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Verlieren Amazon und Netflix weitere beliebte Serien?

In diesem Jahr verloren Netflix und Amazon bereits viele beliebte Serien aus lizenz­recht­li­chen Gründen an Disney+. Das war aber mögli­cher­weise noch längst nicht alles, falls im kommenden Jahr Hulu in Deutsch­land an den Start gehen sollte.
Von Björn König

Foto: ABC Die ABC-Serie "Revenge" läuft in Deutschland unter anderem bei Prime Video
Foto: ABC
Bis zu diesem Jahr hatte Netflix viele beliebte Lizenz­se­rien und Filme im Programm. Dazu gehörten insbe­son­dere die Produk­tionen von Disney sowie zuge­hö­rigen Studios. Beliebt waren vor allem Marvel-Serien, welche Netflix sogar exklusiv im Programm hatte. Schluss war damit im März, als Disney seinen eigenen SVoD-Service Disney+ in Deutsch­land an den Start schickte und seinen eigenen Katalog mit den entspre­chenden Inhalten füllte. Doch ein weiterer Verlust könnte für Netflix und Amazon erst noch drohen, denn viele Disney-Serien laufen hier­zu­lande noch gar nicht bei Disney+. Sie sind vor allem in den USA bei Hulu bzw. dem Disney-TV-Network ABC zu sehen. Und eben diese ABC-Inhalte könnte Disney bei einem mögli­chen Deutsch­land-Start von Hulu im kommenden Jahr von seinen Mitbe­wer­bern Amazon, Sky und Netflix abziehen.

Hoch­ka­rä­tige ABC-Produk­tionen

Foto: ABC Die ABC-Serie "Revenge" läuft in Deutschland unter anderem bei Prime Video
Foto: ABC
Die American Broad­cas­ting Company (ABC) ist neben NBC und CBS eines der großen ameri­ka­ni­schen TV-Netz­werke. Alle drei Netz­werke sind in den USA wich­tige Produ­zenten von hoch­ka­rä­tigen TV-Serien, welche in Deutsch­land bislang als Lizenz­ware bei linearen Sendern sowohl im Free- und Pay-TV als auch bei Strea­ming­diensten laufen. Bekannte ABC-Produk­tionen sind beispiels­weise "Grey's Anatomy", "Desi­gnated Survivor" oder "Modern Family".

Bislang hatte Disney für diese Produk­tionen keine direkte Verwer­tungs­mög­lich­keit auf dem deut­schen Markt, da es sich größ­ten­teils um Drama-Serien handelt, für welche sich in Deutsch­land kein eigener Sende­platz fand. Beispiels­weise passt eine Krimi­serie wie "How To Get Away With Murder" schlecht in den Disney Channel, glei­ches gilt für Disney+, schließ­lich soll das eigene Angebot explizit auch an Kinder gerichtet sein.

Hulu würde Karten neu mischen

In den vergan­genen Wochen wurde in verschie­denen Fach­me­dien darüber disku­tiert, dass Disney im kommenden Jahr auch seinen zweiten Strea­ming-Dienst "Hulu" nach Europa bringt. Vor dem Hinter­grund des großen Kata­logs an Inhalten wäre das nur logisch und konse­quent. Dann dürften auch viele FSK16- bzw. FSK18-Inhalte aus dem Disney-Port­folio in Europa eine neue Heimat finden.

Man denke beispiels­weise an die Rechte der Alien-Filme, welche Disney zusammen mit dem Studio 20th Century Fox erworben hat. In den USA bietet Hulu derzeit zwei Abo-Modelle an: Einen reinen On-Demand-Service sowie eine weitere Option mit Live-TV. Dies entspricht etwa dem Angebot wie hier­zu­lande Joyn von ProSiebenSat.1 und Disco­very. Aller­dings ist nicht davon auszu­gehen, dass Hulu im Falle eines Deutsch­land-Starts eben­falls eine Live TV-Option anbieten wird.

Einschät­zung: Werden zwei von Disney betrie­bene Dienste Erfolg haben?

Für Abon­nenten von Netflix, Amazon und Sky dürfte der mögliche Verlust von ABC-Content eine weitere schlechte Nach­richt sein. Aber auch für die Disney-Fans würde es in diesem Falle teurer werden. Sie müssten dann neben den knapp sieben Euro im Monat für Disney+ noch einen weiteren Dienst abschließen, um das ganze Angebot des Mickey-Mouse-Konzerns sehen zu können.

Disney muss sich hier die berech­tigte Frage stellen lassen, warum man nicht einfach eine Jugend­schutz­prü­fung bei Disney+ imple­men­tiert und dann auch alle Inhalte ab FSK16 in den Katalog aufnimmt. Einzig aus Jugend­schutz­gründen einen zweiten Streamer zu starten und Abon­nenten extra zahlen zu lassen, mag aus Sicht von Disney eine ökono­misch kluge Entschei­dung sein. Ob die Zuschauer dabei aller­dings mitspielen, ist zumin­dest sehr frag­lich. Zumal es auch noch reich­lich Strea­ming-Ange­bote außer­halb von Disney gibt und Inter­es­senten mit schmalem Haus­halts­budget wohl kaum die Mittel dazu haben dürften, bei mehreren Strea­ming-Diensten ein Abon­ne­ment abzu­schließen.

Mehr Infor­ma­tionen finden Sie in unserer Über­sicht zum Thema Strea­ming.

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