Jubiläum

Stiftung Warentest: 50 Jahre "sehr gut" bis "mangelhaft"

Wer sich über 50 Jahre einen guten Ruf erarbeitet, hat viel zu verlieren. Die Stiftung Warentest wird im Jubiläumsjahr besonders kritisch beäugt. Und sie hat neue Konkurrenten.
Von dpa / Jennifer Buchholz
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Kaum ein Produkt für Haushalt und Freizeit wurde noch nicht von ihr untersucht. Sogar Schreck­schus­swaffen, Sexual­tonika und aufblasbare Schlitten durchliefen die Prüf­programme der Stiftung Warentest. Im Dezember 1964 wurde sie auf der Grundlage eines Bundes­tags­beschlusses ins Leben gerufen. Die verkaufte Auflage des Magazins Test stieg im Jahr nach der Wieder­ver­einigung auf fast eine Million Exemplare. Diese goldenen Zeiten sind im 50. Jahr seit Gründung der Stiftung vorbei. Denn im Internet ist eine Menge Konkurrenz entstanden. Und Kritik an der Arbeit der Tester wird lauter als früher geäußert.

Stiftung Warentest in der Kritik

Die Stiftung Warentest feiert 50jähriges JubiläumDie Stiftung Warentest feiert 50jähriges Jubiläum "Ein echter Anschlag" auf sein Unternehmen sei das Qualitäts­urteil "mangelhaft" für eine Nuss­schokolade seinen Hauses gewesen, sagt der Chef des Herstellers, Alfred Ritter. Dabei geht es darum, ob ein Vanille-Aroma tatsächlich eines natürlichen Ursprungs ist, wie auf der Verpackung angegeben. Die angeblich falsche Deklaration hatte zu der schlechten Note geführt. Vor Gericht hat zunächst Ritter Recht bekommen, die Stiftung Warentest ist aber in die Berufung gegangen.

Stiftungs­vorstand Hubertus Primus weist darauf hin, dass solche Prozesse die Ausnahme sind. Nach wie vor gebe es keinen einzigen Fall, in dem die Stiftung wegen einer Test­be­urteilung Schaden­ersatz habe zahlen müssen. Die Prüf­standards hätten sich bewährt, die Zusammen­arbeit mit Laboren im In- und Ausland auch.

Dennoch begehrten zuletzt Unternehmen gegen schlechte Beurteilung auf. So zweifelte die Spiel­waren­industrie Ende 2013 die Mess­ergebnisse einer Untersuchung von Holz­spielzeug an. Ein Jahr zuvor hatte es Ärger um Spuren von Mineralöl in Schokolade aus Adventskalendern gegeben. Das Bundes­institut für Risiko­bewertung hielt das Gesund­heitsrisiko für nicht so groß wie die Stiftung Warentest.

Stiftung Warentest setzt auf Internetauftritt

Das Beispiel zeigt eine Schwierigkeit der gemein­nützigen Organisation. Sie muss einer­seits seriös und glaub­würdig auftreten, zugleich aber auch Eigen­werbung mit manch spektakulärem Test­ergebnis betreiben. Denn ihre Magazine "Test" und "Finanztest" steuern mehr als zwei Drittel ihrer Einnahmen bei. Seit Jahren sinken ihre Auflagen, auf zuletzt auf 455 000 "Test"-Exemplare und 229 000 "Finanztest"-Hefte.

Auch deshalb rutschte die Stiftung 2012 in die roten Zahlen. Im vergangenen Jahr stand unter dem Strich wieder ein Überschuss von einer Million Euro, dank einer kräftigeren Finanzspritze aus dem Stiftungskapital und weil das Geschäft im Internet allmählich in Schwung kommt. Dies weiter auszubauen, ist das wichtigste Vorhaben von Primus, der seit Anfang 2012 an der Spitze der Stiftung steht.

Dazu gehört, die Zahl der Produkt­finder zu erhöhen. Das sind Daten­banken zum Beispiel für Matratzen, Waschmaschinen, Fernseher, Handys, Tablets und elektrische Zahnbürsten, die laufend aktualisiert werden. So will sich die Stiftung gegen den bunten Strauß an Internet-Portalen behaupten, die Prüf­berichte, Kunden­bewertungen und Preis­vergleiche veröffentlichen. Diese tun das anders als die Stiftung kostenfrei, ihre Testkriterien sind aber oft unklar und die Bewertungen der Käufer subjektiv.

Bei allem Wandel in 50 Jahren wollen die Warentester aus Berlin an einem festhalten: Die altmodischen Schulnoten für Produkte und Dienstleistungen von "sehr gut" bis "mangelhaft" werden bleiben. Es gebe keinen Anlass, das Bewährte "über den Haufen zu werfen", sagt Primus.

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