Statement

Zattoo-Manager: StreamOn schränkt Netzneutralität nicht ein

Beim Streaming-Dienst Zattoo sieht man zumindest für die Welt der TV-Streaming-Dienste bei StreamOn der Telekom keinen Verstoß gegen die Netzneutralität. Auf die Netzneutralität sei man selbst angewiesen, so ein Manager gegenüber teltarif.de
Von Thorsten Neuhetzki
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Seit Juni ist der TV-Streaming-Dienst Zattoo einer der inzwischen zahlreichen Partner beim Zero-Rating-Dienst StreamOn der Telekom. Mobilfunkkunden der Telekom, die das kostenlose StreamOn gebucht haben, können so beispielsweise Fernsehen über StreamOn schauen, ohne dass ihr mobiles Datenvolumen belastet wird. Das wird jedoch nicht nur positiv gesehen. Die Frage, ob die Telekom damit gegen das Prinzip der Netzneutralität verstößt, beschäftigt inzwischen auch die Bundesnetzagentur. teltarif.de hat mit Jörg Meyer, Chief Officer Content & Consumer bei Zattoo, exklusiv über dieses Thema gesprochen.

"Die Netzneutralität erachten wir als sehr wichtig", so Jörg Meyer. Dies sei nicht nur der Fall, weil das Zattoo-B2C-Geschäft auf eine diskriminierungsfreie Behandlung in den Netzen angewiesen sei, sondern "weil wir auch persönlich von der makroökonomischen Bedeutung der Netzneutralität überzeugt sind". Man würde bei Angeboten wie dem der Telekom nicht mitmachen, wenn man das Gefühl hätte, ein Angebot schränke die Netzneutralität massiv ein. "Im Fall von StreamOn ist das sicherlich eine kontroverse Diskussion - bei uns intern wie auch draußen bei den Nutzern", gesteht er ein.

"An StreamOn kann sicherlich jeder teilnehmen"

Jörg Meyer ist Chief Officer Content & Consumer bei ZattooJörg Meyer ist Chief Officer Content & Consumer bei Zattoo Man habe den Aufnahmeprozess für das Programm jedoch so wahrgenommen, dass sicherlich jeder daran teilnehmen könne. "Insbesondere in unserem TV-Streaming Markt, der nicht zuletzt aufgrund der Lizenzrechte ohnehin eine länderspezifische Lokalisierung des Angebotes erforderlich macht, dürfte es keinen der Anbieter vor besondere Hürden stellen, am StreamOn-Programm teilzunehmen", ist Meyer überzeugt. Anders sehe das möglicherweise aus, wenn man an internationale Service Angebote denkt. Das sei sicher schon schwieriger zu bewerten. "Wenn ich mir vorstelle, ein deutscher Anbieter eines weltweit nutzbaren Streamingdienstes müsste sich jetzt bei einem kroatischen StreamOn Pendant mit kroatischen Formularen anmelden, wäre das sicher nicht mehr trivial und könnte den Wettbewerb in diesem Marktsegment in Kroatien ungünstig beeinflussen." Für den für Zattoo relevanten Markt des TV-Streaming schätzt Zattoo das aber als unkritisch ein.

Auch die Anforderungen, die die Telekom an ihre Partner stellt, und die Zattoo zu erfüllen hatte, um ins Programm aufgenommen zu werden, seien nach Wahrnehmung des Streaming-Anbieters "minimalst" gewesen. Und Meyer gibt zu bedenken: "Letztlich gibt es für uns als Management Team bei Zattoo auch eine unternehmerische Verantwortung nicht zuletzt gegenüber unseren Mitarbeitern und Eigentümern, bei der Entscheidung, ob wir an solchen Programmen teilnehmen." Schließlich partizipiere Zattoo als Partner auch von den werblichen Reichweiten der Telekom. "StreamOn sehen wir für uns eher als eine Marketing-Partnerschaft."

Nur drei Prozent nutzen TV-Streaming auf dem Smartphone

Unterm Strich ist der Markt der linearen TV-Nutzung vom Smartphone aus aber eh eher gering. Auf die Gesamtnutzung gesehen machen diese Nutzer gerade einmal drei Prozent aus, so Meyer. "Das liegt sicher zum einen daran, dass die Datenvolumen in Deutschland die Nutzer bisher gebremst haben. Gleichzeitig ist lineares Fernsehen nach unserer Einschätzung aber auch kein wirkliches Nutzungsszenario für den S-Bahn-Pendler auf dem Weg zur Arbeit." Bei On-Demand-Inhalten siehe das sicherlich anders aus.

Pro und Contra auch in der teltarif.de-Redaktion

Was spricht für und was spricht gegen StreamOn? Auch innerhalb der teltarif.de-Redaktion gibt es da unterschiedliche Ansichten. Lesen Sie dazu unser Pro & Contra: Ist StreamOn gut oder schlecht?

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