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Apple TV+ kooperiert mit Filmstudios

Netflix hatte für sein Original "The Irishman" bereits Martin Scor­sese und Robert De Niro an Bord. Apple-Chef Tim Cook spannt das Erfolgsduo eben­falls für Apple TV+ ein, diesmal ist sogar ein bekanntes Holly­wood-Studio mit dabei.
Von Björn König

Bereits im Mai berich­teten Medien über einen großen Deal: Apple finan­ziert den Martin-Scor­sese-Block­buster "Killers of the Flower Moon", wobei 180 Millionen US-Dollar veran­schlagt sind. Inter­es­sant an dieser Meldung war aber weniger der Umstand, dass Apple nun in einen Holly­wood-Film inves­tiert. Immerhin hat auch Netflix mit "The Irishman" eine Scor­sese-Produk­tion finan­ziert und als Original sowie auf der großen Kino­lein­wand vermarktet. Viel inter­es­santer ist im Falle von Apple das Vertriebs­mo­dell an sich, welches lang­fristig die Fehde zwischen Kinos und Strea­ming-Diensten auflösen könnte.

Kein Apple-Logo auf der Lein­wand

Foto: Apple Noch scheint Regisseur Martin Scorsese mit Apple-Produkten zu fremdeln
Foto: Apple
Der wesent­liche Unter­schied zu Netflix ist, dass der Film nicht als eigenes Original in die Kinos kommt. Viel­mehr über­lässt Apple die Kino­aus­wer­tung dem Holly­wood-Studio Para­mount Pictures. Diese Lösung ist in zwei­erlei Hinsicht sehr inter­es­sant: In der tradi­tio­nellen Verwer­tungs­kette lag das Finan­zie­rungs­ri­siko eines Films ganz wesent­lich bei den Holly­wood-Studios selbst. Kommt jedoch das Geld von einem Tech-Konzern wie Apple, dürften die Risiken insge­samt erheb­lich geringer ausfallen. Gleich­zeitig schmä­lert sich für das Studio jedoch nicht die Aussicht auf hohe Einspiel­ergeb­nisse.

Und was konkret hätte Apple von einem solchen Deal? Nun, der Konzern bekäme voll­stän­dige Kontrolle über die Verwer­tungs­kette nach der Kino­ver­öf­fent­li­chung. Das heißt, der Film würde direkt nach einem sicher­lich kurzen Fenster direkt beim Strea­ming-Dienst Apple TV+ landen. Auf der anderen Seite müsste sich Apple nicht direkt mit den Kinos ausein­an­der­setzen. Auch die eigent­liche "Produk­ti­ons­ar­beit" würde wie bisher beim Studio verbleiben.

Finan­zi­elles Risiko bleibt über­schaubar

Natür­lich hören sich 180 Millionen US-Dollar zunächst nach viel Geld an. Für Apple ist das jedoch ein eher über­schau­barer Betrag und auch das Risiko eines Flops wäre wohl zu verschmerzen. Dass aber ausge­rechnet der Regis­seur von "Good Fellas" oder "The Wolf of Wall Street" eine große Holly­wood-Produk­tion in den Sand setzt, scheint sowieso ausge­spro­chen unwahr­schein­lich. Von daher kann Apple mit solchen Block­buster-Produk­tionen eigent­lich nur gewinnen.

Lang­fristig sind die Kino­pro­duk­tionen aller­dings vor allem für die Erwei­te­rung des Apple-Kata­logs mit eigenen Lizenzen inter­es­sant. Das Haupt­pro­blem für den Tech-Konzern aus Cuper­tino ist nämlich nach wie vor das geringe Volumen an eigenen Inhalten gegen­über großen Studios wie Disney oder Warner. Und selbst gegen­über Netflix liegt Apple mit dem Content für seinen eigenen Strea­ming-Dienst noch deut­lich zurück.

Abhän­gig­keit von Medi­en­kon­zernen

Ganz ohne Risiko ist eine Zusam­men­ar­beit mit Para­mount für Apple trotzdem nicht. Man darf immerhin nicht vergessen, dass hinter Para­mount der US-Medi­en­kon­zern ViacomCBS steht. Und dieser hat eben­falls eigene Strea­ming-Ambi­tionen. Dass in Zukunft also einfach alle Para­mount-Kino­filme im Anschluss an die Kino­aus­wer­tung bei Apple TV+ landen, erscheint vor diesem Hinter­grund ausge­spro­chen unwahr­schein­lich. Das würde besten­falls nur für die Produk­tionen gelten, bei denen Apple selbst (sehr viel) Geld in die Hand nimmt.

Sollte Apple also wirk­lich die volle Kontrolle über die Verwer­tungs­kette eigener Inhalte bekommen wollen, müssen sie wohl oder übel das volle Risiko auf sich nehmen und alleine produ­zieren. Egal für welchen Weg sich der Tech-Riese schließ­lich entscheidet, am Geld dürfte es in jedem Falle nicht mangeln.

In einem weiteren Artikel haben wir Apple TV+ getestet.

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