Streaming

Musik-Streaming: Musiker demonstrieren gegen Spotify & Co.

Egal ob Phil Collins oder Eminem: Wer heute seinen Lieb­lings­musiker hören möchte, kauft dessen Album längst nicht mehr auf CD. Die Hits kommen per Strea­ming-Flat auf Spotify & Co. Das wiederum schmeckt den Künst­lern nicht.
Von Björn König
AAA
Teilen (9)

Der Name Taylor Swift ist in der Musik­indus­trie mitt­lerweile eine Marke wie Coca-Cola oder McDonald's. Laut Angaben der Inter­national Fede­ration of the Phono­graphic Industry (IFPI) erreichte die US-Ameri­kanerin bereits im vergan­genen Jahr­zehnt welt­weit 170 Millionen verkaufte Tonträger. Ob die "verkauften Tonträger" aller­dings für Musiker in der Zukunft über­haupt noch eine rele­vante Bemes­sungs­grund­lage für ökono­mischen Erfolg sind, darf man ernst­haft anzwei­feln. Musik kommt heute nämlich bekann­termaßen nicht mehr aus dem CD-Player, sondern per Strea­ming-Flat auf alle Geräte. Und genau hier liegt insbe­sondere für viele Musiker das Problem.

Spotify & Co. schaden der Indus­trie

Musikstreaming könnte in Zukunft teurer werdenMusikstreaming könnte in Zukunft teurer werden Bereits 2014 gab es einen großen Streit zwischen Taylor Swift und dem schwe­dischen Musik­streamer Spotify. Dieser musste ihre Alben seiner­zeit aus dem Programm nehmen. Schon damals wurde moniert, dass Künstler nur den Bruch­teil eines Cents je Abruf als Vergü­tung erhalten. Spotify wiederum entgeg­nete, dass man 70 Prozent der Einnahmen an die Musik­indus­trie zurück­führe. Zwar sind Swift-Songs zwischen­zeit­lich wieder dabei, doch der Streit um eine ange­messene Vergü­tung von Musi­kern ist bis heute nicht wirk­lich beigelegt.

Mitt­lerweile wird dieser sogar mit härteren Bandagen geführt. Die Frank­furter Allge­meine Sonn­tags­zeitung berich­tete, dass sich Anwälte und Manager diverser Künstler an die großen Plat­tenla­bels gewendet haben. Betroffen sind Universal, Sony, Warner und BMG. Bei den Musi­kern soll es sich unter anderem um Helene Fischer, Peter Maffay, Sarah Connor und Marius Müller-Western­hagen handeln.

Neuer Vertei­lungs­schlüssel

Während es früher beim Verkauf physi­scher Daten­träger indi­vidu­elle Preise gab, gilt beim Strea­ming für alle Künstler das gleiche Prinzip. Dienste wie Spotify, Deezer oder Amazon Music Unli­mited erheben einen monat­lichen Fixpreis. Dieser bewegt sich in der Regel um zehn Euro im Monat (wobei die Abon­nements in der Regel auch zum Monats­ende kündbar sind). Nach Aussage der Frank­furter Allge­meinen Zeitung behält Spotify beispiels­weise direkt 30 Prozent dieser Einnahmen ein. Die Labels als Rech­teinhaber bekommen drei Euro, die Musiker selbst nur 80 Cent oder sogar weniger. Der Rest gehe beispiels­weise an Song­writer, Musik­verlage, Abrech­nungs­dienst­leister und letzt­endlich per Mehr­wert­steuer an den Staat.

Doch genau an diesem Vertei­lungs­schlüssel stört sich nun eine immer größer werdende Anzahl an Musi­kern. Disku­tiert wurde dabei das soge­nannte User Centric Payment System (UCPS). Nach diesem Modell werden die Aboge­bühren des Nutzers ausschließ­lich unter den von ihnen gehörten Künst­lern verteilt. Nach dem bishe­rigen "Pro Rata"-Modell werden alle Einnahmen gesam­melt und gemäß einem Vertei­lungs­schlüssel an die Künstler ausge­zahlt. Das Geld geht dabei aber nicht direkt an die Musiker, sondern zunächst an ihre Labels.

Konse­quenzen für Nutzer

Eine Umstel­lung des Vertei­lungs­schlüs­sels aus den Einnahmen der Musik­streamer wäre sicher­lich eine Lösung, die sich vor allem für weniger bekannte Künstler positiv auswirkt. Aller­dings gene­riert eine solche Maßnahme natür­lich insge­samt nicht mehr Geld. Letzt­endlich können die rund zehn Euro aus einem Spotify oder Deezer-Abo nicht mehr­fach verteilt werden. Zudem haben die Dienste selbst als Bereit­steller der Infra­struktur wohl kaum Inter­esse, bei ihren Einnahmen zurück­zuste­cken. Was also am Ende wirk­lich bleibt, sind zwei Optionen.

Möglich­keit 1: Die Musiker handeln selbst neue Verträge mit ihren Labels aus, um eine höhere Betei­ligung zu errei­chen (was aber für viele eben weniger bekannte Künstler kaum realis­tisch sein dürfte). Möglich­keit 2: Es gibt Verhand­lungen mit den Strea­mern um Preis­erhö­hungen, die dann ausschließ­lich unter den Künst­lern verteilt werden. Dies erscheint deut­lich realis­tischer, doch auch hier gibt es ein anderes Risiko: Bei monat­lichen Abo-Gebühren deut­lich über der psycho­logi­schen 10 Euro-Grenze droht eine Gefahr, dass viele User wieder in ille­gale Down­loads abwan­dern. Und dann profi­tieren weder Streamer noch Labels oder Musiker.

Teilen (9)

Mehr zum Thema Musik-Streaming