur eine Auswahl an bestimmten Nutzungspreisen vor. Die zunächst erhobenen Anschluss-Bereitstellungskosten erhält der Kunde nur erstattet, wenn er eine bestimmte kostenpflichtige Hotline von getmobile.de anruft.

Zwei Handys und zwei Mobilfunkverträge

Im Paket enthalten sind gleich zwei Mobilfunkverträge mit langer Mindestvertragslaufzeit enthalten. Allerdings entstehen zum Beispiel zwei Ehepartnern, die künftig zu den beiden Mobilfunktarifen telefonieren, keine nennenswerten Vorteile, etwa durch besondere Preise für Gespräche miteinander. Während heutige Prepaid-Discounter in sogenannten Community-Tarifen Minutenpreise um die 5 Cent für Gespräche zwischen den eigenen Kunden berechnen und in Mobilfunkangeboten wie Alice Mobile von HanseNet anbieterinterne Verbindungen sogar ganz kostenfrei sind, berechnet Talkline in dem Power-Spar-Tarif 49 Cent pro Minute für solche Gespräche.

Neben zwei Mobilfunkverträgen enthält das Paket von getmobile.de auch zwei Einsteiger-Handys vom Hersteller LG. Das 80 Gramm leichte Barren-Handy LG KP130 kann in GSM-Netzen um 900 und 1 800 MHz zum Telefonieren eingesetzt werden, besitzt ein kleines, 128 mal 128 Pixel auflösendes Display, eine Kamera mit 0,3 Megapixel Auflösung sowie einen WAP-2.0-Browser und bietet laut Hersteller bis zu drei Stunden Sprechzeit.

Notebook mit "Alibi-Betriebssystem"

Beim HP 550 (FU408EA) handelt es sich um ein Notebook mit 15,4 Zoll großem Display mit einer Auflösung von 1 280 mal 800 Pixel, 160 GB Festplatten-Kapazität und 1 GB Arbeitsspeicher. Der von einem Intel-Celeron-M-Prozesser mit 2-GHz-Takt angetriebene tragbare Rechner ist mit einem DVD-Super-Multi-DL-Brenner, einer WLAN-Schnittstelle (IEEE 802.11b/g, aber kein WLAN N), USB-2.0-Anschlüssen sowie einer Bluetooth-Schnittstelle ausgerüstet. Der Akku des 3,5 Zentimeter hohen und 2,7 Kilogramm schweren Notebooks bietet laut Hersteller bis zu drei Stunden Betriebszeit. Als Betriebssystem ist nur FreeDOS installiert. Käufer des Angebots müssen sich also eine Windows- oder Linux-Version zu dem "Alibi-Betriebssystem" selbst hinzukaufen bzw. besorgen.

Welche Hardware noch im Prämien-Paket von getmobile.de enthalten ist und wie viel die Hardware im Einzelkauf im freien Handel kostet, erfahren Sie auf der folgenden Seite.

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