Musikstreaming

Unerwünschte Musik in der Spotify-Playlist

Um neue Einnahmequellen zu erschließen, experimentiert Spotify in unregelmäßigen Abständen mit diversen Funktionen. Mit dem aktuellen Projekt könnte das schwedische Unternehmen nicht gerade auf Gegenliebe stoßen.
Von Stefan Kirchner mit Material von dpa
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Spotify mit Playlist-TestSpotify testet in Süd- und Nordamerika eine neue Funktion für mehr Einnahmen Spotify testet die Möglichkeit für Musikfirmen, sich mit ihren Songs in Playlisten des Streaming-Dienstes einzukaufen. Der Versuch laufe nur in sehr kleinen Gruppen von Nutzern der Gratis-Version in den USA und Lateinamerika, erklärte Spotify heute. Es sei offen, ob die Funktion regulär eingeführt werde. Nutzer bekommen beim Test die Möglichkeit, sie abzuschalten.

In der Streaming-Ära kann das Auftauchen eines Songs in den Playlisten eine große Rolle für den Erfolg eines Titels spielen. Spotify betonte bisher stets, dass diese Sammlungen neuer Songs der Woche oder zu bestimmten Genres eigenständig von dem Musikdienst selbst zusammengestellt werden und die Plätze dort nicht vermarktet werden.

Die Gratis-Version von Spotify wird unter anderem durch Werbung unterstützt, die zwischen den Songs eingespielt wird. Vergangene Woche veröffentlichte Zahlen für 2016 zeigten, dass der in Schweden beheimatete Marktführer für Musikstreaming zwar schnell wächst, aber dennoch 539,2 Millionen Euro verlor. Die Werbeeinnahmen in der Gratis-Version legten zwar um gut 50 Prozent auf 295 Millionen Euro zu, trotzdem sind Abo-Kunden noch immer der größte Anteil am Umsatz. Diese brachten immerhin rund 90 Prozent der Umsätze im Geschäftsjahr 2016 ein. Spotify kam zum Jahresende 2016 insgesamt auf 126 Millionen Nutzer, von denen 48 Millionen zahlende Abo-Kunden waren.

Ärger und Chance zugleich

Ob ein solches Modell für bezahlte Inhalte auch in Europa oder Nordamerika funktionieren würde, ist fraglich. Nicht wenige würden sich zuerst darüber aufregen, wenn in ihren Playlisten Titel erscheinen, die sie gar nicht hinzugefügt haben. Vor allem wenn es sich um ganz andere Musikgenres handelt, die man üblicherweise streamt. Eventuell sieht Spotify dadurch aber auch eine weitere Möglichkeit, Nutzer der kostenfreien Version noch stärker dazu zu animieren, ein kostenpflichtiges Abo abzuschließen.

Auf der anderen Seite könnte aber genau diese Möglichkeit unbekannte Bands überhaupt erst in den Fokus der Allgemeinheit bringen, auf die man sonst nicht aufmerksam geworden wäre. Spotify bietet schon seit längerem von echten Menschen kuratierte Playlists an, in denen auch unbekanntere Bands mit ihren Songs aufgenommen werden. Nur hört eben nicht jeder auch diese Playlists und der Werbe-Effekt verpufft. Da ist so ein bezahlter Platz in der Playlist eines Free-Nutzers ein probates Mittel, den kostenfreien Zugriff weiterhin zu ermöglichen.

Aber noch ist nichts spruchreif und der Test nur auf Südamerika und die USA beschränkt. Deren Akzeptanz wird darüber entscheiden, ob dieses Werbe-Modell überhaupt eine Zukunft haben kann.

Wem diese Entwicklung bei Spotify nicht gefällt, wird eventuell bei einem anderen Anbieter für Musikstreaming fündig. Unser Ratgeber zum Thema Musikstreaming vergleicht diverse Anbieter mit ihren Vor- und Nachteilen.

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