Hintergrund

Besuch im Strato-Rechenzentrum: Ein Blick hinter die Kulissen

HiDrive & Co: So sieht die Cloud von Innen aus
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Irgendwo vor ein paar Wochen in Berlin: Es ist kalt und ich stehe vor einem Gebäude. Der Eingang: eine kleine unauffällige Stahltür. Nach dem Klingeln geht sie auf. Drinnen begrüßt mich der Technik-Chef des zweitgrößten Webhosting-Anbieters Europas: Strato. Technik-Chef René Wienholtz hat sich an diesem Morgen Zeit genommen, mich durch das Strato-Rechenzentrum zu führen. Wo es ist, ist geheim. Nur so viel verrät Strato selbst auf seiner Webseite: Berlin. Für Lieferungen steht auf der Klingel der Name einer Tarnfirma. Um sicher zu gehen, dass ich niemandem sage, wo sich das Rechenzentrum genau befindet, hat mir die Presseabteilung vor dem Treffen zwei Dokumente zugeschickt: Vertraulichkeits- und Verschwiegenheitsvereinbarungen. Kostennote, wenn ich mich nicht daran halte: einige tausend Euro. Die Vereinbarungen schließen auch das Benutzen von Kameras aus, die Bilder für diesen Artikel stammen von Strato.

HiDrive-Plattform: Hier liegen die Daten der Online-Festplatten der KundenHiDrive-Plattform: Hier liegen die Daten
auf den Online-Festplatten der Kunden
"Sie sind früh da", freut sich Wienholtz, der heute so gar nicht gekleidet ist, wie man sich einen Vorstand vorstellt: Jeans, grauer Kaputzenpulli, drunter ein T-Shirt. Aber es passt zur Umgebung, ein Anzug wäre hier fehl am Platz. Selbst ich fühle mich mit meinem Hemd schon overdressed. Wir stehen in einem kleinen Aufenthaltsraum, in dem zwei Techniker gerade noch gefrühstückt haben. Nun sitzen sie im Nebenraum, kümmern sich um neu eingetroffene Hardware und schauen immer wieder auf Monitore, die die Temperaturen im Rechenzentrum anzeigen. Die Wände im Eingangsbereich sind weiß, die Räume eher klein. An den Wänden stehen gerade eingetroffene Kartons mit neuer Hardware. Sie wird wohl bald an ihren vorgesehenen Platz geräumt. Adressiert sind die Kartons an die Tarnfirma. Kurz noch eine Unterschrift in einem Anwesenheitsbuch, dann kann es losgehen.

Beim Gang zum Trafo brummen über uns die Stromschienen

Der Technik-Vorstand lotst in die ersten Technik-Räume. Mit einer Chip-Karte, die er sich vorher aus einem Code- und Schlüssel-geschützten Schrank geholt hat, öffnet er mir die Türen. Vor einer Tür bleibt er stehen und zeigt auf ein Handy-Verbotsschild. Zeit, offline zu gehen. Auch für ihn. Über uns brummt es laut. "Hier hören Sie 50 Hertz", sagt er mir. Das Brummen komme von den Stromschienen, die aufgrund der hohen elektromagnetischen Kräfte vibrieren und dabei brummen. Kurz drauf stehen wir vor einem Trafo. Es ist einer von sechs Trafos, die den vom Stromversorger angelieferten Strom umwandeln. Jeder Trafo hat einen eigenen Raum, der Trafo selbst füllt diesen etwa zur Hälfte aus und wiegt mehrere Tonnen.

Es macht Wienholtz bei der Tour durch die "Sekundärtechnik", die er selbst als die eher schmucklose Seite eines Rechenzentrums bezeichnet, Spaß, mich zu beeindrucken. Er drückt mir eine Röhre, groß wie eine 1,5-Liter-Cola-Flasche in die Hand. "Das sind unsere Sicherungen." Wir verlassen den Raum wieder, der sich hinter uns automatisch verriegelt und stehen im nächsten Raum vor einem von mehreren Diesel-Generatoren, jeder deutlich größer als ein Geländewagen. Es ist warm in dem Raum. Die Generatoren werden vorgewärmt. Er sorgt - mit einigen weiteren Generatoren - für Strom, wenn es keinen Strom vom Kraftwerk mehr gibt. Und zwar eine Woche lang, dann sind die Dieseltanks leer. Verträge sichern Strato jedoch eine schnelle Nachlieferung zu. Wienholtz selbst sagt: "Wenn wir - dann wohl de facto in ganz Berlin - eine Woche lang keinen Strom haben, ist vermutlich ein ernstes Problem eingetreten. Wichtig ist, dass wir auch dafür vorbereitet sind." Ob und wieweit das Internet in einem solchen Fall nutzbar wäre, steht auf einem anderen Blatt. Dennoch habe man sich entsprechend abgesichert, das Rechenzentrum vier Wochen ohne Strom betreiben zu können. Das erfordert auch die ISO 27001 Zertifizierung des TÜV, die Strato seit 2004 hat. Die Generatoren werden regelmäßig getestet.

Doppelte Absicherung: Stromzuführung, Generatoren und Internet - alles ist doppelt vorhanden

Technik-Vorstand René WienholtzTechnik-Vorstand
René Wienholtz
Überhaupt wird Absicherung groß geschrieben. Alles ist doppelt vorhanden: Egal ob die Stromzuführung ins Gebäude, die Trafos, die Steuereinheiten, Dieselgeneratoren oder Windmaschinen, die die Generatoren im Einsatz kühlen. Am wichtigsten sind Wienholtz aber die Internetanbindungen. "Strom können wir im Notfall selbst machen", sagt er. "Das Internet nicht." - "Stimmt, das Rechenzentrum per HSPA anzubinden, ist nicht so sinnvoll", sage ich und wir lachen. Zeit, ins Herz des Gebäudes zu gehen: Die Serverräume. Fünf Stück davon gibt es. Einen der Räume zeigt er mir. Der Aufzug dorthin: Abermals nur mit Schlüssel zu bedienen. Nur ganz vereinzelt treffen wir unterwegs Mitarbeiter. Bis auf den Ein- und Ausbau von Hardware läuft fast alles automatisch im Strato-Rechenzentrum.

Wir gehen weiter zu den Serverräumen. Dort erzählt mir René Wienholtz viel über die Server, die HiDrive-Plattform und die Anbindung des Rechenzentrum an Internet.

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