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SMS: Hat der 160-Zeichen-Kult eine Zukunft?

Die SMS prägte die Kommuni­kation der Nuller Jahre. Nun wird sie von Messenger-Apps überrollt. Schon ist vom Aussterben der SMS die Rede. Doch ist die Kurz­nachricht wirklich nur noch ein Accessoire unver­besser­licher Nostal­giker?
Von Rita Deutschbein mit Material von dpa
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160 Zeichen reichen locker, um zu erklären, warum die Kurznachricht gerne totgesagt wird: ein­brechen­der SMS-Versand und der Siegeszug internet­basierter Messenger. Damit ist die Malaise in aller Kürze beschrieben. Doch Experten sagen auch, dass die SMS noch längst nicht am Ende ist. Denn im Vergleich zu Messengern trumpft sie mit Kompatibilität und Seriosität auf.

SMS: Hat der 160-Zeichen-Kult eine Zukunft?SMS: Hat der 160-Zeichen-Kult eine Zukunft? Die Zahlen aus dem Jahres­bericht der Bundes­netz­agentur scheinen eindeutig: Durch­schnittlich nur noch 16 SMS wurden 2014 pro SIM-Karte und Monat geschickt. Damit ist die Zahl der verschickten SMS das zweite Jahr in Folge gesunken - von 37,9 Milliarden Kurznachrichten im Jahr 2013 auf 22,5 Milliarden im Jahr 2014. Dagegen lag das genutzte Datenvolumen, das etwa die Messenger nutzen, im vergangenen Jahr bei 288 MB im Monatsschnitt. Vor zwei Jahren waren es noch 44 SMS im Monat und erst 114 MB. Das Jahr 2012 markierte mit insgesamt 59,8 Milliarden versendeten SMS ein Allzeithoch.

Die nackten Zahlen sprechen also gegen ein langes Weiterleben der SMS. Johannes Weicksel, der beim IT-Verband Bitkom den Bereich Tele­kommunikations­technologien leitet, formuliert es so: "Den Mut, der SMS eine Zukunft für Jahrzehnte vorauszusagen, habe ich nicht."

23 Jahre SMS

Die SMS wurde mit dem Mobilfunk-Standard GSM erschaffen und erstmals Ende 1992 verschickt. Die SMS ist ein Nebenprodukt der GSM-Entwicklung. Die Provider erahnten den Wert der Technologie nicht, boten SMS kostenlos an. Das änderte sich aber relativ schnell.

Bald kosteten SMS 39 Pfennig, mit der Einführung des Euro etablierten sich 19 Cent als Standardpreis für eine Kurznachricht. Discounter bieten heute SMS teilweise für fünf bis sechs Cent. Einzeln gezahlt werden SMS aber immer seltener: Denn in den gängigen Allnet- und Kombi-Tarifen sind oftmals bereits SMS-Flatrates oder SMS-Pakete enthalten.

Die Anzeichen für einen schleichenden Tod der SMS sind deutlich. Vielen sind die maximal 160 Zeichen umfassenden Nachrichten schlichtweg zu kurz für eine ausführliche Kommunikation - für eine längere Mitteilung müssen dann gleich mehrere SMS versandt werden, was ins Geld geht. Einfacher geht das bei den Messengern, bei denen der Zeichenlänge nahezu keine Grenzen gesetzt sind. Alternativ lassen sich auch Bilder oder Videos ohne zusätzliche Kosten versenden.

Andererseits: Ist eine Übertragungs­technik, mit der jährlich immer noch weit über 20 Milliarden Nachrichten verschickt werden, nicht noch absolut lebendig? Es scheint zumindest so, dass die schlimmste Phase der Rezession hinter der SMS liegt. "In den nächsten fünf Jahren werden die Nutzungszahlen weiter schrumpfen, jedoch nicht mehr so rasant", glaubt Torsten Gerpott, Professor für Unternehmens- und Technologieplanung an der Universität Duisburg-Essen.

Denn der massive Einbruch seit 2012 sei darauf zurückzuführen, dass vor allem Heavy-User von SMS auf die internetbasierten Messenger umgestiegen sind, erläutert der Tele­kommunikations­experte. "Die übrigen Nutzer, die nur gelegentlich SMS schreiben, werden ihre Gewohnheiten nicht so schnell ändern."

Der Vorteil klassischer Kurznachrichten

Eine zentrale Eigenschaft haben SMS allen Messenger-Diensten voraus: Versand und Empfang sind nicht von einer mobilen Daten­verbindung abhängig. Und: Selbst Nutzer eines Uralt-Tastenhandys können immer noch Text­nachrichten mit Besitzern von Smartphones austauschen. Selbst von Smartphone zu Smartphone bewähren sich SMS. Wer nicht die gleichen Messenger nutzt, kann sich so dennoch schreiben, was gerade bei Gelegenheits­kontakten sinnvoll sein kann.

"Die Kompatibilität der SMS ist ihr Riesenvorteil, da man alle mobilen Endgeräte erreicht", betont Weicksel. "Solange GSM-Netze bestehen, wird die SMS als Feature nicht aus der Struktur rausgeschmissen werden."

Denn auch Unternehmen informieren ihre Kunden per SMS, Online-Dienste nutzen sie für die Zwei-Faktor-Authentifizierung, und beim Online-Banking kommen die TANs vielfach per Kurznachricht. Empirische Untersuchungen hätten außerdem gezeigt, dass Firmen SMS einen offizielleren Eindruck zuschreiben, sagt Gerpott. "Es ist eine formalere Kommuni­kationsform als internet­basierte Messenger."

Eine potenziell vertrauenswürdigere Alternative zu Messengern versuchten die Netzbetreiber mit Joyn als SMS-Nachfolger zu etablieren. Der intern auch Rich Communication Suite (RCS) genannte Dienst bietet Kurznachrichten, die länger als 160 Zeichen sind, aber auch Gruppen- und Videochats sowie das Teilen von Fotos oder Dateien. Durchsetzen konnte sich der Dienst aber bisher nicht.

"Der Zug für Joyn ist abgefahren, weil die Einführung des Dienstes zu spät kam", analysiert Gerpott. Erst im Sommer 2012 bot der erste große Netzbetreiber Joyn in Deutschland an. Da waren viele Nutzer längst zu internetbasierten Messengern abgewandert - oder der guten alten SMS einfach weiter treu geblieben.

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