Social Media

So wird Facebook vom asozialen zum sozialen Netzwerk

Psychotherapeuten berichten von zunehmenden Fällen einer "Social Media-Depression". Dabei kann beispielsweise Facebook hochinteressant sein. Es kommt auf das Verhalten der User an.

So wird Facebook vom asozialen zum sozialen Netzwerk Glücklicher ohne Facebook?
Bild: dpa
Diese Situationen kennt jeder, der beim sozialen Netzwerk Facebook angemeldet ist. Der eine Freund postet ein Foto aus dem Urlaub in Hawaii, der andere zeigt sich zusammen mit Bekannten auf einer Party, bei der man selbst nicht eingeladen ist und den Abend alleine zu Hause verbringen muss. Kommt dann noch dazu, dass die eigenen Statusmeldungen unbeachtet (oder auf Facebook-Deutsch "ungeliked") bleiben, können schnell Niedergeschlagenheit, Wut und Trauer entstehen, die sogar mittelfristig in eine Krankheit münden können. Psychotherapeuten berichten von einer Zunahme an Patienten, die unter einer solchen "Social-Media-Depression" leiden.

Studie: Menschen werden glücklicher ohne Facebook

So wird Facebook vom asozialen zum sozialen Netzwerk Glücklicher ohne Facebook?
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Menschen würden glücklicher werden, wenn sie auf das soziale Netzwerk Facebook verzichten. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie des Happiness Research Institutes in Dänemark. Nach einer Testwoche waren ausgewählte Facebook-Abstinenten mit ihrem Leben zufriedener als vorher. Außerdem gaben sie an, sich besser konzentrieren zu können und das Gefühl zu haben, weniger Zeit zu verschwenden, heißt es in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung. Die Zufriedenheit mit den sozialen Kontakten im echten Leben sei laut der Studie ebenfalls gestiegen. Als Grund für das gesteigerte Glück führt die Studie an, dass die Facebook-Posts von anderen Neid und Missgunst, auch Traurigkeit und Wut erzeugten. "Anstatt uns auf das zu konzentrieren, was wir wirklich brauchen, haben wir die unglückliche Tendenz, uns darauf zu konzentrieren was andere haben oder besitzen", heißt es.

Dass soziale Netzwerke bei einem Großteil ihrer Nutzer negative Gefühle auslösen, besagte zuvor schon eine Studie aus dem Jahr 2013. Über ein Drittel der von ihnen befragten Facebook-User fühlten sich während und nach der Nutzung des sozialen Netzwerks schlecht, haben Forscher der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt-Universität in Berlin herausgefunden.

Warum es sich überhaupt gut anfühlt, wenn jemand einen Facebook-Eintrag mit "Gefällt mir" bewertet, beschreibt die "Süddeutsche" damit, dass das Belohnungszentrum im Gehirn aktiv wird, der Nucleus accumbens. Diese Hirnstruktur werde zum Beispiel auch aktiv, wenn Menschen etwas Süßes schmecken. Der umgekehrte Fall tritt ein, wenn Menschen bei Facebook keine oder kaum Zustimmung ernten. In beiden Fällen besteht die Gefahr einer Sucht nach Anerkennung - mit unterschiedlichem Resultat.

Aktivitäten von "Freunden" ignorieren und in Gruppen eintreten

Ist Facebook also in Wirklichkeit kein soziales, sondern eher ein asoziales Netzwerk, das Menschen traurig, wütend und niedergeschlagen macht? Keineswegs! Es kommt vielmehr darauf an, wie sich der Nutzer im sozialen Netzwerk verhält. Generell gilt ein Grundsatz, der auch im richtigen Leben gelten sollte: Kämpfe um das, was dich weiterbringt. Und trenne dich von dem, was dich runterzieht.

Je mehr der Facebook-User Statusmeldungen mit einem "Gefällt mir" bewertet oder kommentiert, umso öfter erscheinen vergleichbare in der Timeline. Dafür sorgt der Algorithmus des Social Networks. Viele tendieren dazu, ausgerechnet Fotos mit Likes zu versehen oder zu kommentieren, die eigentlich neidisch machen oder traurig stimmen. Etwa aus Angst von Freunden ausgegrenzt zu werden. Eigentlich wäre aber genau das Gegenteil angebracht: Je öfter man solche Statusmeldungen von Freunden ignoriert, umso seltener erscheinen diese in der Timeline.

Statt anderen hinterherzulaufen und mithalten zu wollen, sollten Facebook-User sich eher auf die eigenen Interessen und Stärken konzentrieren. Hierfür bietet das soziale Netzwerk beispielsweise tausende offene und geschlossene Gruppen - von Kaninchenzucht über Kochen, Fotografie und moderne Kunst bis hin zu sportlichen Aktivitäten. In solchen Gruppen kann der User mit Gleichgesinnten diskutieren und sich über die unterschiedlichsten Themenbereiche austauschen. Eigene Statusmeldungen in diesen Gruppen finden häufig weit mehr Beachtung und "Likes" als bei den eigenen "Freunden". Nicht selten bleibt es bei rein virtuellem Austausch, häufig entstanden aus Facebook-Hobbyfreunden schon echte Freundschaften und Gruppentreffen im richtigen Leben.

Facebook ist eine publizistische Fundgrube

Auch publizistisch kann Facebook eine wahre Fundgrube sein. So kommt heute kaum noch eine Fachzeitschrift oder Online-Magazin mehr ohne Auftritt im sozialen Netzwerk aus, auch unzählige Institutionen wie Kliniken, Universitäten, Vereine, Selbsthilfegruppen oder Institute veröffentlichen Fachbeiträge. Auch hier sorgt der Facebook-Algorithmus für die Regeln: Je mehr der User Beiträge kommentiert oder mit "Gefällt mir"-Angaben versieht, um so öfter erscheinen lesenswerte Texte in der eigenen Timeline.

Generell kann der Benutzer einstellen, welche Statusmeldungen von wem prominent in der eigenen Timeline erscheinen. Er kann Freunde auswählen, aber auch Gruppen, Verlage, Institutionen und vieles mehr. Bei richtigem Umgang kann so ein interessantes Facebook entstehen, das den User bildet, neugierig macht, auch mal erfreut. Und irgendwann kann es dem Benutzer auch egal sein, ob Freunde einen tollen Abend verbringen, bei dem man nicht dabei ist. Denn solche Dinge rücken in der Timeline dann ganz weit nach hinten oder erscheinen überhaupt nicht mehr.

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