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Streaming-Dienst: So schlägt sich Joyn+ im Test

Zum Jahres­endspurt star­tete ProSieben die kosten­pflich­tige Premi­umver­sion von Joyn. Im ersten Test zeigte das Produkt aller­dings noch diverse Kinder­krank­heiten und auch beim Katalog gibt es Nach­holbe­darf.
Von Björn König
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Im Juni ging Joyn bereits offi­ziell an den Start, nun wurde auch die mit Span­nung erwar­tete Premi­umver­sion Joyn+ nach­gereicht. Wir haben uns einen ersten Eindruck verschafft, was das neue Angebot kann und wie es sich gegen die US-Konkur­renz von Amazon und Netflix behauptet. Fest steht aller­dings schon jetzt, dass im Bereich Technik als auch Inhalte noch weiterer Fein­schliff nötig ist.

Die Anmel­dung

Neue Angebote bei Joyn
Neue Angebote bei Joyn
Im Gegen­satz zu Maxdome erfolgt die Regis­trie­rung für Joyn+ nicht direkt unter Angabe der Bank­verbin­dung. Viel­mehr legt man einen kosten­losen Account an und kann diesen dann über ein Google Play-Abon­nement kosten­pflichtig erwei­tern. Aktuell gibt es einen Monat kostenlos, drei weitere im Anschluss für ledig­lich 3,99 Euro. Danach fällt dann der regu­läre Preis von 6,99 Euro an. Das ist in jedem Falle einen Euro güns­tiger, als das bishe­rige Maxdome-Angebot für 7,99 Euro. Bei der Anmel­dung haperte es aller­dings.

Wir bekamen eine Bestä­tigungs­mail zur Frei­schal­tung, jedoch funk­tionierte diese offenbar nicht. An der Hotline teilte man uns mit, dass der Account manuell frei­geschaltet werden müsse. Dies dauerte schließ­lich mehrere Stunden und erfor­derte sogar einen zweiten Anruf. Hier muss man ehrli­cher­weise sagen: So eine Start­schwie­rigkeit hinter­lässt bei Neukunden nicht unbe­dingt den besten ersten Eindruck.

Inhalte

Wie zu erwarten, wurden die ehema­ligen Maxdome-Inhalte weitest­gehend über­nommen. Offen­sicht­lich hat man den Katalog dabei auch "ausge­mistet", denn einige weniger attrak­tive Inhalte aus der ProSieben-Familie sind zumin­dest nach unserem Eindruck nicht mehr auffindbar. Im Bereich Live TV gibt es nun alle wich­tigen Privat­sender abzüg­lich der RTL-Gruppe in HD. Als kleines Bonbon kommen die Pay-TV-Sender ProSieben Fun, Kabel1 Clas­sics, Sat1 Emotions sowie Disco­very Channel und Animal Planet hinzu.

Alle SVoD-Inhalte sind werbe­frei, der bislang obli­gato­rische Werbe­spot vor den Privat­sendern im Live TV scheint in der Premi­umva­riante eben­falls wegzu­fallen. Hier gab es zwar vorab unklare Aussagen, doch zumin­dest bei unserem Test konnten wir dies bestä­tigen. Wer die linearen Pay-TV-Sender schauen möchte, muss zudem eine Alters­veri­fika­tion samt Perso­nalaus­weis und PIN-Vergabe am Computer durch­führen. Dies ist in der App scheinbar (noch) nicht möglich. Weniger optimal war zudem, dass die Eingabe der Jugend­schutz-PIN bei den Pay-TV-Sendern gene­rell notwendig ist.

Kritik­punkte

Wenn man in der App zum Voll­bild­modus wech­selt, gibt es offenbar immer einen kurzen Ton-Aussetzer, auch gab es in den Abend­stunden immer mal wieder Probleme mit einem insta­bilen, über­lasteten bzw. verpi­xelten Stream. Das mögen Bugs sein, die hoffent­lich in einer kommenden Version gefixt werden. Ebenso ist aktuell wohl noch keine indi­vidu­elle Anord­nung der Live TV-Sender möglich. Ärger­lich ist zudem, dass ehema­lige Maxdome-Nutzer offenbar nicht auto­matisch mit ihren Verträgen zu Joyn migriert werden, sondern ein neues Abo abschließen müssen. Dies wäre vor allem für Kunden inter­essant gewesen, die das Maxdome-Abo seiner­zeit zu Sonder­kondi­tionen für dauer­haft 4,99 Euro abge­schlossen haben.

Der Preis von 6,99 Euro ist zwar im Markt­vergleich günstig, jedoch mit Blick auf die Inhalte sind knapp 7 Euro hart an der Grenze. Für einen Euro mehr kann man nämlich auch bereits bei Amazon Prime und Netflix einsteigen. Dort bekommt man in Sachen exklu­siver US-Serien sicher­lich weitaus mehr geboten. Der direkte Konkur­rent TVNOW von RTL ist zwar in Sachen Content weniger umfang­reich als Joyn, kostet aber auch zwei Euro weniger. Bei Magenta TV der Telekom gibt für 7,99 Euro auch noch die RTL-Sender sowie exklu­sivere SVoD-Inhalte von Fox und Sony on top.

Unser Fazit

Eine unein­geschränkte Empfeh­lung für Joyn+ würden wir zumin­dest im Moment noch nicht geben. Der Knack­punkt ist einfach, dass es kaum wirk­lich exklu­sive US-Inhalte als Erst­ausstrah­lung gibt und der Katalog insge­samt noch zu klein ist. Das ist offen­kundig bei Anbie­tern wie Netflix, Amazon und Sky Ticket ganz anders. Zwar möchte man dies offenbar mit den Joyn Origi­nals kompen­sieren, hier muss man sich aber auch mit dem zwei­fellos sehr guten US-Wett­bewerb messen. Sollte Joyn aller­dings erneut an der Preis­schraube drehen und in den Bereich von TVNOW oder Apple TV+ wech­seln, wäre das Preis-Leis­tungs­verhältnis sicher­lich weitaus attrak­tiver.

Auf einer spezi­ellen Über­sichts­seite verglei­chen wir Joyn+ mit anderen Live-TV-Diensten.

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