Kein Anschluss

o2-Kunden aus dem Telekom-Netz teilweise nicht erreichbar

Ein Wunsch vieler Kunden ist, beim Anruf vom Handy eine güns­tige Fest­netz­nummer zu signa­lisieren. Mit "One-Number" der Telekom geht das, aber Anrufe zu o2 schlagen aktuell fehl: "Der Teil­nehmer ist nicht erreichbar".
AAA
Teilen (28)

Waren das noch Zeiten, als die Tele­fonge­spräche elek­trome­chanisch vermit­telt wurden. Da wurde mit jeder gewählten Ziffer weiter geschaltet und am Ende war der gewünschte Teil­nehmer dran - oder auch nicht.

Längst ist die Tele­fontechnik auf IP-Proto­koll umge­stellt und verschie­dene Tele­fonge­sell­schaften tauschen mitein­ander Verbin­dungen aus, aber an den Schnitt­stellen können kuriose Effekte auftreten.

One Number - big Problem

Kunden, die den Dienst "One-Number" der Telekom nutzen, kommen derzeit nicht zu o2-Anschlüssen durch Kunden, die den Dienst "One-Number" der Telekom nutzen, kommen derzeit nicht zu o2-Anschlüssen durch Da erreicht uns der Hilferuf eines Geschäfts­kunden der Telekom, der den Dienst One Number gebucht hat. Dabei wird auch vom Mobil­telefon nicht die übliche Mobil­rufnummer z. B. 015… (oder 016…, 017…) über­mittelt, sondern die Fest­netz­nummer des Kunden ange­zeigt. Rück­rufe landen dann nicht auf dem Handy, woher der Anruf kam, sondern auf dem zum Vertrag gehö­renden Fest­netz­anschluss. Damit kann ein Service-Tech­niker oder der "Chef" seine eigent­liche Handy­nummer geheim halten. Diesen Dienst bietet die Deut­sche Telekom in dieser Form nur seinen Geschäfts­kunden an.

Wie uns ein betrof­fener Geschäfts­kunde mitteilte, sind mit "One Number" seit einiger Zeit keine Anrufe in das Netz der Telefónica Deutsch­land (o2) möglich: Es erklingt gene­rell die Ansage "Der gewünschte Teil­nehmer ist nicht erreichbar", egal ob es eine Mailbox gibt oder nicht. Der betrof­fene Kunde wandte sich an den Kunden­service der Telekom und hatte zunächst gewal­tige Probleme, sein Problem zu erklären. Erst nach hart­näckigen Nach­fragen des Kunden, schlug die Telekom vor, den Dienst "One Number" wieder zu deak­tivieren und schon gingen die Anrufe wieder durch.

Vermehrt Beschwerden

Wir haben bei der Telekom und bei o2 nach­gefragt. Sie bestä­tigten uns, dass Telekom-Geschäfts­kunden, welche die Mobil­funk-Option „One Number“ gebucht haben, bei abge­henden Mobil­funk­gesprä­chen ihre Telekom Fest­netz-Rufnummer als zusätz­liche Anzei­geruf­nummer über­tragen (signa­lisieren) können. "Der Dienst wird seit 2015 ange­boten und wurde im Vorfeld mit der Bundes­netz­agentur abge­stimmt."

Die Stel­lung­nahme der Telekom weiter: "Seit einigen Wochen haben wir vermehrt Kunden­rekla­mationen bei Anrufen von „One Number“ Kunden in das Telefónica Netz. Seitens Telefónica wird der „One Number“-Anruf neuer­dings abge­lehnt, so dass kein Anruf zustande kommt. Unser Netz­betrieb hat diesen Fehler an die Netz­kontroll­stelle (NZK) gemeldet. Offenbar inter­pretiert Telefónica den „History-Info Header“, der im Call-Aufbau bei "One Number"-Kunden eben­falls über­tragen wird und von netz­internen Rufnum­mernum­wertungen resul­tiert, neuer­dings so, als ob der Anruf von einer fremden Rufnummer weiter­geleitet würde. Das ist aller­dings nicht der Fall, da bei „One Number“ nur eine zusätz­liche Ursprungs­rufnummer signa­lisiert wird. Gängige Praxis ist eigent­lich, „unbe­kannte“ Para­meter zu igno­rieren. Über die Netz­kontroll­stelle konnte leider noch keine Klärung herbei­geführt werden. Wir arbeiten intensiv an einer Lösung und stehen hierzu auch mit den Kollegen von Telefónica in Kontakt."

Telefónica: Telekom muss auf uns zukommen, da nicht unser Kunde

Die Pres­sestelle von Telefónica erbat, dass die Deut­sche Telekom mit der Telefónica Kontakt aufnehmen möge und den Signalweg „von vorne“ unter­suchen möge. Dabei würde die Telekom die nötigen Daten für eine weitere Über­prüfung der Telefónica zur Verfü­gung stellen und Telefónica werde dann sofort tätig. Ein Aufdrö­seln des Falles "von hinten", sei schon aus Daten­schutz­gründen nicht möglich.

Fehler, die es scheinbar gar nicht gibt

Mit zuneh­mender Virtua­lisie­rung von Netz­funk­tionen (NFV) und verstärkt Soft­ware-gesteu­erten Netzen (SDN) können Probleme auftreten, die sich Laien kaum und selbst erfah­rene Technik-Profis nur schwer vorstellen können. Wenn dann irgendwo Para­meter geän­dert oder neue Soft­ware ins Netz einge­spielt werden, sollten vorher alle Funk­tionen und Produkte auf Funk­tion getestet werden.

Beson­ders delikat sind Fehler, die beim Zusam­menspiel von Wett­bewer­bern auftreten. Ein Kunde muss sich erst hart­näckig Gehör verschaffen. Die Aussage "Der andere Anbieter ist Schuld" ist eine mensch­lich verständ­liche Reak­tion, die Kunden erwarten aber, dass alles reibungslos funk­tioniert.

Übri­gens: Die Funk­tion "One Number" würde sicher auch Privat­kunden gefallen, beson­ders wo - je nach Anbieter - im Fest­netz noch unglaub­lich hohe Tarife für Anrufe zu Mobil­funk berechnet werden, wenn man keinen Tarif mit Flat­rate in alle Netze zur Hand hat. Sie wären unter­wegs gerne auf einer Fest­netz-Rufnummer erreichbar. Wer einen Fest­netz-Anschluss der Telekom hat und die Option MagentaEINS gebucht hat, könnte eine MSN-Rufnummer perma­nent auf sein Handy ohne Mehr­kosten umleiten, würde diese Nummer aber nicht abge­hend über­mitteln.

Den Hotline-Mitar­beitern der Telekom musste man erst einmal erklären, worin das Problem besteht. Inzwi­schen konnte die Sache mit einem ersten Update behoben werden - an einer endgül­tigen lang­fris­tigen Lösung wird noch gear­beitet.

Teilen (28)

Mehr zum Thema Netz-Überlastung