Zero-Rating

Keine Flatrates für mobile Streaming-Nutzung

Auch in Zukunft werden Deutsche, die intensiv Audio- und Videodienste im mobilen Internet nutzen, für ein entsprechendes Highspeed-Kontingent bezahlen müssen. Unbegrenzte Flatrates soll es einer Studie zufolge ebenso wenig geben wie das aus den USA bekannte Zero-Rating.

In Deutschland wird es kein Zero-Rating für die mobile Streaming-Nutzung geben. In Deutschland wird es kein Zero-Rating für die mobile Streaming-Nutzung geben.
Bild: teltarif.de / Michael Fuhr
Für die Medienbranche liegt die Zukunft von Audio und Bewegtbild im mobilen Internet. Zumindest theoretisch sind hier attraktive neue Geschäftsmodelle für Rundfunkveranstalter wie Apps für Personal Radio oder TV auf Abruf möglich. Spielverderber sind allerdings die Mobilfunkbetreiber: Schlecht ausgebaute Netze auf dem Land, nicht selten nur mit Schneckentempo über EDGE oder gar nur GPRS sowie begrenzte Highspeed-Volumina sorgen dafür, dass die Entwicklung des mobilen Internet auf diesem Sektor bisher hinter den Möglichkeiten und Erwartungen vieler Marktakteure zurück bleibt. In Deutschland wird es kein Zero-Rating für die mobile Streaming-Nutzung geben. In Deutschland wird es kein Zero-Rating für die mobile Streaming-Nutzung geben.
Bild: teltarif.de / Michael Fuhr

Zero-Rating und echte Mobil-Flatrates auf dem US-Markt Normalität

Im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) erarbeitete der Marktforscher Goldmedia nun eine Studie zur Marktentwicklung von Zero-Rating-Angeboten für mobile Datendienste, die in diesem Monat veröffentlicht wurde. Unter Zero-Rating versteht man ein Tarifsystem im Mobilfunk, bei dem die Nutzung bestimmter Dienste nicht auf das jeweilige Datenvolumen angerechnet wird. Im Rahmen der Studie werden insbesondere die Marktsituation in den USA mit dem Status quo im deutschen Mobilfunkmarkt abgeglichen und Einschätzungen zur Marktentwicklung in Deutschland getroffen. Auf dieser Basis werden zudem Aspekte abgeleitet, die für die Medienregulierung relevant sind.

Die Studie stellt dar, dass T-Mobile US im internationalen Vergleich derzeit mit das umfassendste Zero-Rating-Programm für Audio- und Video-Streaming anbietet. Die Kunden von T-Mobile US können mittlerweile praktisch unbegrenzt mobil streamen. Unter dem Titel Music Freedom und BingeOn bündelt die US-Tochter der Telekom ein attraktives Angebot mit 44 Audio-Streaming- beziehungsweise 24 Video-Streaming-Diensten (Stand: Januar 2016), die ohne Anrechnung auf das Datenvolumen genutzt werden können. Das Videoprogramm sei nach Aussage von T-Mobile US zudem offen für weitere Anbieter. Die Auswahl und inhaltliche Vielfalt der Zero-Rating-Inhalte für den Audiobereich sei erheblich größer als in Deutschland, und der gleiche offene Ansatz wurde auf den Videobereich übertragen.

Verstoß gegen Netzneutralität?

Jedoch stünden die Zero-Rating-Angebote von T-Mobile US auch in der Kritik: Diese beziehe sich darauf, dass aus Gründen des Netzwerkmanagements nicht nur Videoinhalte teilnehmender BingeOn-Partner, sondern auch Videoinhalte von YouTube und anderen auf eine Datenrate von 1,5 MBit/s gedrosselt würden und damit das Gebot der Netzneutralität verletzt würde. Darüber hinaus seien Beschwerden laut geworden, dass Anträge kleinerer Anbieter zur Aufnahme in das BingeOn-Programm nicht beantwortet werden. Trotzdem sei der Ansatz von T-Mobile US als deutlich marktoffener zu bewerten als der deutsche Ansatz einer exklusiven Partnerschaft, heißt es in der Studie von Goldmedia.

Wettbewerber von T-Mobile US wie AT&T und Verizon gehen inzwischen dazu über, Daten-Sponsorings für Dienste- und Inhalteanbieter zu vermarkten. Damit könnten Unternehmen die Nutzung ihrer Apps oder Inhalte für die Mobilfunkkunden kostenfrei halten (das heißt keine Anrechnung auf das Datenvolumen), in dem sie die Nutzungskosten übernehmen. Daneben bieten jedoch fast alle Mobilfunknetzbetreiber in den USA auch echte, das heißt unlimitierte mobile Datenflatrates als Premium-Produkt an - eine Alternative, die auf dem deutschen Markt bislang nicht zu finden ist.

Mobilfunkbetreiber wollen bestehendes Geschäftsmodell schützen

Ob sich mobilfunkbasierte Datendienste kurzfristig auch in Deutschland zu einem wichtigen Empfangsweg für Rundfunkinhalte entwickeln werden, ist laut der Goldmedia-Studie eher fraglich. Die hiesigen Mobilfunknetzbetreiber würden bei der Entwicklung neuer Angebote darauf bedacht sein, das derzeitige Geschäftsmodell zu schützen, das auf Preisdifferenzierung für unterschiedliche Datenvolumentarife basiere und Zusatzerlöse durch Datenautomatik oder manuelle Nachbuchung ermöglicht.

Aufgrund der konsolidierten Marktsituation bestehe derzeit für keinen der drei großen Mobilfunknetzbetreiber die Notwendigkeit, mit Anbieter übergreifenden Video- oder Audio-Streaming-Flatrates ohne Kostenbeteiligung der Inhalteanbieter auf den Markt vorzustoßen und das aktuelle Preis-Leistungsgefüge aufzubrechen. Damit sind auch echte mobile Flatrates ohne Datenvolumenbegrenzung für die generelle Online-Nutzung, wie sie in den USA zum Beispiel von Sprint angeboten werden, kurzfristig nicht zu erwarten.

Vermarktungspartnerschaften, wie sie die Telekom mit Spotify eingegangen ist, würden voraussichtlich auch in Zukunft auf exklusiven Vereinbarungen basieren. Alle anderen Audio-Streaming-Anbieter, die ihre Angebote im Rahmen von Zero-Rating-Modellen auf mobilen Endgeräten vermarkten wollen, müssten demnach die direkten Nutzungskosten in ihr Geschäftsmodell einpreisen.

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