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Streaming: Disney Channel stellt Smartphone-App ein

In der Disney Channel-App gab es bislang viele Inhalte des Micky Maus-Konzerns gratis. Damit ist nun endgültig Schluss. Das Unter­nehmen konzen­triert sich voll­ständig auf den Start seines kosten­pflich­tigen SVoD-Service im März.
Von Björn König
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Das Angebot vom frei empfang­baren Disney Channel ist nicht nur bei Kindern beson­ders beliebt. Auch Jugend­liche und Erwach­sene schauen Disney-Serien und Filme gerne. Vor allem das Nach­mittags- und Abend­programm ist zum Beispiel mit Sitcoms und Spiel­filmen auf eine ältere Ziel­gruppe zuge­schnitten. Viele Inhalte sind darüber hinaus (inklu­sive Werbung) auch in der Disney Channel-App verfügbar.

Damit ist aller­dings schon sehr bald endgültig Schluss, denn Disney hat mit seinem Deutsch­land-Geschäft andere Pläne. Dazu gehört offen­sicht­lich auch eine Neupo­sitio­nierung der linearen Sender, welche in Zukunft zulasten des Strea­ming-Ange­bots erheb­lich an Bedeu­tung verlieren dürften.

Fokus auf Disney+

Der Disney Channel stellt seine App einDer Disney Channel stellt seine App ein Wer künftig Disney-Inhalte per App auf dem Tablet oder Smart­phone schauen möchte, wird wohl spätes­tens ab 24. März auf Disney+ umsteigen müssen. Dann gibt es Serien wie "Phineas und Pherb" oder "Duck Tales" aller­dings nicht mehr umsonst, sondern nur noch im Monatsabo zum Preis von 6,99 Euro oder alter­nativ 69,99 Euro im Jahr. Auf der anderen Seite wird das Angebot werbe­frei und wesent­lich umfang­reicher. Vor allem sind hier sicher­lich Block­buster, wie die Star Wars-Serie "The Manda­lorian" oder Content aus dem Marvel-Universum zu nennen.

In so manchem Kinder­zimmer werden dann wohl Tränen kullern, denn nicht alle Eltern dürften sich von ihrem Nach­wuchs über­zeugen lassen, ein entspre­chend kosten­pflich­tiges Abo abzu­schließen. Für Disney ist der Fall aber klar: Wachstum gibt es im linearen TV-Geschäft nicht mehr, die Zukunft gehört eindeutig dem Strea­ming. Der bishe­rige Erfolg von Disney+ in den USA spricht dies­bezüg­lich auch für sich, bereits vor dem Deutsch­land-Start hat das Unter­nehmen rund 30 Millionen neue Kunden für Disney+ einge­sammelt.

Ankün­digung auf der Home­page

Anschei­nend macht man bereits Nägel mit Köpfen und hat die Disney-Channel-App schon aus dem deut­schen Google-Play-Store genommen. Die Ankün­digung auf der Home­page fällt trotz der wich­tigen Umstel­lung eher knapp aus: "Liebe Fans, wir möchten Euch mitteilen, dass die Disney Channel App, der Live­stream und die ganzen Folgen hier auf der Website am 6. März einge­stellt werden. Vielen Dank, dass Ihr diese Ange­bote genutzt habt. Wir hoffen, ihr habt weiterhin Spaß mit Euren Lieb­lings-Serien im Disney Channel im TV und mit Clips auf YouTube unter youtube.com/disney­chan­nelde."

Inter­essant an dieser Ankün­digung ist jedoch, dass Disney+ mit noch keinem Wort erwähnt wird. Dass der Live­stream nicht nur aus der App, sondern auch von der Website genommen wird, ist jedoch eini­germaßen über­raschend. Vor diesem Hinter­grund kann man davon auszu­gehen, dass der Disney Channel künftig nur noch als eine Art "Werbe­fenster" für den Strea­ming-Dienst fungiert.

Riskante Stra­tegie

Disneys Schwenk zu non-linearen Inhalten ist natür­lich vor dem Hinter­grund aktu­eller Markt­entwick­lungen voll­kommen nach­voll­ziehbar und auch folge­richtig. Man sollte aller­dings auch nicht vergessen, dass der Disney Channel mitt­lerweile eine wich­tige Größe auf dem deut­schen TV-Markt ist. Der Sender erreichte 2019 immerhin rund 13 Prozent Markt­anteil in seiner Kern­ziel­gruppe.

Sicher­lich wäre Disney schlecht beraten, den Sender nun "stief­mütter­lich" zu behan­deln und damit Werbe­kunden zu vergraulen. Dass diese nämlich zum Strea­ming-Dienst wech­seln, gilt als eher unwahr­schein­lich. Wie auch Netflix setzt man im Burbank nämlich bei der welt­weiten Verbrei­tung auf ein reines SVoD-Modell.

Zwar betreibt der Micky Maus-Konzern mit Hulu noch einen weiteren teils werbe­finan­zierten Strea­ming-Dienst, dieser wurde jedoch mitt­lerweile voll­ständig in Disney inte­griert. Von daher dürfte sich auch hier das Geschäfts­modell ändern, sofern eben­falls eine welt­weite Verbrei­tung ange­strebt wird.

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