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Kommentar zu Tablets und "Smartbooks": Quo vadis?

Von Steffen Herget
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Was haben wir in der Vergangenheit nicht alles gehört über die neuen Trends der Tablets und "Smartbooks" - wie sie von vielen Herstellern genannt werden, die aber hierzulande auf Grund des bekannten Namensstreits nicht so heißen dürfen, deshalb nennen wir sie jetzt einmal etwas kompliziert "smarte Netbooks". Eine wahre Flut solcher Geräte wurde schon im Herbst und Winter mehrfach angekündigt, 2010 sollte wahlweise das Jahr der Tablets oder der smarten Netbooks werden. Jetzt unmittelbar vor der Computex wird es Zeit, einmal Zwischenbilanz zu ziehen.

Wie viele Tablets sind auf dem Markt? Eins...

Tablet Smart Netbook Computex Kommentar Situation Markt Aussichten Fangen wir bei den Tablets an. Eine interessante, wenngleich nicht besonders neue Gerätekategorie, die früher bereits ziemlich floppte, aber derzeit in aller Munde ist. Der Grund dafür: das Apple iPad. Das teure, aber schicke und intuitiv bedienbare Referenz-Geräte aus Cupertino wurde, von großem Rummel und vielen Gerüchten im Vorfeld, im Januar präsentiert und kam etwa drei Monate später in den USA in den Handel, mittlerweile auch in Deutschland. Seit dem stellt das iPad die Messlatte bei den Tablets dar, an der sich die anderen Hersteller messen lassen müssen. Und andere große Computer-Hersteller mit Tablet-Ambitionen gibt es viele: Ankündigungen gab es bereits von Asus, Dell, Acer, MSI, HP und vielen mehr. Das einzige Problem: noch immer hat keines dieser Unternehmen ein konkretes und zumindest fast fertiges Tablet präsentieren können. Für die gesamte Kategorie der Tablets wird die nächste Woche in Taiwan stattfindende Computex entscheidend: wenn dort nicht echte Konkurrenten für das iPad gezeigt werden, die sowohl massentauglich als auch nahe an der Marktreife sind, könnte der Zug für die Hersteller schneller abgefahren sein, als sie schauen können. Tablets sind dank der deutlichen Verbesserungen der Technologie bei Prozessoren, Grafikchips, Massenspeichern und Touchscreens werden nicht mehr floppen und verschwinden, sondern sie sind gekommen um zu bleiben. Wenn allerdings das Apple iPad noch länger ganz alleine auf Kundenfang gehen darf - bereits jetzt kommt Apple mit dem Liefern kaum nach - werden die anderen Unternehmen ihre Tablets irgendwann nicht mehr los, zumindest nicht zu ähnlichen Preisen. Ist das iPad zum Weihnachtsgeschäft immer noch ohne echte Mitbewerber, ist Apple den anderen Herstellern wie schon damals beim iPhone wieder um Jahre voraus. Deshalb müssen wettbewerbsfähige Tablets auf der Computex präsentiert werden, um noch rechtzeitig vor Weihnachten in den Handel zu gelangen. Die Zeit für bloße Ankündigungen ist vorbei, es muss geliefert werden!

Wer braucht die smarten Netbooks?

Noch schlimmer als bei den Tablets sieht es bei den smarten Netbooks aus. Ein riesiger Wirbel wurde über Monate um diese neue Kategorie von Netbooks auf ARM-Basis, also mit Smartphone-Technologie, veranstaltet. Aus vielen Ecken wurden sie als der neue Trend und das ganz große Ding 2010 bezeichnet, ausgiebige juristische Streitereien um die Namensrechte begleiteten das ganze. Ziehen wir allerdings Bilanz, so finden wir bis dato gerade einmal zwei vorgestellte Geräte von namhaften Herstellern, das Lenovo Skylight und das HP Compaq Airlife 100. Beide wurden auf der CES präsentiert, letzteres ist mittlerweile offenbar kurz vor dem Start - allerdings bis jetzt nur in Spanien. Das Skylight von Lenovo wurde bisher nur mehrfach verschoben und hat noch keinen neuen Termin. Von anderen Unternehmen gab es bis dato meist nur nebulöse Ankündigungen zu hören, trotz fortdauernder Betonung, solche Geräte seien ein klarer Trend. Doch woran liegt das? Was ist mit dem Trend passiert? Die Antworten sind vielfältig, ein großer Punkt dürfte aber im vorherigen Absatz zu finden sein: die Tablets. Der Rummel um iPad, WeTab und Co. hat die smarten Netbooks völlig aus dem Fokus gerückt. Selbst wenn auch bei den Tablets bisher nur ein wichtiges Modell im Handel ist, haben es sich die Slate-PCs schon ganz gemütlich gemacht in der Nische, die sich eigentlich die smarten Netbooks reserviert hatten. Beide Kategorien nebeneinander sind schwer vorstellbar, schließlich basieren sie im Grunde auf den selben Technologien (ARM-Chips), oder die Tablets stecken die smarten Netbooks noch leistungsmäßig in die Tasche, wenn sie auf Netbook-Technik setzen wie das WeTab. Wenn sich die Hersteller nicht bald - und zwar auch schon auf der Computex, denn die Messe ist in Fernost generell für ungewöhnliche Technologien eher offen als etwa die IFA - etwas schlaues einfallen lassen, werden die Smartbooks entweder überhaupt nicht kommen, oder in kleiner Zahl in der dunklen Ecke versauern. In jedem Fall würde diese Kategorie dann zu einem teuren Missverständnis für die Hersteller, die schon Geld investiert haben.

Fazit: Fuß auf's Gas!

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die Hersteller bei den Tablets und smarten Netbooks dringend aus den Startlöchern kommen und auf der Computex fertige Geräte präsentieren müssen. Erfahrungsgemäß dauert es nach Messen ja immer noch einige Wochen oder Monate, bis die Geräte in den Handel kommen, und da wird die Zeit bis zum Jahresende schon langsam knapp. Ständige Vorstellungen von Ideen und Prototypen, die gut aussehen aber nicht realisiert werden, sind zwar ganz nett, verunsichern aber auf Dauer die potenzielle Kundschaft - und die will irgendwann nicht mehr auf das Konkurrenzprodukt warten und kauft sich vielleicht dann eben doch das Apple iPad, weil es das eben zu kaufen gibt. Also liebe Unternehmen wie Asus, Lenovo, Acer, Dell und viele mehr: Zündschlüssel rumdrehen und Fuß auf's Gas, wenn euch etwas an den Tablets und smarten Netbooks liegt! Wir sind auf die Computex gespannt!

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