Hintergrund

Telekom: Diese IP-Anschlüsse bieten Speisespannung an der TAE

Dass alte Analog-Telefone ohne Netzteil an einem IP-Router nutzbar sind, ist bekannt. Kommt bei reinen IP-Telefonanschlüssen weiterhin eine Speisespannung aus der TAE-Dose? Die Telekom-Antwort überrascht.
AAA
Teilen (307)

Lange Zeit benötigten analoge Telefone kein separates Netzteil, weil die notwendige Speise­spannung von 60 Volt Gleich­spannung über das Telefon­netz kam. Im Fach­jargon spricht man auch von einer Fern­speisung des Telefons über die TAE-Dose. Erst mit dem Auf­kommen schnur­loser Telefone nach den Standards CT1, CT1+ und CT2 (1984 bis 2008) sowie DECT (seit 1992) benötigten derartige Analog­telefone für die Funk­über­tragung ein separates Netzteil.

Bietet der reine Telefonanschluss nach der IP-Umstellung weiterhin SpeisespannungBietet der reine Telefonanschluss nach der IP-Umstellung weiterhin Speisespannung? Nun stellt die Telekom wie berichtet auch reine Telefonanschlüsse ohne Internet auf All-IP um. Die Umstellung erfolgt netzseitig, ein Router ist beim Kunden nach wie vor nicht notwendig. Wer einen All-IP-Internetanschluss hat, kann an seinem Router noch ein altes Analog-Telefon betreiben - das haben wir mit einem FeTAp 791-1 von 1988 bereits getestet. Die notwendige Spannung liefert der Router. Doch kann ein derartiges Telefon ohne Netzteil oder Router an einem reinen Telefonanschluss nach der IP-Umstellung noch weiterhin betrieben werden? Wir haben bei der Telekom nachgefragt.

MSAN-POTS der Telekom
MSAN-POTS der Telekom

MSAN-POTS: Speisespannung am IP-Anschluss

Die Im Internet verfügbaren Informationen zum Thema "Speisespannung am reinen IP-Telefonanschluss - ja oder nein" sind sehr dürftig. In einem schon etwas älteren Eintrag im Telekom-Hilft-Forum wird angedeutet, dass es an IP-Anschlüssen grundsätzlich keine Speisespannung mehr gibt. Ein findiger teltarif.de-Leser sandte uns allerdings ein PDF-Dokument der Telekom zu, in dem ein derartiges Verfahren beschrieben wird.

Im Telekom-Dokument "Lösungsoption für Nutzer eines reinen Sprachanschlusses" wird eine technische Lösung beschrieben, die sich MSAN-POTS nennt. Dabei handelt es sich um die Nachbildung eines analogen Sprachanschlusses in IP-Netzen. In dem Dokument schreibt die Telekom dazu:

Zugelassene Endgeräte mit a/b-Schnittstelle, die kein Netzteil benötigen, können an einem solchen Anschluss auch im seltenen Fall eines Stromausfalls im Haushalt grundsätzlich über Strom aus dem Telekom-Netz betrieben werden. Die Kompatibilität zu heutigen Sonderdienstanwendungen muss im Einzelfall geklärt werden. Hier ist der Anbieter des Dienstes in der Pflicht, die Funktion seines Sonderdienstes sicher zu stellen. Ab Ende Mai 2016 wird das Produkt schrittweise verfügbar sein. Für einen Teil der analogen PK Sprachanschlüsse ist eine automatische Umstellung mittels der technischen Lösung MSAN-POTS geplant. Hierüber werden Kunden dezidiert informiert.

Mit "Sonderdienstanwendungen" sind andere Dienste gemeint, die an einem Telefonanschluss hängen können, wie beispielsweise Hausnotruf- und Aufzugnotruf-Systeme oder Alarmanlagen. Hier kann es im Ernstfall lebensentscheidend sein, ob der Dienst auch noch ohne Strom aus dem Netzteil funktioniert oder nicht. Wir wollten daher von der Telekom wissen: Was stimmt denn nun - und vor allem: Bekommen alle Kunden den MSAN-POTS-Anschluss?

Telekom klärt auf: Abhängig von der Region

Bei der Telekom mussten sich auch zunächst einmal technisch gewiefte Sachbearbeiter mit unserer Anfrage beschäftigen. Schließlich erhielten wir folgende recht ausführliche Antwort:

Bei der Umstellung analoger Sprachanschlüsse auf IP-Technologie gibt es verschiedene Varianten. Das Wichtigste zuerst: Bei den Anschlüssen, die durch reine Änderung in der Vermittlungsstelle bei der Telekom automatisch umgestellt werden, ist weiterhin eine Stromversorgung über die TAE gegeben. Wünscht der Kunde einen reinen Telefonanschluss ohne Internetzugang, hängt die angebotene Variante immer von der verfügbaren Technik ab. Wenn MSAN-POTS verfügbar ist, werden die Tarife "Call Start (neu)", "Call Basic (neu)" und "Call Comfort Standard (neu)" angeboten. Hier ist die Fernspeisung vorhanden, wenn auch - wie bisher - nicht Bestandteil des Vertrags.
Für Gebiete, in denen keine MSAN-POTS-Technik einsetzbar ist, gibt es andere Lösungen bei der Umstellung auf IP. Hier sind die Tarife "Call Start Fiber" (FTTH), "Call Start IP (Regio)" und "Call Comfort IP (Regio)" im Angebot. Da hier kein Einsatz von MSAN-POTS möglich ist, erfolgt der Betrieb der Telefone über Router beim Kunden. Da diese Router eine eigene Spannungsversorgung benötigen, ist ein Betrieb bei Stromausfall nicht möglich. Eine Fernspeisung gibt es bei diesen Anschlussvarianten nicht.
Ob der Anschluss des Kunden eine Fernspeisung hat, kann beispielsweise durch einen Anruf getestet werden, während die Sicherungen im Haushalt ausgelöst wurden. Ein analoges Telefon, das kein Netzteil benötigt, wird auch dann zum Telefonieren benutzt werden können, wenn der Haushalt ohne eigene Energieversorgung ist.

Teilen (307)

Mehr zum Thema Telekom All-IP