Ausprobiert

Sygic GPS Navigation: Google-Maps-Konkurrent im Kurztest

Google Maps ist auf jedem Android-Smartphone - für die Navigation aber nicht immer perfekt. Wir haben uns den Konkurrenten Sygic GPS Navigation angeschaut und waren mit der Navi-App unterwegs.
AAA
Teilen (53)

Google Maps ist sicherlich die meistgenutzte GPS- und Navigations-Anwendung unter Android. Doch ab und zu lohnt auch ein Blick auf die Konkurrenz - eine der weltweit am meisten heruntergeladenen Navi-Apps im Google Play Store ist Sygic.

Denn das slowakische Unternehmen Sygic mit Sitz in Bratislava kann seit seiner Gründung 2004 eine bemerkenswerte Kontinuität bei der Entwicklung von mobilen GPS- und Navi-Apps vorweisen. 2009 erschien die erste App fürs iPhone, einige Monate später auch für Android. Bekannt wurde auch die Sygic-Anwendung für das Nokia N900, die wir seinerzeit ausführlich getestet haben.

Navigationsansicht und Spurassistent
Navigationsansicht und Spurassistent

Das kosten die Sygic-Pakete für Android

Sygic GPS Navigation & Karten wurde im Play Store schon rund 50 Millionen Mal heruntergeladen. Dies sagt allerdings nichts darüber aus, wie viele Kunden die App oder einzelne Komponenten schließlich gekauft haben. Denn Sygic vertreibt seine Navigationslösungen wie die Konkurrenten TomTom, Navigon & Co. nach einer kurzen Testphase kostenpflichtig. Die Offline-Karten bezieht Sygic übrigens von TomTom und anderen Anbietern.

Sygic bietet hochauflösende Karten von mehr als 200 Ländern weltweit, Live-Verkehrsinformationen von TomTom Traffic und einen Nachtmodus. Die Lizenzen von Sygic sind lebenslang gültig und können auch auf neuere Geräte übertragen werden.

Allerdings kann der Anbieter auch nicht durchgehend hohe Preise für seine Dienste verlangen. Deswegen gibt es bei Sygic immer wieder Rabattaktionen wie aktuell bis Ende Januar: Die Premium-Android-Lizenz Europa kostet im Rahmen der Aktion 12,99 Euro statt 49,99 Euro, die Premium-Welt-Lizenz kostet 17,99 Euro statt 79,99 Euro. Sie beinhaltet Offline-Karten mit kostenlosen Updates, die Navigation mit Sprachanweisungen, einen Tempolimit- und Fahrspurassistent, Benzinpreise an Tankstellen und Head-Up-Display für Nachtfahrten.

Premium+Traffic beinhaltet zusätzlich im Zwei-Minutentakt aktualisierte Informationen über die Verkehrslage und automatische Vorschläge für schnellere Routen. Hier wird die Europa-Lizenz aktionsweise mit 17,99 Euro statt 79,99 Euro und die Welt-Lizenz mit 23,99 Euro statt 99,99 Euro berechnet. Preise für weitere einzelne Kontinente sind im Online-Shop von Sygic abrufbar.

Menüs und Routenbeschreibung
Menüs und Routenbeschreibung

Kleinere Unterschiede zwischen Auto- und Fußgänger-Navigation

Die Installation von Sygic sowie die Buchung des Premium+Traffic-Welt-Pakets verlief auf unserem Android-Smartphone reibungslos. Alle Buchungsschritte und das Anlegen des Accounts werden durch gut verständlich und klar bebilderte E-Mails bestätigt. Sygic nutzt die Bestätigungs-E-Mails auch dazu, um für weitere Features zu werben. Eine dieser Zusatz-Anwendungen ist beispielsweise die Real-View-Navigation, bei der die Kartenansicht durch eine von der Smartphone-Kamera aufgenommene Real-Ansicht der Straße ersetzt wird. Die Navigationshinweise werden dann in diese Live-Straßenansicht hineinprojiziert - aufgrund der Zusatzkosten haben wir dieses Feature allerdings nicht getestet.

Die Kartenansicht ist sehr übersichtlich und verzichtet auf zusätzlichen Schnickschnack, der von der Konzentration ablenken könnte. Das betrifft sowohl die Karten-Aufsicht als auch den Fahrmodus. Einen Unterschied gibt es aber bei der Fußgänger-Navigation - hier werden etwas mehr Karteninformationen angezeigt. Allerdings ist uns bei Städten aufgefallen, dass bei der Fußgänger-Navigation nicht alle reinen Fußwege im Kartenmaterial erfasst sind.

Nachtmodus und Frage nach Abstürzen
Nachtmodus und Frage nach Abstürzen

Navigation, Spurassistent, Nachtmodus, kleinere Abstürze

Auf Überlandfahrten waren wir mit Sygic überwiegend im Odenwald unterwegs, wo es sowohl gut ausgebaute, teile mehrspurige Bundesstraßen als auch kleine Landstraßen gibt. Hier navigierte uns Sygic stets zuverlässig, sowohl über den Fahrmodus als auch die gesprochenen Anweisungen. Alle Hinweise zum Abbiegen kamen stets rechtzeitig, aber auch nicht zu früh, wie dies bei Google Maps und anderen Anwendungen zum Teil der Fall ist und mitunter zu einem verfrühten Abbiegen führen kann.

Gut gefallen hat uns auch der Spurassistent, der bei mehrspurigen Bundesstraßen stets korrekt anzeigt, wann ein Spurwechsel sinnvoll beziehungsweise notwendig ist. Auf unseren Testfahrten schaltete die App während des Sonnenuntergangs in einen Nachtmodus, der bei Nacht ein nicht so helles und ablenkendes Licht im Auto verbreitet wie der Tag-Modus. Die App zeigte auch stets Ge­schwindig­keits­be­schränkungen auf der Strecke an und warnte vor zu schnellem Fahren. Beim Aussteigen lässt sich der momentane Aufenthaltsort wie bei Google Maps als Parkplatz speichern, um das Auto wiederzufinden.

Obwohl die App Offline-Karten nutzt und damit auch ohne Internet-Verbindung funktionieren sollte, erlebten wir bei der zum teils löchrigen mobilen Datenverbindung im Odenwald ein paar wenige Abstürze der App mit. Sygic musste geschlossen werden und startete anschließend neu. Nach dem Neustart fragte die App, ob wir noch zum zuletzt eingegebene Ziel unterwegs seien. Als wir das bejahten, rekonstruierte Sygic schnell die bisherige Route und wir konnten direkt ohne weitere Suche weiterfahren. Falls der Fahrer es erlaubt, greift die App auf im Smartphone-Adressbuch gespeicherte Adressen zu.

Einstellungsmenü und Fazit

Sehr komfortabel ausgefallen ist das Einstellungsmenü von Sygic, mit dem man sich unbedingt nach dem Kauf einmal beschäftigen sollte. Bei der Routenplanung können beispielsweise Autobahnen, Mautstraßen, Fähren, Städte mit City-Maut oder unbefestigte Straßen ein- beziehungsweise ausgeschlossen werden. Für die Anzeige der aktuellen Benzinpreise lohnt die Voreinstellung des eigenen Kraftstoffs (Benzin, Diesel, Druck-Erdgas, Autogas).

Bei der Navigation kann der Autofahrer sich nicht nur vor Blitzern, sondern auch vor scharfen Kurven oder Bahnübergängen warnen lassen. Außerdem kann die App auf Wunsch Parkmöglichkeiten vorschlagen oder das Smartphone bei einer Befestigung hinter der Windschutzscheibe während eines Unfalls in eine Dashcam verwandeln. Für die Dashcam-Funktion kann der Fahrer eine dauerhafte Kamera-Aufnahme aktivieren, abgespeichert wird das Video aber nur bei einem Unfall, ausgelöst vom Beschleunigungssensor des Smartphones. Der Energieverbrauch der App kann entweder auf eine externe Stromversorgung per Kfz-Ladegerät oder den Batteriebetrieb optimiert werden. Außerdem lässt sich das Kartenmaterial auf eine Speicherkarte verschieben, um Platz auf dem internen Smartphone-Speicher zu sparen. Den Fahrverlauf und gespeicherte Routen kann der Autofahrer direkt aus der App heraus in Dropbox ablegen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sygic eine umfangreiche und professionell realisierte Navigationslösung mit zahlreichen sinnvollen Funktionen ist. In unserem Test navigierte uns Sygic stets zuverlässig ans Ziel, kämpfte aber manchmal mit kurzzeitigen Abstürzen. Wer viel unterwegs ist und sich für einen Kauf von Sygic interessiert, sollte für die Premium-Funktionen Preisaktionen abwarten - denn die regulär aufgerufenen Preise sind recht teuer.

Teilen (53)

Mehr zum Thema GPS, Navigation