Virtueller Mobilfunk

Telekom: So funktioniert der Kommunikationsdienst "immmr"

Zum neuen Telekom-Messaging-Dienst "immmr" konnte teltarif.de weitere Details in Erfahrung bringen. immmr-Nutzer sind auch ohne Internet erreichbar und es können Festnetznummern hinzugebucht werden.
Vom Mobile World Congress in Barcelona berichtet
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immmr auf dem Handyimmmr auf dem Handy Die Deutsche Telekom hat auf dem MWC in Barcelona nicht nur ihre Netz-Strategie für 5G und das Festnetz vorgestellt, sondern mit "immmr" auch einen neuartigen Kommunikationsservice präsentiert, zu dem die Telekom-Mobilfunknummer quasi als Eintrittskarte dient. Im Rahmen einer speziellen Vorführung konnte teltarif.de nun weitere Details zum technischen Hintergrund von immmr in Erfahrung bringen.

Telekom immmr wurde in den T-Labs, dem Forschungszentrum der Telekom, entwickelt und wird als eigene Telekom-Tochterfirma namens "immmr GmbH" mit Sitz in Berlin geführt. Der eigentliche Dienst durfte auf dem MWC zwar leider noch nicht gezeigt werden, die für teltarif.de abgehaltene Präsentation offenbarte aber interessante zusätzliche Details, die die Telekom bislang nicht verraten hatte.

So melden sich Telekom-Nutzer für immmr an

Jeder Telekom-Nutzer mit einer Telekom-SIM kann sich nach dem Start des Dienstes für immmr registrieren. Dazu benötigt er lediglich die Handy-Nummer als Benutzername - zusätzlich muss er noch ein Passwort für den Dienst festlegen. Dann kann der Nutzer noch die iOS- und/oder Android-App installieren oder den Dienst webbasiert im Browser nutzen.

Nachdem der Telekom-Kunde sich für immmr registriert hat, macht die Telekom mit der Handynummer genau das, was sie mit den Festnetznummern im Rahmen der All-IP-Umstellung macht: Sie virtualisiert die Handynummer und hebt damit die strenge Bindung zwischen SIM-Karte und Handynummer auf. Man könnte immmr also als das Telekom-Pendant zu sipgate und simquadrat bezeichnen.

Auf Rückfrage von teltarif.de erläuterte der Mitarbeiter der Telekom-Tochterfirma, dass immmr mit grundsätzlich jedem Telekom-Mobilfunktarif nutzbar sein soll, auch mit Prepaid-Karten. Man wolle den Dienst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und nicht nur gut betuchten Business-Kunden mit teurem Vertrag.

Dienst funktioniert auch ohne Internet

Telekom immmrTelekom immmr Grundsätzlich kann immmr mit jeder Art von Internet-Verbindung genutzt werden, egal ob das Smartphone ins mobile Internet oder ins WLAN eingebucht ist. Der Kunde kann sich mit seinen immmr-Zugangsdaten auch auf mehreren Geräten gleichzeitig einloggen, beispielsweise auf einem Android-Tablet, einem iPhone und webbasiert auf einem Laptop. Für die Telefonie per Laptop muss natürlich ein Headset benutzt werden.

Ruft nun jemand auf der bekannten Handynummer an, wird der Anruf per Klingelton auf allen Geräten signalisiert, auf denen sich der Nutzer bei immmr eingeloggt hat. Der Nutzer kann dann wählen, auf welchem Gerät er den Anruf annimmt. Dies ist auch unabhängig davon, ob es sich um einen Sprach- oder Videoanruf handelt. Möchte der Nutzer auf einem Gerät nicht durch Anrufe gestört werden, loggt er sich einfach aus - und auf dieses Gerät wird kein Anruf mehr zugestellt.

Die bisherige Beschreibung klingt wie bereits bekannte Messenger-Services oder Unified-Messaging-Dienste. Nun kommt aber die Telekom als Netzbetreiber ins Spiel: Ist der Kunde auf keinem Gerät mit dem Internet verbunden, weil er beispielsweise gerade durch ein Funkloch fährt, gehen Anrufe nicht verloren. Das immmr-System signalisiert der Telekom, wenn der Nutzer gerade auf keinem Gerät mit einem IP-Netzwerk verbunden ist. Der ankommende Anruf wird dann wie gewohnt per GSM oder UMTS zugestellt. Das ist ein Service, der bei vielen klassischen VoIP-Clients und Messengern nicht möglich ist.

Auf Nachfrage bestätigte die Telekom, dass immmr nur ab einer gewissen Bandbreite internetbasiert nutzbar ist. Mit einer "besseren EDGE-Verbindung" soll immmr bereits verwendbar sein, also ab etwa 128 kBit/s. Reines Textmessaging funktioniert offenbar schon ab etwa 64 kBit/s.

Mehrere Telefonnummern und Telefonat mit Nutzern ohne immmr

immmr arbeitet geräteübergreifendimmmr arbeitet geräteübergreifend Bisher mussten Nutzer, die mehrere Handy-Nummern für verschiedene Lebensbereiche nutzen wollten, weitere SIM-Karten dazukaufen, entweder im Rahmen einer Multi-SIM-Lösung oder als neuen Vertrag. Die SIMs steckten dann bisher in separat zu schleppenden Handys oder zwei davon gemeinsam in einem Dual-SIM-Smartphone.

Dies fällt mit immmr weg: Nutzer des Dienstes können bis zu fünf weitere Mobilfunknummern zu ihrem bisherigen Vertrag dazu bestellen, ohne dafür eine weitere SIM-Karte zu benötigen. Im Web-Account oder in der App können Anwender dann festlegen, welche Nummer für welchen Lebensbereich genutzt wird, beispielsweise für private Telefonate zuhause, geschäftliche Anrufe oder für Telefonate unterwegs. Auch Festnetznummern können entsprechend der regulatorischen Vorgaben des Landes, in dem der Nutzer wohnt, hinzugebucht werden. In Deutschland können beispielsweise lediglich Festnetznummern aus dem Vorwahlbereich des eigenen Wohnsitzes ausgewählt werden. In Zukunft könnte das Hinzubuchen ausländischer Festnetz- und Mobilfunknummern möglich sein - wie bei simquadrat.

Im Rahmen von Gruppenkonferenzen können verschiedene immmr-Nutzer eine immmr-Gruppe bilden. An dieser können aber nicht nur immmr-Nutzer teilnehmen. Jeder immmr-Anwender kann an Bekannte ohne Account einen speziellen Link senden. Hierzu muss der immmr-Nutzer einen Benutzernamen (immmrID) festlegen, beispielsweise immmr.com/alex. Sendet er diesen Link an einen Freund ohne Account, kann der Freund ohne Registrierung mit dem immmr-Nutzer kommunizieren oder an einer Gruppenkonferenz teilnehmen. Jede immmrID ist natürlich nur einmal zu vergeben.

Ein genaues Datum für den Start von immmr in Deutschland gibt es noch nicht. Auch zu den Preisen für zusätzliche Telefonnummern wurde noch nichts bekannt. Interessenten können sich unter landing.immmr.com für die Teilnahme an einem geschlossenen Beta-Test bewerben.

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