T-Mobile USA

Editorial: Rückzug

Der Satellitennetzbetreiber Dish zeigt Interesse an T-Mobile USA. Kann die Telekom jetzt ihren wenig glücklichen US-Zukauf abstoßen? Und welche Risiken hat das Geschäft?
AAA
Teilen

Neuer Interessent für T-Mobile USANeuer Interessent für T-Mobile USA Zum Höhepunkt der dot-com-Euphorie übernahm die Deutsche Telekom den kleinen US-Anbieter Voicestream für über 100 Milliarden Mark. Mit diesem Geschäft ist sie ob des hohen Preises nie glücklich geworden - übrigens genausowenig wie die Aktionäre, die beim dritten Börsengang der Telekom 66,50 Euro pro Aktie hinlegen mussten.

Zwar gelang es der Telekom tatsächlich, mit Voicestream auf dem zersplitterten US-Mobilfunktmarkt von Platz 6 auf Platz 4 aufzusteigen. Dabei kam der Telekom aber zugute, dass sich das Konkurrenzfeld durch zahlreiche Fusionen ausdünnte. Insbesondere gingen 2005 die damalige Nummer 3 und Nummer 5, Sprint und Nextel, zu einem Unternehmen zusammen.

Die Telekom selber zögerte aber zu lange mit dem Verkauf von Voicestream bzw. der in T-Mobile USA umbenannten Sparte. Als sie 2011 den Verkauf an den großen Rivalen AT&T einfädelten, untersagten die US-Wettbewerbshüter die Transaktion, da zu wenig große Anbieter verblieben wären.

So ist die Telekom seitdem bestrebt, mit kleineren Mobilfunk-Unternehmen in den USA zu fusionieren, oder mit größeren Tk-Unternehmen, die kein oder nur ein kleines eigenes Mobilfunk-Geschäft haben. Ersteres ist 2013 mit der Fusion mit MetroPCS geglückt. Die zusätzlichen Kunden verringern den Abstand zur Nummer 3 (weiterhin Sprint), und durch die Fusion sind die bisherigen Aktionäre von MetroPCS nun Minderheitsaktionäre von T-Mobile geworden. Dadurch gibt es eine regelmäßige Börsenbewertung für den US-Ableger, was weitere Transaktionen vereinfacht.

Eine solche Transaktion könnte nun in greifbare Nähe gerückt sein: Der US-Satellitenbetreiber Dish scheint Interesse an einer Fusion mit T-Mobile USA zu haben. Das gute an dem Geschäft: Da Satellitennetz und Mobilfunknetz verschiedene Technologien sind und verschiedene Anwendungen haben, ist eine Zustimmung der Wettbewerbsbehörden viel wahrscheinlicher als bei großen Fusionen innerhalb der Mobilfunkbranche. Und die Mobilfunk-Lizenzen, die Dish in der Vergangenheit gekauft hat - bisher, ohne ein eigenes Netz aufzubauen - kämen dem Netzausbau von T-Mobile zugute. Der Nachteil: Die Integration verschiedener Geschäftsfelder ist alles andere als einfach.

Beispiele für mögliche Hürden

Als Beispiel für die Probleme einer möglichen Fusion zwischen T-Mobile und Dish mag die hierzulande vor bald zwei Jahren erfolgte Fusion von Vodafone und Kabel Deutschland geeignet sein. Noch lange Zeit nach der Fusion hatte man das Gefühl, es mit zwei Firmen statt einer zu tun zu haben. Erst Anfang dieses Jahres wechselte etwa Kabel Deutschland den Netzpartner für die an die eigenen Festnetzkunden als Add-On vertriebenen SIM-Karten von o2 zu Vodafone. Dieses Jahr - und somit über zwei Jahre nach der Fusion - soll auch die Marke Kabel Deutschland durch Vodafone ersetzt werden.

Re-Branding ist also langwierig und teuer. Ohne Re-Branding nutzt man aber die Vorteile der Fusion nicht. Zudem drohen sowohl dem Satelliten- als auch dem Mobilfunkmarkt in den kommenden Jahren starke Umwälzungen: Günstigere Startmöglichkeiten durch Anbieter wie SpaceX und die höhere Effizienz (da weniger Treibstoff mitgeführt werden muss) von rein elektrischen Satelliten könnten die Mietpreise von Satelitentranspondern stark drücken. Im Mobilfunkmarkt werden die Karten sowieso alle fünf bis zehn Jahre neu gemischt. Aktuell diskutiert die Branche beispielsweise bereits über 5G. Dabei ist noch nicht einmal 4G/LTE flächendeckend eingeführt.

Tk-Mischunternehmen sind schwieriger zu führen als Tk-Spezialisten und die Kunden goutieren den Vorteil, alles aus einer Hand zu erhalten, nur bedingt. Das sind große Gefahren für eine Fusion von T-Mobile und Dish. Läuft diese nicht gut, werden abermals Milliardenwerte vernichtet, wie damals bei der Übernahme von Voicestream. Nur: Je nachdem, wie die Fusion gestaltet wird, würden dann andere Investoren das Risiko tragen, nicht die Telekom. Doch das genannte Risiko könnte dazu führen, dass die Telekom keinen allzu guten Preis für T-Mobile USA erlösen kann.

Teilen

Weitere Editorials