Erfahrungsbericht

Surface Pro 4 im Test: Kann das teure Multitalent überzeugen?

Das Surface Pro 4 fährt große Geschütze auf: Windows 10 Pro, einen i5-Prozessor von Intel und Windows-Hello-Gesichtserkennung - kann da noch etwas schief gehen?
Von Daniel Rottinger
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Windows Hello: Login per Gesichtsscan

Microsoft Surface Pro 4

Surface Pro 4 per Windows Hello entsperrenSurface Pro 4 per Windows Hello entsperren Unter Windows 10 hat Microsoft ein neues Login ohne Passwörter eingeführt. Bei dem auf Windows Hello getauften Dienst wird der Nutzer per Gesichtsscan oder Fingabdruck-Sensor erkannt und ins System eingeloggt. Um das Feature nutzen zu können ist allerdings spezielle Hardware nötig, die nur in den wenigen Tablets und Laptops verbaut ist. In dem neuen Surface Pro 4 hat Microsoft das Feature implementiert und Anwender können sich auf Wunsch per Gesichtserkennung anmelden. Dazu vergibt der Nutzer zunächst eine System-PIN und folgt den weiteren Anweisungen. Anschließend erfolgt die eigentliche Einrichtung und der Kamera­sensor scannt das Gesicht des Anwenders. Dieser Vorgang lässt sich mehrmals wiederholen, um die Genauigkeit des Hello-Systems zu verbessern. Anschließend erkennt Hello automatisch den Nutzer und loggt ihn in das System ein. Falls die Anmeldung mal nicht über den Gesichtsscan funktionieren sollte, lässt sich das Gerät alternativ auch durch die Eingabe eines PIN-Codes entsperren. Während unseres Tests hat sich das Windows-Hello-System gut eingefügt und das Login lief ohne Probleme ab.

Offline-Navigation mit dem Surface

Nutzer können das Surface Pro 4 auch als vollwertiges Navi einsetzen und sich damit etwa durch die Straßen von Berlin navigieren lassen. Da das Surface standardmäßig über keine Anbindung zum Mobilfunknetz verfügt, empfiehlt es sich die kostenfreien Offline-Karten für das jeweilige Land herunterzuladen. In einem ausführlichen Ratgeberartikel haben wir erklärt, wie dies unter Windows 10 funktioniert. Anschließend startet der Anwender durch die Eingabe von "Karten" in der Suchmaske die Navi-App. Über das verbaute GPS-Modul wird der Nutzer geortet und die Karten-App errechnet nach Eingabe des Bestimmungsortes die Route. Wahlweise ist die Navigation zu Fuß, im Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Es empfiehlt sich übrigens, das GPS-Tracking ("Position") nach dem Erreichen des Zielorts über das Actioncenter von Windows 10 zu deaktivieren, um den Akkuverbrauch zu reduzieren. In unserem Test hat die Fußgänger-Navigation durch Berlin reibungslos funktioniert.

Touchfunktionen und Display

Windows 10 Pro fürs Tablet: Kachel-Interface im Stil von Windows 8Windows 10 Pro fürs Tablet: Kachel-Interface im Stil von Windows 8 Das 12,3-Zoll-Display des Surface Pro 4 hinterlässt mit seiner Auflösung von 2736 mal 1824 Pixel einen guten Eindruck. Auch bei starkem Kunstlichteinfall lässt sich das Display nach wie vor gut ablesen. Allenfalls die Tastaturbeleuchtung spiegelt sich leicht im Display. Das Bild ist auch aus eher ungünstigen Blickwinkeln von der Seite gut ablesbar und so können auch Freunde und Bekannte etwa einen YouTube-Clip ansehen, ohne dabei zu eng beieinanderstehen zu müssen. Übrigens gelten die Qualitätsmerkmale auch für die Touch-Funktionalität.

Die Farbwiedergabe wirkt natürlich und das Display hat einen angenehm hohen Kontrast.

Spiele-Performance: Wir bringen das Gerät an seine Leistungsgrenze

Gerade bei einem Gerät, welches mit einem vollständigen Windows 10 daherkommt, ist man als Nutzer versucht, aktuelle PC-Spiele unterwegs zu konsumieren. Zu Testzwecken haben wir uns die Lite-Variante von Halo Spartan Assault aus dem Windows Store installiert. Um das Surface an seine Leistungsgrenzen zu treiben, haben wir zusätzlich per Game-DVR-Funktion der neuen Xbox-App, die Spieleinhalte im Hintergrund aufzeichnen lassen. Nach wenigen Sekunden im Spiel hörten wir das Surface Pro 4 erstmals merklich, als das deutlich hörbare Surren der Lüfter begann. Auch das Touch-Display erwärmte sich deutlich und war nicht mehr wirklich angenehm zu bedienen. Ein Blick in den Taskmanager wies auf eine CPU-Auslastung zwischen 70 und 80 Prozent hin. Zum Vergleich: Beim normalen Arbeiten pendelt sich die CPU-Auslastung beim Surface Pro 4 um die 10 Prozent ein.

Nach einer rund siebenminütigen Spiele-Session beendeten wir Halo Spartan Assault (Lite). Etwa 12 Minuten nachdem wir das Spiel und die Aufnahme geschlossen hatten, verstummten die Lüfter vollständig. Das Display fühlte sich dann auch nur noch lauwarm an. Für Vielspieler dürfte die Ausstattungsvariante mit i5-Prozessor nicht wirklich ausreichen. Gerade die starke Hitzeentwicklung auf dem Touch-Display ist störend und hält den Spieler von einer kurzen Gaming-Session unterwegs ab. Zwar lässt sich auch ein Xbox-One-Gamepad mit dem Surface verwenden, wodurch auch der Aufheizeffekt eher zu verschmerzen ist, doch welcher Nutzer hat das Gamepad schon überall mit dabei. Allerdings muss man dem Surface zugutehalten, dass die Spieleaufnahmen, die in der Auflösung von 1632 mal 1080 Pixel aufgezeichnet wurden, flüssig ablaufen und auch das Spielerlebnis von der Performance her ordentlich ist.

Windows 10 Pro auf dem Surface

Das Tablet überzeugt durch eine wertige VerarbeitungDas Tablet überzeugt durch eine wertige Verarbeitung Bei dem Surface Pro 4 ist Windows 10 Pro bereits vorinstalliert. Wir haben direkt nach Release des November-Updates die aktuelle Version des OS aufgespielt. Um das Surface Pro 4 auch ohne Tastatur komfortabel bedienen zu können, gibt es einen speziellen Tablet-Modus. Dieser erinnert stark an das Kachel-Layout unter Windows 8 und ist daher für reine Touch-Eingaben ein guter Begleiter. Natürlich können Nutzer auch jederzeit zur herkömmlichen Desktop-Ansicht zurückwechseln. Rein von der Arbeitsperformance, konnten wir uns während des Tests nicht beschweren: Auch bei mehreren geöffneten Apps geht das Surface Pro 4 nicht in die Knie.

Ein weiterer Punkt ist die Energieverwaltung des Geräts unter Windows 10. In unserem Test hielt der Akku des Surface Pro 4 rund sechs Stunden bei regelmäßiger Nutzung durch, also kann auch bei einer längeren Fahrt in der Regionalbahn ohne weiteres genutzt werden. Im Anschluss wollte das Tablet ans Ladegerät. Um die Laufzeit zu verlängern, gibt es gleich mehrere Möglichkeiten: Den GPS-Sensor bei Nichtnutzung zu deaktivieren, die Helligkeit des Displays zu dimmen oder den Akkuspar-Modus zu aktivieren. Praktisch: In das Surface-Ladegerät wurde ein USB-Dock integriert, so können Nutzer etwa parallel ein Smartphone aufladen und benötigt dadurch keine zweite Steckdose.

Fazit: Teure Symbiose mit toller Verarbeitung

Die Einzelnoten im Tablet-Test:
  • Technische Ausstattung: 1,5
  • Material / Verarbeitung: 1,2
  • Bedienung / Handling: 1,2
  • Betriebssystem / Apps: 1,5
  • Einschätzung des Redakteurs: 1,7
  • Gesamtnote: 1,4
Das Surface Pro 4 ist letztendlich doch ein paar Gramm zu schwer für ein Tablet, das man gerne auf das Sofa mitnimmt, ohne dass das Gewicht nach wenigen Minuten negativ auffällt. Durch den Kickstand wird dieses Manko zwar größtenteils wieder ausgebügelt, der Nutzer kann das Gerät komfortabel auf einer ebenen Fläche abstellen und per Touch bedienen, die Leichtigkeit eines gängigen Tablets fehlt allerdings. Ist Microsoft stattdessen vielleicht der perfekte Laptop-Ersatz gelungen? Nicht ganz, um längere Texte zu verfassen, ist die Tastatur dann halt auch nicht wirklich ausreichend. Die fehlende LTE-Schnittstelle fällt ebenfalls negativ ins Gewicht.

Schlussendlich kann einen das Surface Pro 4 glücklich stimmen, wenn man bereit ist, es als Allrounder-System zu akzeptieren, das nicht in jeder Disziplin mit dem jeweiligen Plattform-Flaggschiff mithalten kann. Der Preis samt Tastatur in Höhe von 1600 Euro ist zwar aufgrund der Verarbeitung gerechtfertigt, für ein Zweitgerät dann aber letztendlich doch zu teuer.

In einem weiteren Artikel beschreiben wir unsere ersten Eindrücke mit dem Surface Book von Microsoft.

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