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ViacomCBS: Fusion wird zum Milliardengrab

Erst 2019 schlossen sich Viacom und CBS zusammen, doch die Medi­enehe ist offenbar nicht von Glück gesegnet. Mit der aktu­ellen Markt­kapi­tali­sie­rung wird ViacomCBS im Wett­bewerb selbst zum poten­ziellen Über­nah­meziel.
Von Björn König

Shari Reds­tone hatte es geschafft. Die Tochter des im vergan­genen Jahr verstor­benen Medi­enmo­guls Sumner Reds­tone wollte das Impe­rium ihres Vaters neu ordnen und die beiden Marken Viacom und CBS zu einem gemein­samen Konzern verschmelzen, welcher es mit Comcast, Disney und Warner aufnehmen sollte. Das zersplit­terte Konglo­merat unter dem Dach von National Amuse­ments umfasste bis dato sepa­rate Betei­ligungen an beiden Unter­nehmen, darunter mit MTV und Para­mount Pictures einige der welt­weit bekann­testen Medi­enmarken über­haupt. Foto: Mike Cohen/NYT ViacomCBS-Chefin Shari Redstone hat den Medienkonzern neu ausgerichtet
Foto: Mike Cohen/NYT
Ganz einfach war dieses Vorhaben jedoch nie, denn das rein auf den US-Markt ausge­rich­tete Fern­seh­netz­werk CBS passte nie wirk­lich gut zur schon immer inter­national fokus­sierten Viacom. Mitt­ler­weile wird dies aller­dings auch in der Bilanz deut­lich. Proble­matisch ist diese Entwick­lung auf jeden Fall, denn sie macht ViacomCBS mittel­fristig zu einem Über­nah­mekan­didaten in der US-Medi­enbranche, welche sich zuneh­mend konso­lidiert.

Markt­kapi­tali­sie­rung sinkt

Dass die Fusion nicht zum gewünschten Ziel eines schlag­kräf­tigeren Medi­enkon­zerns führt, sieht man bereits bei einem Blick auf die nackten Zahlen. Als Viacom und CBS noch eigen­ständig waren, erreichten beide Unter­nehmen eine Markt­kapi­tali­sie­rung von 13 bzw. 20 Milli­arden US-Dollar. Beide Medi­enkon­zerne zusammen kommen jedoch nur noch auf 26 Milli­arden US-Dollar. Bedeutet im Klar­text: ViacomCBS hat durch den Zusam­men­schluss sieben Milli­arden US-Dollar an Markt­wert verloren.

Auf der anderen Seite stehen stei­gende Kosten für Block­buster und Seri­enpro­duk­tionen, um mit den neuen Medien-Giganten Warner Bros. Disco­very, Disney sowie Amazon (inklu­sive MGM Studios) mithalten zu können. Das alleine zu stemmen scheint gera­dezu unmög­lich, weshalb Shari Reds­tone schon von sich aus nach weiteren Optionen sucht. Diese scheint sie nun zumin­dest auf dem euro­päi­schen Markt in einer Koope­ration mit Comcast gefunden zu haben.

Kommt es zur Über­nahme?

Proble­matisch ist die sinkende Markt­kapi­tali­sie­rung für ViacomCBS aller­dings nicht nur auf der Ausga­ben­seite. Viel­mehr wird der Medi­enkon­zern selbst hier­durch zu einem attrak­tiven Über­nah­meziel. Nahe­lie­gend wäre hier Comcast, denn die Kata­loge beider Medi­enkon­zerne würden sich in vielen Berei­chen ergänzen. Kartell­recht­liche Probleme sind jedoch vorpro­gram­miert, denn mit Para­mount Pictures und Universal Pictures befänden sich dann schließ­lich zwei Major Studios unter einem Dach, die entspre­chenden Druck auf Kino­betreiber ausüben könnten.

Die Regie­rung von US-Präsi­dent Biden steht weiteren Konso­lidie­rungen in der US-Medi­enbranche wie auch Fusionen großer Konzerne insge­samt sehr kritisch gegen­über. Für die Unter­nehmen selbst ist das ein großes Dilemma. Wenn sich inner­halb der USA keine passenden Fusions- oder Akqui­siti­ons­partner finden, käme nur noch eine Über­nahme aus dem Ausland infrage. Vor allem chine­sische Konzerne wie Tencent oder die Wanda Group sind hier aktiv, doch aufgrund poli­tischer Span­nungen zwischen China und den USA gilt auch diese Option als nahezu ausge­schlossen.

Bleibt noch Netflix

Lachender Dritter könnte am Ende noch Netflix werden. Als einzig rele­vanter Studio-unab­hän­giger Strea­ming-Dienst würde sich hier für das Unter­nehmen aus Los Gatos eine gera­dezu einma­lige Chance für deut­liches Wachstum ergeben. Vor allem aber könnte der Streamer seinen Katalog erheb­lich aufsto­cken und das wäre auch drin­gend nötig. Der Markt­führer Netflix gehörte bislang zu den großen Verlieren der "Strea­ming Wars", denn sie stehen vor einem doppelten Problem.

Einer­seits ist die Markt­kapi­tali­sie­rung von Netflix mitt­ler­weile so hoch, dass die Über­nahme des Strea­mers durch einen Studio­kon­kur­renten als nahezu ausge­schlossen gilt. Selbst für Apple schien der Verkaufs­preis von Netflix unin­ter­essant. Auf der anderen Seite bot sich für Netflix selbst bis auf MGM kein Über­nah­meziel, letzt­end­lich bekam Amazon den Zuschlag. Mit dem aktu­ellen Markt­wert von ViacomCBS dürfte Netflix aber nun wieder im Rennen sein.

Erst kürz­lich hatte sich ViacomCBS neu struk­turiert, um für den Strea­ming-Wett­bewerb besser gerüstet zu sein.

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