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Verbraucherzentrale Südtirol warnt Politik vor Umstieg auf DAB+

Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) warnt laut einer Mitteilung vor einem Ausstieg aus der analogen UKW-Technik und vor einem Umstieg auf DAB+. Auch aus Norwegen gibt es immer mehr kritische Stimmen.
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Beim Fernsehen ging und geht die Umstellung von analoger auf digitale Verbreitung weitgehend ohne Proteste über die Bühne. Beim Radio ist es dagegen ganz anders. Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) warnt laut einer Mitteilung vor einem Ausstieg aus der analogen UKW-Technik und vor einem Umstieg auf Digitalradio DAB+. Im vergangenen Jahr hat die öffentlich-rechltiche Rundfunk-Anstalt Südtirol (RAS) aus Kostengründen damit begonnen, UKW-Sendeanlagen abzuschalten. Gleichzeitig wurden die DAB+-Netze ausgebaut. Außerdem ist auch das Programmangebot dank DAB+ erheblich gewachsen.

Verbraucherschützer: DAB+ könnte nur Übergangsstandard zu 5G Broadcast sein

Die RAS in Südtirol hat erste UKW-Sendeanlagen abgeschaltet.Die RAS in Südtirol hat erste UKW-Sendeanlagen abgeschaltet. Trotzdem hagelt es Kritik der Verbraucherschützer: Digital-terrestrisches Radio sei damit "nicht zwingend immer besser als analoges Radio. Denn auch die Umstellung bringt einige Herausforderungen mit sich, die noch nicht gänzlich gelöst sind, so zum Beispiel die geringere Reichweite". Die Politik in Europa habe sich zudem nicht eindeutig zum Digitalradio bekannt, somit sei fraglich, ob es sich überhaupt durchsetzen wird. "Nicht wenige Stimmen setzen im Streit zwischen DAB+ und UKW auf Internet. Die Streams erreichen eine ähnliche Qualität wie DAB+ und teils besser. Und man empfängt weltweit. Gerade wenn man in Südtirol die Breitbandinfrastrukturen mit öffentlicher Unterstützung massiv ausbaut, ist zu überlegen, ob hier nicht doppelt gemoppelt wird”, schreibt die VZS.

Die Verbraucherzentrale mahnt die Verantwortlichen in der Landesregierung und bei der RAS hier zu einem vorsichtigen und nicht zu enthusiastischem Vorgehen: "Man kann von den Endverbrauchern nicht verlangen, dass sie für jede Technikgeneration ein neues Gerät kaufen". Möglicherweise stehe mit 5G Broadcasting schon bald wieder ein neuer, noch besserer Standard in den Startlöchern. "Bis Gewissheit herrscht sollte eine flächendeckende Versorgung mit UKW-Sendeanlagen auf absehbare Zeit weiterhin garantiert und die Entscheidungsfreiheit der VerbraucherInnen respektiert werden. Vor allem für ältere Menschen ist derzeit eine erzwungene Umstellung anstrengend, aufwendig und im Grunde genommen unzumutbar."

Norweger klagen über Empfangsprobleme

Vermehrt kritische Stimmen kommen auch aus Norwegen, das als erstes Land weltweit 2017 den analogen UKW-Hörfunk zugunsten von DAB+ abgeschaltet hat. Zwar betonen die Marktakteure, die Umstellung von UKW auf DAB+ sei geglückt. Die Norweger seien aber wütend über die UKW-Abschaltung, heißt es im Branchenportal "Radioszene". "In der Meinung, die UKW-Abschaltung sei etwas Lächerliches, ist sich die Nation so einig wie beim Thema Skilanglauf", schreibt die Tageszeitung Dagbladet zynisch.

Viele kritisieren den schlechteren Empfang im Vergleich zu UKW, obwohl es von offiziellen Stellen heißt, die Netze seien besser ausgebaut als auf UKW. Ein Technik-Experte betont gegenüber teltarif.de, die Probleme könnten damit zusammenhängen, dass viele Norweger ihre bestehenden Werksradios im Auto nicht austauschen können und auf billige Adapter für DAB+ zugreifen, die nur über eine Wurf- oder Scheibenantenne verfügen. Das reicht nicht aus, um in der zerklüfteten norwegischen Gebirgslandschaft überall für eine gute Empfangsqualität zu sorgen.

Verbrauchern sind solche Erklärungen aber egal. Mehr als 6000 frustrierte Personen fordern in einer Facebook-Gruppe die Rückkehr zum analogen UKW-Hörfunk. Doch dazu wird es nicht kommen. Laut Informationen von teltarif.de sind die alten UKW-Anlagen inzwischen entweder verschrottet oder verkauft worden, beispielsweise nach Afrika. Im Grenzgebiet zu Schweden ist überhaupt kein UKW-Hörfunk mehr möglich, da sich das Nachbarland alle norwegischen UKW-Frequenzen gesichert hat. Schweden profitiert von der UKW-Abschaltung in Norwegen und baut die alte analoge Technik aus. Dafür wurde DAB+ hier auf Eis gelegt.

Deutschland: UKW läuft bis 2028 - und wahrscheinlich noch länger

In Deutschland ist das Thema UKW-Abschaltung voraussichtlich zunächst auf lange Sicht vom Tisch. Landesmedienanstalten vergeben inzwischen UKW-Lizenzen bis ins Jahr 2028. Böse Zungen behaupten, UKW könne das Digitalradio DAB+ somit noch überleben.

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