For Sale?

Medien: Telekom will T-Systems verkaufen

Das System­kun­den­geschäft der Telekom seit Jahren proble­matisch, der Preis­druck extrem. Zwar gab es erfolg­reiche Geschäfts­felder, aber unterm Strich passen die Zahlen nicht. Wird es jetzt verkauft?

T-Systems ist in vielen oft unbekannten Feldern unterwegs. Hier bei den Medientagen in München. T-Systems ist in vielen oft unbekannten Feldern unterwegs. Hier bei den Medientagen in München.
Foto: Picture-Alliance / dpa
Die Telekom Tochter T-Systems betreute einst große Indus­trie-Kunden rundum: Vom Drucker­papier bis zum Groß­rechner wurde alles besorgt, gelie­fert und betreut. Das Unter­nehmen galt als Staat im Staate und zehrte von den goldenen Zeiten, als die Deut­sche Bundes­post noch vom Gesetz her die Hoheit hatte.

Zwar wurde der Post priva­tisiert und das System­geschäft in die Tochter T-Systems ausge­lagert, doch Kenner bezeich­neten das Unter­nehmen lange Zeit als "unre­gierbar". Verschie­dene Telekom-Vorstände bissen sich daran die Zähne aus. Es wurde viel um- und neu struk­turiert.

Es zählt der Preis

T-Systems ist in vielen oft unbekannten Feldern unterwegs. Hier bei den Medientagen in München. T-Systems ist in vielen oft unbekannten Feldern unterwegs. Hier bei den Medientagen in München.
Foto: Picture-Alliance / dpa
Im welt­weiten Wett­bewerb zählt meist nur der Preis. Länder mit hohem Lohn­niveau haben es schwer, wenn IT-Dienst­leis­tungen zu einem Bruch­teil des Preises in fernen Ländern einge­kauft werden können. Viele Unter­nehmen sehen ihre IT immer noch als "lästig" und "teuer" an und schauen ausschließ­lich auf den Preis. Eigene IT-Abtei­lungen werden lieber ausge­lagert (Outsour­cing) und Dienst­leis­tungen beim billigsten Anbieter einge­kauft. T-Systems galt da als "viel zu schwer­fällig" und sowieso als "viel zu teuer".

Seit 2018 im Amt: Adel Al-Saleh

Um das Problem zu lösen, holte sich Telekom Chef Tim Höttges schon 2018 als neuen Chef für T-Systems den ameri­kanisch/briti­schen Manager Adel Al-Saleh (Jahr­gang 1963) ins Haus, um der "Not leidenden" Tochter frischen Schwung zu verleihen. Al-Saleh hatte 1987 an der Boston Univer­sity den Bachelor of Science (B.Sc.) in Elek­tro­technik und 1990 an der Florida Atlantic Univer­sity den Master als gradu­ierter Betriebs­wirt erworben.

Die ersten 19 Berufs­jahre hatte Al-Saleh für den Computer-Giganten IBM in unter­schied­lichen Führungs­posi­tionen gear­beitet für IBM Northeast Europe. Es folgten die Regionen Europa, Naher Osten, Afrika and Nord­ame­rika bei IMS Health (heute IQVIA), einem Unter­nehmen für Infor­matik im Gesund­heits­wesen und 2011 wech­selte Al-Saleh zu North­gate Infor­mation Solu­tions (NIS) (heute Teil von NEC), bevor er zur Deut­schen Telekom kam.

Der stets ruhig und über­zeu­gend wirkende Al-Saleh orga­nisierte das Unter­nehmen um, grün­dete neue Geschäfts­bereiche und glie­derte auch einiges aus. So wurde der IT-Bereich der Telekom in einem Betrieb inner­halb der Deut­schen Telekom AG zusam­men­gefasst, dann in die T-Systems ausge­lagert und 2020 wieder der Telekom AG ange­glie­dert.

Rein und raus - Ausla­gerungen - Umgrup­pie­rung

Mitte Juli 2021 hatte die Telekom ihre Beschäf­tigten Mitte darüber infor­miert, dass Teile des Betriebes im kommenden Jahr an das Unter­nehmen Accen­ture (mit Sitz in Dublin, Irland) verkauft werden sollen. Accen­ture ist einer der welt­weit größten Dienst­leister in den Berei­chen Unter­neh­mens- und Stra­tegie­bera­tung, sowie Tech­nologie- und Outsour­cing mit etwa 506.000 Mitar­bei­tern. Das Unter­nehmen sei auf einer breit ange­legten Einkaufs­tour und habe dieses Jahr schon mehrere Unter­nehmen aus der IT- und Tech­nologie-Branche über­nommen. Nun stehe ein Teil­bereich der Telekom auf der Kauf­liste, berichtet die Kommu­nika­tions­gewerk­schaft DPVKom, die aus der früheren "Post­gewerk­schaft" hervor­gegangen ist.

Die Gewerk­schaft sieht diese Betrie­büber­gänge und Ausglie­derungen kritisch, meis­tens seien die ausge­lie­derten Bereiche kurz danach geschlossen worden.

T-Systems weiter in roten Zahlen?

Doch T-Systems kommt einfach nicht so schnell aus den roten Zahlen, wie das die Telekom-Manager gerne hätten. 2020 verbuchte T-System einen opera­tiven Verlust (EBIT) von 650 Millionen Euro bei einem Umsatz von 4,2 Milli­arden Euro. Nun wollen das Manager Magazin und die gewöhn­lich gut infor­mierte Wirt­schafts­zei­tung Handels­blatt unter Beru­fung auf Finanz- und Konzern­kreise erfahren haben, dass der Verkauf des Geschäfts­bereichs T-Systems vorbe­reitet werde.

Erste konkrete Gespräche mit Inter­essenten seien für Februar 2022 vorge­sehen, mit einem finalen Deal rechne man im September 2022. Das Manager-Magazin speku­liert, dass die Telekom einen Käufer finan­ziell noch unter die Arme greifen müsste, um den Teil­bereich über­haupt loswerden zu können.

Code­worte "Falcon" und "Eagle"

Die Pläne werden, so die Quellen, unter den Code­namen „Falcon“ (Falke) und „Eagle“ (Adler) durch­gespielt. Mit poten­ziellen Käufern wie Accen­ture und Capge­mini sollen bereits Gespräche laufen.

In einem alter­nativen Szenario werde eine neue Struktur für T-Systems geprüft, schreibt das Handels­blatt, bei der die Telekom nur noch rund ein Drittel der Anteile an der Groß­kun­den­tochter halten würde. Der Telekom-Groß­aktionär Bund würde eben­falls ein Drittel halten und für das verblie­bene Drittel werden ein oder mehrere Partner gesucht.

Ausla­gerung der Hohheits-Telekom?

Bevor das ganze final über die Bühne geht, könnte das sensible Geschäft für Teile der öffent­lichen Hand vor einem Verkauf heraus­gelöst werden, berichtet das Manager-Magazin weiter. Das könnte auch wichtig werden, falls die neue Ampel-Koali­tion wirk­lich den Verkauf der Bundes­anteile, die derzeit von der staat­lichen KfW-Bank gehalten werden, reali­sieren sollte. Dann wäre die Deut­sche Telekom AG ein 100 Prozent privates Unter­nehmen und alle Hoheits- und Sicher­heits­auf­gaben müssten dann in eine Art staat­liche "Hoheits-Telekom" umge­lagert werden - Spötter spre­chen gerne von einer "Bundes­post 2.0".

Die Befür­worter des Akti­enver­kaufs der Bundes­anteile argu­men­tieren, dass der Bund sich "schwer tue" und in Inter­essen­kon­flikten sei, eine Telekom AG strenger zu regu­lieren, die teil­weise dem Bund gehört und satte Divi­denden-Gewinne bringt. Offi­zielle Stel­lung­nahmen der Telekom gibt laut gleich­lau­tenden Quellen bislang nicht.

Nichts­des­totrotz sehen die Quar­tals­zahlen der Telekom "besser als erwartet" aus.

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