Umorganisation

Wie Adel B. Al-Saleh den Supertanker T-Systems auf Kurs bringen will

In 11 Sparten soll der Unternehmensbereich T-Systems, bisher für Großkunden, Netz und IT der Telekom zuständig, umgebaut werden.
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Will den Großtanker T-Systems in 11 Bereiche aufgliedern: Adel B. Al-SalehWill den Großtanker T-Systems in 11 Bereiche aufgliedern: Adel B. Al-Saleh T-Systems ist die Groß- und Geschäftskundensparte der Deutschen Telekom. T-Systems ist teilweise auch der Betreiber der Netz-Infrastruktur und liefert interne Dienste, die das Großunternehmen Telekom am Laufen erhalten. Und T-Systems gilt seit vielen Jahren als Problemkind.

Weil der langjährige Chef Reinhard Clemens es am Ende nicht schaffte, T-Systems aus der Verlustzone heraus zu manövrieren, wurde ein neuer Mann gesucht und schließlich auch gefunden. Er heißt Adel B. Al-Saleh und ist offiziell seit dem 1. Januar 2018 Chef der Geschäftskundensparte, de facto aber schon seit Spätherbst 2017 im Amt.

Neuer Mann hat im fliegenden Start übernommen

Auch wenn es der Name zunächst nicht vermuten lässt, Al-Saleh ist US-Amerikaner. 19 Jahre arbeitete er für IBM an unterschiedlichen Positionen, zuletzt als "Vice President" und "General Manager Sales and Industries" bei der IBM Northeast Europe im Integrated Operating Team. Er leitete IMS Health, ein Informatik-Unternehmen im Gesundheitswesen. 2011 wurde er Chef der britischen Northgate Information Solutions (NIS), einem größeren Softwareanbieter der Northgate Gruppe, ein Unternehmen, welches dem Finanzinvestor KKR (Permira) gehört.

Al-Saleh beschränkte das Angebot von Northgate auf profitable Produkte und verpasste ihm eine neue Strategie. 2016 schichtete er die Schulden von Northgate-NGA um und holte Goldman-Sachs ins Boot. Das machte ihn für Telekom-Chef Timotheus Höttges interessant: „Al-Saleh hat bewiesen, dass er Unternehmen auf Kurs bringen kann.“

Bereits nach wenigen Tagen auf dem neuen Chef-Sessel gab Al-Saleh schon im Januar 2018 seine Umorganisationspläne für die Großkundensparte der Deutschen Telekom bekannt. Was seinen Chefs gefallen dürfte, findet beim Betriebsrat keine Freude, denn es könnte mit Entlassungen oder einer Neufestlegung von Löhnen und Gehältern verbunden sein. T-Systems hat 37 000 Mitarbeiter, davon knapp die Hälfte arbeiten in Deutschland.

Bisher bestimmte Großkunden - künftig bestimmte Produkte

Leuchtturmprojekt: Telekom/T-Systems Großrechenzentrum in Biere bei MadgeburgLeuchtturmprojekt: Telekom/T-Systems Großrechenzentrum in Biere bei Madgeburg Bisher interessierte sich T-Systems für bestimmte Kundengruppen und versuchte, denen alles mögliche zu verkaufen: Vom Büro-PC inkl. Schulung und Wartung über Telefonapparate, Anlagen inkl. Wartung, Mobilfunkverträge mit Endgeräten, Hauptsache von T-Systems. Am Ende waren aber die Erwartungen viel zu hoch, denn es wurde weniger Geld mit diesen Kunden verdient als gedacht.

1,6 Milliarden abgeschrieben

Im Jahr 2017 musste T-Systems etwa 1,6 Milliarden Euro abschreiben, weil der Wert von Aufträgen überschätzt worden war. Der T-Systems-Vertrieb, so das Handelsblatt, gewinne seit Jahren immer weniger lukrative Aufträge und das Kerngeschäft mit IT-Outsourcing schwinde zunehmend. Offenbar sind viele Großkunden direkt ins außereuropäische, meist asiatische Ausland gegangen. Bis die merken, dass Outsourcing, etwa nach Indien oder Pakistan, nicht die Lösung aller Probleme sein kann, sondern neue schafft, ist es oft zu spät. Versuche, diesen Trend aufzuhalten, hatten nicht den gewünschten Erfolg.

Neuer Mann - neues Konzept

Al-Saleh will das jetzt anders machen. Es soll nicht mehr um bestimmte Kunden gehen, sondern um bestimmte nachweislich erfolgreiche Produkte. Al-Saleh will, so das in Düsseldorf erscheinende Handelsblatt, die Organisation in elf Einheiten unterteilen, die sich um die verschiedenen Themen wie SAP-Dienstleistungen oder Produkte für das Internet der Dinge (IoT) kümmern sollen.

Schwierig zu steuerndes Unternehmen

teltarif.de hat einen langjährigen Unternehmenskenner, der seinen Namen nicht genannt wissen wollte, befragt. Das Problem bei T-Systems sei, so der Eingeweihte, viele Abteilungen mit vielen Köpfen, von denen kaum ein "Außenstehender" genau wisse, was sie eigentlich tun. „Damit das nicht auffällt, werden riesige Events veranstaltet, die man gut als Fernsehshow hätte vermarkten können. Dadurch hatte sich auch nie jemand wirklich getraut, entscheidende Fragen zu stellen.“

Neuer Chef hat gute Chancen

Mit dem neuen Chef, der ganz von Außen kommt und die Sache unvoreingenommen angehen wird, so der Insider weiter, wachse die Chance, etwas zum Besseren zu verändern. Das Risiko bestehe darin, dass der Netzwerkkern, also der Bereich, welcher den Betrieb des Telekom-Netzes plant, baut und aufrechterhält und ohne den die Deutsche Telekom nicht existieren könne, nicht beschädigt werden dürfe.

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