Telekom-Tochter

T-Systems wird erneuert: Digital wird der Normalfall

30 Prozent neue Aufträge und eine leichte Umsatzsteigerung zeigen, dass das Konzept des T-Systems-Chefs Saleh aufgehen könnte. Security ist ein wichtiges Thema.
Von der Hannover Messe berichtet
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Auf der Hannover Messe Industrie ist als einziger deutscher Netzbetreiber die Deutsche Telekom vertreten, dieses Jahr an ungewohnter Stelle in Halle 5 (Stand E04). Ihr Auftritt hat sich gegenüber den letzten Jahren stark verändert. Gezeigt werden ausschließlich Beispiele aus dem Portfolio der Großkunden-Telekom-Tochter T-Systems.

In der heutigen Pressekonferenz begrüßt der charismatische T-Systems-Chef Adel Al Saleh „viele bekannte Gesichter“, stellt sein neues Team vor und gibt ihm Raum, sich auf der Bühne zu präsentieren.

Der charismatische T-Systems Chef Adel Al Saleh hat den Super-Tanker T-Systems wieder ausgerichtet.
Der charismatische T-Systems Chef Adel Al Saleh hat den Super-Tanker T-Systems wieder ausgerichtet.

Zur Einstimmung: Gute Nachrichten

Zunächst kann Saleh gute Nachrichten verkünden: Die Umorganisation des als schwerfällig geltenden Unternehmens ist in Fahrt gekommen. Viele neue Kunden konnten gewonnen werden, nicht nur große Namen wie die Sparda-Bank, die sich ihre Rechenzentrumsleistung von T-Systems organisieren lässt. Die Zahl der neuen Aufträge ist um 30 Prozent gestiegen, der Umsatz immerhin um 0,3 Prozent und der zu erwartende Gewinn (EBIT) lag 2018 im Plan („On Target“).

Die Unternehmenskultur bei T-Systems wird und wurde auf den Kopf gestellt. Weg von Einteilung in Kundengruppen, hin zur Aufteilung in Produktgruppen.
Die Unternehmenskultur bei T-Systems wird und wurde auf den Kopf gestellt. Weg von Einteilung in Kundengruppen, hin zur Aufteilung in Produktgruppen.

Neue Unternehmensstrategie

Die neue Unternehmensstrategie sieht vor, im Unternehmen einen „Kulturwechsel“ durchzuführen sowie neue Geschäftsfelder zu entwickeln und zu starten. Bisher war T-Systems ein schwer zu steuernder Super-Tanker gewesen, der bestimmte Kundengruppen dann rundum bediente, vom Bürostuhl bis zum Desktop-Computer oder Server. Das war für die Kunden sehr praktisch, erzeugte aber gigantische Kosten, die sich bald nicht mehr decken ließen.

Saleh hat sein Unternehmen auf Produkte umgestellt. Dabei sollen die „Produktionskosten“ dieser Produkte nicht aus den Augen verloren werden und auch neue Produkte entwickelt werden. Rund 300 Millionen Euro wurden in Forschung und Entwicklung, Internet der Dinge (IoT), Gesundheitsvorsorge (Health Care), Sicherheit (Security) und die Public Cloud investiert.

11 Pfeiler sollen bei T-Systems Umsätze und Gewinn bringen.
11 Pfeiler sollen bei T-Systems Umsätze und Gewinn bringen.

11 Unternehmenssäulen

Der neue Unternehmenschef hat sein Unternehmen in verschiedene „Pfeiler“ eingeteilt. Einer ist TC-Core, das klassische Netz der Deutschen Telekom, das Sprache und Daten für Fest- und Mobilfunkkunden transportiert und nach wie vor die Kernkompetenz des gesamten Unternehmens darstellt.

Wichtig bleibt die „Classified ICT“, das sind „hochsichere“ IT-Lösungen etwa für Behörden oder die Regierung.

Beim Thema Internet der Dinge hat Saleh vor allen Dingen die Smart City im Blick. Security kümmert sich um die Datensicherheit von kleinen mittelständischen bis zu Großunternehmen unter der Leitung von Dirk Backofen. „Road Charging“ beschreibt die Technologie, um die Nutzung von Straßen bepreisen zu können, auch wenn die Telekom aktuell nicht mehr beim deutschen Abrechnungsverfahren „Toll Collect“ selbst beteiligt ist.

Die Digitalisierung, so Saleh, werde künftig der „Normalfall“ sein.

Schwerpunkt SAP

Beim Thema SAP sieht sich T-Systems als größter Hoster von SAP-Lösungen. SAP ist ein deutsches Unternehmen, das vor 42 Jahren gegründet wurde und eine Software entwickelt hat, die Waren und Wirtschaftsströme steuert und verwaltet und in der modernen Industrie 4.0 ein wichtiges Element darstellt. Die Telekom T-Systems könne SAP in jeder Cloud-Infrastruktur „abbilden“, wahlweise privat, hybrid oder über mehrere Cloud-Systeme (wie Azure oder AWS) hinweg.

Schlussendlich setzt T-Systems auf gemanagte Infrastruktur und die „private Cloud“, wo Unternehmen komplette IT-Systeme von T-Systems organisieren lassen, wozu auch die klassische IT gehört.

Unternehmenskunden brauchen Verbindungen

„Connectivity“, mit niedrigen Latenzen, hohen Datengeschwindigkeiten und extremer Zuverlässigkeit ist in der Industrie gefragt. Bei der Cloud kann T-Systems nicht nur die hauseigene Cloudlösung („Open Telekom Cloud“), sondern auch Amazons AWS oder Microsoft Azure anbieten. Edge-Computing wird immer wichtiger, das bedeutet, die Rechner stehen nicht mehr in einem zentralen Rechenzentrum irgendwo am Ende der Welt, sondern unmittelbar da, wo die Rechenleistung gebraucht wird.

Cloud nach Wahl

Die neue Generation der privaten Cloud fügt sich nahtlos in ein System aus Microsoft Azure Stack, Openstack und VMWare ein. Vieles wird heute in der Cloud virtuell realisiert, das vermeidet, für neue oder geänderte Anforderungen jedes Mal neue Computer oder Festplatten etc. nachkaufen zu müssen.

Saleh hat ein neues Team zusammengestellt, zu dem unter anderen Maximilian Ahrens als CTO gehört. Rami Avidan ist neuer Chef der IoT-Abteilung. Antje Williams ist für 5G verantwortlich und stellte das erste Campus-Netz bei Osram vor. Wir werden diese Technologie noch gesondert erläutern.

Auch Huawei ist auf der Hannover Messe vertreten: Schon 80 000 Mini-5G-Antennen ausgeliefert.

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