Musikstreaming

Ärger um das Spotify Familien-Abo

Im Musikstreaming ist der schwedische Anbieter Spotify aktuell der Marktführer mit Millionen zahlender Kunden. Einige davon haben ein Familien-Abo abgeschlossen und genau da wird das Unternehmen strenger hinschauen.
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Spotify Familien-AboStriktere Regeln: Spotify überprüft verstärkt Abos von Familien Mit 14,99 Euro für sechs Personen ist das Familien-Abo bei Spotify eine attraktive Option, ohne Werbeblöcke und mit Offline-Unterstützung die neuste Musik zu hören. Laut den Allgemeinen Geschäfts­bedingungen ist jedoch für das Familien-Abo die Vorgabe, dass die zugehörigen Personen unter einem Dach leben, sprich dieselbe Adresse nutzen.

Seit kurzem scheint Spotify verstärkt genau dieses Detail gezielt zu überprüfen. Laut Caschys Blog werden derzeit vermehrt Spotify-Nutzer mit Familien-Abo explizit um eine Verifizierung ihrer Adresse gebeten, um sicherzustellen, dass sie auch wirklich am selben Ort wohnen.

Einigen Kommentaren zufolge scheint Spotify sogar darauf zu achten, ob der Zugriff bei der Verifizierung über den gleichen Internetanschluss erfolgt.

Aussieben von Schmarotzern

Natürlich ist es das gute Recht von Spotify, die Vorgaben in den eigenen AGB auch tatsächlich durchzusetzen. Immerhin ist eine Premium-Nutzung im Rahmen des Familien-Abo mit rechnerisch bis zu 2,50 Euro pro Nutzer bei sechs Familien­mitgliedern anstelle der sonst üblichen 9,99 Euro sehr verlockend. Es werden mit Sicherheit sehr viele Familien-Abos einfach unter Freunden oder Bekannten geteilt werden.

Betrachtet man die Sache aber auch mal von einem anderen Standpunkt aus, dass nämlich die Familien­mitglieder wirklich miteinander verwandt sind, aber an unterschiedlichen Orten leben, dann ist das Familien-Abo eher als ein Adressen-Abo zu bezeichnen. Zum Beispiel wenn der Sohn wegen eines neuen Jobs umziehen muss, die Tochter studieren geht oder der Bruder heiratet. Es gibt viele nachvollziehbare Gründe, warum eine Familie nicht an derselben Adresse wohnen kann.

Spotify selbst scheint das mit den aktuellen AGBs eher gleichgültig zu sein. Zumal man die in seinem Account hinterlegte Adresse nicht so ohne weiteres ändern kann. Oftmals ist es erheblich einfacher, kurzerhand einen neuen Account zu erstellen. Das Kontaktieren des Spotify-Supports scheint nur in wenigen Fällen tatsächlich zum gewünschten Ziel zu führen.

Spotify Familien-Abo
Familienmitglieder müssen im selben Haus wohnen

Und die Konkurrenz?

Im Gegensatz zu konkurrierenden Anbietern wie Apple Music, Google Play Music und Amazon Music Unlimited ist Spotify in einer etwas anderen Position. Zwar ist das Unternehmen mit über 140 Millionen registrierter Nutzer und davon 50 Millionen zahlender Kunden der Marktführer, kann sein Angebot aber nicht quer­finanzieren. Spotify muss also mit seinem Premium-Angebot Geld verdienen und da sind miss­bräuchlich genutzte Familien-Abos ein großer Dorn im Auge.

Fraglich ist zudem, ob und wann die Konkurrenz mit einer ähnlich restriktiven Haltung im Bezug auf die Familien-Abos nachziehen wird. Denn in den AGBs von Apple Music (Link), Google Play Music (Link, unter Anforderungen) als auch Amazon Music Unlimited (Link) ist lediglich angegeben, dass sich die registrierten Familien­mitglieder im selben Land aufhalten müssen. Von derselben Adresse ist da nicht die Rede wie bei Spotify.

Von daher ist nicht damit zu rechnen, dass Spotify so schnell von der Praxis abweicht und Familien nur noch auf ein und dasselbe Land beschränkt. Es sei denn, die Zahl der Premium-Kunden sinkt in naher Zukunft dermaßen stark ab, dass sich der Streaming-Anbieter dazu genötigt sieht, die Regeln für das Familien-Abo wieder etwas zu lockern.

Stattdessen experimentiert das Unternehmen lieber mit neuen Möglichkeiten der Monetarisierung, wie zum Beispiel mietbare Plätze in Playlisten, ein kosten­pflichtiges Upgrade mit hoch­auflösender Musik oder Einschränkungen für Nutzer des kostenlosen Accounts, um den Wechsel zur Bezahlvariante schmackhafter zu machen.

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