Aufs Ohr

Musik aus dem Netz: Verdrängt Streaming CDs und MP3s?

Die Deutschen hängen an der CD - iTunes oder Spotify zum Trotz. Doch auch Musik-Streaming wird immer beliebter. Das Wachstum dieser Dienste ist rasant und dürfte sich noch weiter be­schleunigen. Doch wie wirkt sich der Trend auf die Künstler aus? Und wie entwickelt sich die Musik­branche in den Schwellen­ländern?
Von Jennifer Buchholz mit Material von dpa
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Das Musikgeschäft befindet sich erneut in einer Umbruchphase. Zwar wollen die meisten Musik­lieb­haber noch immer eine CD oder MP3 ihres Lieblings­künstlers persönlich besitzen, jedoch hören viele inzwischen Songs direkt aus dem Netz via Musik-Streaming.

Musikbranche verdient an Streaming

Wie einst die MP3 und die dazugehörigen MP3-Player die Branche umpflügten, wird das Streaming von Musik den Markt erneut durch­einander­wirbeln. Bis 2018, schätzen Markt­forscher der GfK, wird in Deutschland der Streaming-Anteil am Musikumsatz auf mehr als ein Drittel klettern. Aber auch in anderen europäischen Ländern wie Italien, Frankreich, Niederlande oder in Großbritannien sieht die Entwicklung nicht anders aus. Das ohnehin kräftige Wachstum werde sich laut Experten deutlich beschleunigen. So wuchs im vergangenen Jahr die Anzahl der Abo-Dienste global um 51 Prozent (1 Milliarde US-Dollar bzw. 738,1 Millionen Euro), was der Musikbranche zu einem Umsatzwachstum von zusätzlich 4,3 Prozent verhalf.

Zurückzuführen sind die Umsätze allerdings auf die Erlöse aus Europa. In den USA sowie in Lateinamerika blieb der Umsatzerlös stabil. Und auch der US-Tonträgermarkt blieb konstant. Hier zeichnete sich, laut Angaben des Musikverbandes IFPI, ein Wachstum von etwa 1 Prozent ab.

Einnahmen der Musikindustrie wachsen konstant

Musik-Streaming gewinnt an BeliebtheitMusik-Streaming gewinnt an Beliebtheit Trotz der positiven Entwicklung in den meisten Märkten sank der globale Umsatz der Musikindustrie im Jahr 2013 insgesamt um 3,9 Prozent auf 15 Milliarden US-Dollar (11 Milliarden Euro). Das Ergebnis wurde stark von einem Umsatzeinbruch in Höhe von 16,7 Prozent in Japan, das für mehr als ein Fünftel des weltweiten Umsatzanteils verantwortlich ist, beeinflusst. Der japanische Markt befindet sich allerdings derzeit noch im Übergang. Streaming- und Abo-Dienste sind hier noch nicht derart stark verbreitet wie in den USA oder Europa. Doch auch ohne die Zahlen aus Japan verliert der weltweite Tonträgermarkt insgesamt 0,1 Prozent.

Es wird geschätzt, dass mehr als 28 Millionen Menschen weltweit für ein Musik-Abonnement zahlen; im Jahr 2012 waren es 20 Millionen und 2010 lediglich 8 Millionen Nutzer.

Dieser Trend beeinflusst auch die Musikbranche. Gegen eine Gebühr kann unendlich viel Musik gehört werden - nicht mehr einzelne Titel oder Alben bilden das Produkt, sondern der Zugang. Dies verändert die Musikbranche ebenso wie die Medienszene.

Um weiterhin Einnahmen zu generieren, lizenzieren Plattenfirmen viele neue Dienste, wie beispielsweise Beats Musik und iTunes-Radio. Die Branche erwartet, dass sich diese Dienste schnell auf der ganzen Welt verbreiten. So gibt es derzeit international bereits rund 450 lizenzierte Dienste, darunter auch globale Dienste wie Spotify, die in 38 neue Märkte expandiert sind.

Doch noch immer sind Downloads und physische Formate wichtig für die Industrie. Digitale Downloads machen insgesamt zwei Drittel der digitalen Erlöse (67 Prozent) aus. Und auch die physikalischen Vertriebsformate wie CDs und Vinyls, bringen noch genügend Einnahmen. Sie machen mehr als die Hälfte (51,4 Prozent) aller weltweiten Umsätze aus - 2012 waren es noch 56 Prozent. Wichtigste Märkte sind unter anderem noch immer Deutschland, Italien und die USA.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie die Musikindustrie noch mehr Geld aus den Streaming-Angeboten generieren will.

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