Markt

Satio, Spiele und microSD: Sinneswandel bei Sony Ericsson

Neben Fotografie und Musik setzt der Hersteller künftig auch auf Spiele
Von Björn Brodersen

Schlagzeilen machte der schwedisch-japanische Handy-Hersteller Sony Ericsson zuletzt nicht wegen neuer Handy-Modelle sondern wegen Finanznöten. Das Unternehmen verzeichnet einen Einbruch bei den Handy-Absatzzahlen, hat einen Stellenabbau bereits angekündigt und benötigt offenbar dringend frisches Kapital in Höhe von 100 Millionen Euro (wir berichteten). Mit der Einführung der heute Abend vorgestellten neuen Touchscreen-Smartphones Satio (alias Idou) und Aino sowie dem Gaming-Handy Yari will Sony Ericsson den Abwärtstrend stoppen. Allerdings lässt sich der Hersteller dabei viel Zeit: Frühestens im Oktober wird beispielsweise das Sony Ericsson Satio auf den Markt kommen.

Know-How von Sony im Spiele-Bereich nutzen

Produktfoto von Sony Ericsson Sony Ericsson Yari
Foto: Sony Ericsson
Nachdem Sony Ericsson im Jahr 2002 mit dem Modell T68i sein erstes Mobiltelefon herausbrachte, war das Unternehmen vor allem mit den Geräten der Walkman- und der Cyber-shot-Reihe erfolgreich. Das W800i begründete im Jahr 2005 die Produktreihe der Musik-Handys, das 2006 eingeführte Cyber-shot-Kamera-Handy K800i ist mit 2,4 Millionen verkauften Geräten allein in Deutschland das erfolgreichste Handy aus dem Hause Sony Ericsson. Eine ähnliche Vorreiterrolle wie bei den Musik- und den Foto-Handys will der krisengeschüttelte Hersteller, der bei den weltweiten Absatzzahlen hinter Nokia, Samsung und LG Electronics liegt, jetzt auch beim mobilen Gaming einnehmen.

Nachdem Sony Ericsson-Chef Hideki Komiyama kürzlich erklärte, er könne sich eine Art "Playstation Mobile" vorstellen, präsentierte Sony Ericsson jetzt mit dem Modell Yari ein Handy, das sich für bewegungsgesteuertes Spielen eignet. Dabei kann der Nutzer wie mit der Wii vor dem aufgestellten bzw. aufgehängten Handy Gesten ausführen (Gesture Gaming), die von der Handy-Kamera registriert werden, oder auch mit dem Handy in der Hand bestimmte Bewegungen nachahmen (Motion Gaming). Zudem verfügt das Yari wie eine Spielekonsole über zwei A/B-Spieletasten.

Nicht von ungefähr will sich Sony Ericsson künftig auf den Spiele-Bereich stützen: Nach Angaben von Gunter Thiel, dem Marketingleiter von Sony Ericsson Deutschland, sind Spiele für PC und Handy der Verkaufsschlager auf dem Download-Portal PlayNow Arena. Zudem kann Sony Ericsson im Spiele-Bereich - so wie im Kamerabereich - auf das Know-How des Partners Sony bauen.

Touchscreen-Trend verschlafen

Im klassischen Smartphone-Bereich hat Sony Ericsson den Trend der größeren und nur per Fingerberührungen einfach bedienbaren Touchscreen-Internet-Handys schlichtweg verschlafen. Das im vergangenen Jahr nach langer Wartezeit in den Handel gekommene Windows-Mobile-Smartphone der Xperia-Reihe, das Sony Ericsson X1, wird offenbar nur schlecht verkauft. Im Gegensatz zum X1 kommt das Sony Ericsson Satio mit einem nHD-Touchscreen und wird unter einer Weiterentwicklung der Symbian Foundation des Betriebssystems Symbian S60 laufen. Zudem wird das Satio-Modell nach derzeitigem Stand das erste Handy mit einer 12,1-Megapixel-Kamera auf dem deutschen Markt sein – die einzige Innovation des kommenden Flaggschiffs von Sony Ericsson.

Mit dem offeneren Betriebssystem der Symbian Foundation finden die Handy-Nutzer bei Sony Ericsson künftig vier verschiedene Plattformen vor: Zusätzlich laufen bislang Windows Mobile und das Hersteller-eigene Sony-Ericsson-OS auf den Handys des Joint Ventures. Bereits angekündigt hat Sony Ericsson auch die Entwicklung von Smartphones, die unter dem auf Google-Internetdienste ausgerichteten Betriebssystem Android laufen. Allerdings kann es durchaus noch bis zum kommenden Jahr dauern, bis Sony Ericsson sein erstes Android-Handy verkauft. Dann allerdings wird hier mit Sicherheit schon das kommende Release Android 2.0 laufen.

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