Wirtschaftsspionage

Cyberspionage: USA verklagen chinesische Militärhacker

Die USA hat öffentlich eine Klage gegen chinesische Militär­hacker wegen Wirt­schafts­spionage verlesen. China dementiert die Cyber­angriffe und dreht die Vorwürfe um. Welche Firmen betroffen sind und welche Pläne die USA und China haben, erfahren Sie in unserer Meldung.
Von dpa / Jennifer Buchholz
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Die USA machen im Streit mit China um Industrie­spionage ernst und klagen fünf mut­maßliche Hacker der Volks­be­frei­ungs­armee wegen Cyber­spionage an. Demonstrativ trug Justizminister Eric Holder die Klage öffentlich vor. Die Verdächtigen seien in Computer amerikanischer Unter­nehmen ein­ge­drungen und hätten Geschäfts­ge­heimnisse gestohlen. China reagierte gelassen. Das Außen­ministerium in Peking sprach laut US-Medien von "reiner Erfindung" und nannte die Vorwürfe absurd.

Zugleich machte das Weiße Hause klar, dass es sich bei der Klage vor allem um ein politisches Signal handele und eine tatsächliche Be­strafung eher un­wahr­schein­lich erscheine. Man setzte weiter auf Ver­hand­lungen mit Peking, sagte Regierungssprecher Jay Carney. Man wolle weiterhin "konstruktive und produktive Beziehungen" zu China.

Auf die Anmerkung von Journalisten, dass die Beschuldigen kaum in die USA kommen würden, um sich vor Gericht zu verantworten, reagierte Carney aus­weichend. Dazu müsse man die Angeklagten selbst fragen.

Die USA will den Internet­dieb­stahl durch andere Länder beenden

Die USA glaubt, von chinesischer Wirtschaftsspionage betroffen zu seinDie USA glaubt, von chinesischer Wirtschaftsspionage betroffen zu sein Energisch wies der Sprecher des Weißen Hauses Ver­gleiche der chinesischen Hacker­an­griffe mit der massen­haften Über­wachung des Internets durch den US-Geheim­dienst NSA zurück. Beim NSA-Programm gehe es um die nationale Sicher­heit der USA. Bei der Cyber­spionage der Be­schuldigten gehe es darum, chinesischen Unternehmen einen Wett­bewerbs­vorteil zu ver­schaffen. "Die heute verkündete Anklage ist ein wichtiger Schritt", sagte der Direktor der Bundes­polizei FBI, James Comey. Die Regierung wolle dem Internet­dieb­stahl durch andere Länder ein Ende bereiten.

Die Anklage­schrift umfasst 31 Punkte, darunter Internet­betrug, die Installation von Schad­software auf fremden Computern, schwerer Identitäts­dieb­stahl, Wirt­schafts­spionage und der Dieb­stahl von Handels­geheim­nissen. Die Angriffe seien aus Shanghai gesteuert worden.

Auch deutsches Unternehmen betroffen

Zu den Opfern gehören der Staats­anwaltschaft zufolge Groß­konzerne wie der Aluminium-Hersteller Alcoa, der Aus­statter für Atom­kraftwerke Westing­house oder der Stahl­produzent US Steel. Auch beim deutschen Solar­unter­nehmen Solarworld sei der Diebstahl von Tausenden Dateien fest­gestellt worden.

Die USA sind der wichtigste Einzel­markt für den Anbieter, der mit Preis­rück­gängen kämpft. In Hillsboro (Oregon) hat die Firma aus Bonn auch ein Werk. Zum Stand Ende März beschäftigte Solarworld rund 560 Menschen in dem Land und damit weltweit jeden fünften Mitarbeiter.

Die entwendeten Informationen seien teils sehr wertvoll für chinesische Firmen im Staats­besitz und verschafften ihnen Wett­bewerbs­vor­teile, hieß es. Der wirt­schaft­liche Erfolg eines Unter­nehmens dürfe nicht davon abhängen, wie gut eine Regierung spionieren und stehlen könne, meinte Holder [Link entfernt] . Der für die nationale Sicher­heit zu­ständige US-Staatsanwalt John Carlin sagte: "Staatsangehörige, die für wirt­schaftliche Vorteile Cyber­spionage betreiben, sind nicht immun gegen das Gesetz, nur weil sie im Schatten der Flagge ihres Landes hacken."

Rechtsexperten bezeichnen die Klagen vor allem als Zeichen, dass die USA künftig entschiedener gegen Cyberkriminalität aus dem Ausland vorgehen würden. Die Regierung "wird von keiner Nation Handlungen tolerieren, die amerikanische Firmen auf illegale Weise sabotieren sollen", sagte Holder.

Gegenseitige Vorwürfe aus beiden Ländern

Die Amerikaner werfen Spezialisten der Volks­be­frei­ungs­armee seit langem Cyber­attacken, Spionage und Sabotage vor. Sie hätten auch Blau­pausen von Waffen­system gestohlen. Peking hatte bislang immer erklärt, dass die Amerikaner keine Beweise hätten.

Zudem beklagen die Chinesen ihrer­seits, Ziel amerikanischer Internetangriffe zu sein. So habe der Geheimdienst NSA systematisch chinesische Ministerien, Banken und Firmen ausgeforscht. Das Thema belastet das Verhältnis der Länder sehr.

Bereits vor einem Jahr gab es ähnliche Vorwürfe.

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