Heimkino-Kommandos

Ein Heimkino, das aufs Wort gehorcht

Hersteller setzen zunehmend auf die Sprachsteuerung ihrer Geräte. Die Technologie hierfür hat sich seit mehreren Jahren verbessert. So müssen die Verbraucher nicht mehr bei ihren Sprachbefehlen übertrieben akzentuieren. Wie die Zukunft der Sprachfunktionen aussieht, haben wir für Sie zusammengefasst.
Von mit Material von dpa
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Viele Geräte lassen sich derzeit via Sprachbefehl steuernViele Geräte lassen sich derzeit via Sprachbefehl steuern Den Griff zur Fernbedienung sollen sich TV-Zuschauer künftig ganz sparen können. Immer mehr Hersteller arbeiten mit Hochdruck daran, dass der Fernseher Stimm­befehle empfängt, erkennt und umsetzt. Das trifft auch auf andere Geräte­gattungen wie Spiele­konsolen zu. Dabei hat sich die Technologie der Sprach­steuerung in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und dementsprechend verbessert.

Der Einsatz einer neuen Art neuronaler Netze habe zu einer Reduktion der Fehlerrate um 30 Prozent geführt, erklärt Prof. Dietrich Klakow, Experte für Sprach­signal­verarbeitung an der Universität des Saarlandes.

Bei der Sprachsteuerung übertriebene Akzentuierung vermeiden

Bei Fernsehern gibt es zwei Bereiche, in denen sich der Nutzer zum sprach­ge­waltigen Heimkino-Kommandeur aufschwingen kann. Dazu gehören zum einen Grund­funktionen wie Laut­stärke­regelung sowie Wechsel von Sender oder Signal­quelle. Zum anderen geht es um die Navigation durch Dienste, Inhalte und Apps.

"Ist die Sprachfunktion aktiviert, kommt es für den Sprechenden darauf an, klar zu artikulieren, was er möchte", sagt Jürgen Sewczyk, Vorstands­mitglied der Deutschen TV-Plattform. So sei es etwa ein wesentlicher Unterschied, ob man "ProSieben" oder "Sender ProSieben" sagt. Im ersten Fall bekomme man alle Videos und Webseiten mit ProSieben-Bezug aus dem Netz angezeigt. Im zweiten Szenario schaltet der Fernseher den TV-Sender um.

Damit die TV-Sprach­steuerung gut funktioniert, empfiehlt Prof. Klakow, nicht übertrieben akzentuiert, sondern möglichst normal zu sprechen. Mit einem Akzent oder bei lauten Um­gebungs­ge­räuschen kann es immer noch Probleme geben. Und natürlich kann man den Geräten meist nicht erzählen, was man will. "Das hängt von der Anwendung ab", sagt der Experte. "Bei einer Spielekonsole kann man natürlich nur das Vokabular verwenden, das dafür relevant ist." Im Zweifel muss man die Befehle im Handbuch nachlesen.

"Die Lautstärke der gesprochenen Steu­erungs­befehle ist weniger entscheidend - besonders bei Smart-TVs, die das Mikrofon in die TV-Fern­bedienung eingebaut haben", erklärt Jürgen Sewczyk, der bei der TV-Plattform die Arbeits­gruppe Smart-TV leitet. Da verschiedene Sprach­steuerungssysteme existieren, gebe es keinen Kanon an Befehlen. Die bestimmt allein der Hersteller. Praktisch sei aber die Lernfähigkeit mancher Systeme.

Zukünftig mehr Sprachen­vielfalt und frei wählbare Begriffe

Je mehr Menschen Smartphones, Fernseher, Spielkonsolen, Navis oder beliebige andere Geräte per Sprache steuern, desto besser wird die Technik. "Die dabei gesammelten Daten können verwendet werden, um das akustische Modell, also wie ein bestimmter Laut aus­ge­sprochen wird, das Vokabular und die Grammatik zu verbessern", erläutert Prof. Klakow.

Jürgen Sewczyk ist überzeugt, dass man die TV-Sprach­steuerung nicht isoliert von den Er­kennungs­systemen anderer "smarter" Geräte wie Tablets, Computer, Laptops und Smartphones betrachten kann. Die Fort­schritte bei Hard- und Software und die zunehmende Akzeptanz und Erfahrung der Nutzer strahlten auf die Unter­haltungs­elektronik ab: "Die Zukunft gehört in jedem Fall lern­fähigen, robusten Systemen zur Sprach­steuerung mit großer Sprachen­vielfalt und frei wählbaren Begriffen."

Momentan bieten viele TV-Hersteller zur Bedienung der Geräte Apps für Smartphones oder Tablets an. Diese setzen derzeit jedoch meist nur die Oberfläche der TV-Fernbedienung grafisch um. "Neuere Steuerungs­apps nutzen die ohnehin in diesen Geräten verfügbare Sprach­steuerung auch für die Steuerung beziehungs­weise Navigation des Smart-TVs", erklärt Sewczyk. "Das erspart dann dem Hersteller, extra Mikrofone in sein Smart-TV-Gerät oder die Fernbedienung einzubauen."

Bleibt noch das Thema Datenschutz: Denn einige Features von Sprach­steuerungen sind nur mit Internet­ver­bindung nutzbar. "Was generell für Smart-TVs gilt, gilt auch für die Sprachsteuerung", sagt Sewczyk. Es würden allen­falls anonymisierte all­gemeine Daten erhoben, etwa zur Häufigkeit der Nutzung und gegebenen­falls die IP-Adresse des Geräts. Und wenn bei einer Sprach­steuerung anonymisiert Art und Anzahl der Begriffe oder Aus­sprache­muster erfasst werden sollten, dann nur, um den Dienst zu verbessern. Eine Identifizierung des Sprechenden anhand seiner Stimme gebe es derzeit aber nicht - auch nicht zu Zwecken der Personalisierung.

Auch der Hersteller Samsung setzt zunemend auf die Sprachsteuerung.

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