Stiftung Warentest

Smartphone-Reparaturdienste im Test: Oft teuer und nachlässig

Displaybrüche oder Wasser­schäden gehören zu den häufigsten Handy­schäden, fallen aber selbstver­schuldet weder unter die Gewähr­leistung noch unter eine Garantie. Für Verbraucher heißt das oft: Reparatur - und viel Geld für schlechte Leistung zahlen.
Von dpa / Paulina Heinze
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Handy-Reparaturdienste sind oft nachlässig, beheben nicht alle Schäden, stellen happige Rechnungen und lassen den Kunden mitunter wochenlang warten. Das geht aus einem Vergleich der Stiftung Warentest hervor, die 27 gebrauchte Smartphones mit einem Displayschaden und einer kaputten Kopfhörer­buchse bei sechs hersteller­eigenen und drei unabhängigen Online-Diensten in Reparatur gegeben hat ("test"-Ausgabe 4/15). Jeder Anbieter erhielt drei Geräte.

Nur zwei Hersteller reparierten sämtliche Schäden, und kein freier Dienstleister arbeitete nach Einschätzung der Stiftung Warentest "gut", obwohl ihre Preise teils höher lagen als bei den Herstellern. Insgesamt blieben die Kopfhörer­buchsen häufig einfach defekt, obwohl die Tester auf den Schaden hingewiesen hatten.

Ein unabhängiger Dienstleister setzte sogar bei zwei Handys die Kopfhörer­buchse nicht instand, rechnete aber bei einem Gerät sogar die nach wie vor kaputte Buchse ab. Ein anderer Dienst tauschte kurzerhand einen funktionierenden Akku aus. Trotz der oft hohen Preise verbauten die freien Anbieter längst nicht immer Originalteile. Manch hoher Reparatur­preis ist den Experten zufolge auch mit dem Rückgriff auf Module zu erklären. Die sind teurer als Einzelteile, lassen sich aber einfacher wechseln.

Neuanschaffung kann günstiger sein als Reparatur

Defektes HandyHandy-Reparaturdienste im Test Wirtschaftlich waren etliche Reparaturen im Test nicht, wenn man die Reparatur­kosten mit dem Neukauf des gleichen Modells zum Zeitpunkt des Schadens ins Verhältnis setzt. Sinnvoll kann den Experten zufolge oft auch einfach eine Neuanschaffung sein: Im Test verlangte etwa ein Anbieter kurioserweise für eine Reparatur fast 170 Euro mehr als das gleiche Handymodell zum Zeitpunkt des Schadens neu gekostet hätte.

Apple ("Gut" mit der Note 2,0) behob im Vergleich alle Schäden am besten, denn der Hersteller repariert nicht, sondern tauscht direkt gegen ein gleichwertiges, general­überholtes Gerät aus. Auch Huawei ("Befriedigend" mit der Note 2,6) behob alle Fehler einwandfrei, ließ sich dabei aber durchschnittlich 16 Werktage Zeit. Bei einem anderen Hersteller mussten die Tester im Schnitt aber sogar 25 Werktage warten. Am schnellsten war Apple mit durchschnittlich drei Werktagen.

Erster Schritt: Hotline anrufen und IMEI zur Hand haben

Wer seinen Hersteller reparieren lassen möchte, sollte zuerst die Hotline anrufen und dabei die 15-stellige Identifikations­nummer (IMEI) des Handys parat haben, raten die Tester. Die erscheint im Display, wenn man *#06# eintippt.

Negativ fiel im Test auch auf, dass persönliche Daten von den Anbietern bei der Reparatur oft ohne Vorwarnung einfach gelöscht werden: Deshalb gilt es also vor der Abgabe zur Reparatur, persönliche Daten wie Adresse, Bilder, Videos oder SMS zu sichern.

Vom Displaytausch in Eigenregie nach Internet­anleitungen raten die Experten technischen Laien ohne einen Fachmann an der Hand ab. Lohnen könne aber ein Besuch in Selbsthilfe­werkstätten (Repair Cafés), wo mitunter kompetente Handybastler kostenlos Hilfe anbieten.

Das Testfazit: Lieber vorsichtig sein und eine gute Schutzhülle nutzen, als das Nachsehen mit Reparatur­diensten zu haben. Und: Im Zweifel auch einen Neukauf in Erwägung ziehen.

Weitere Tipps zu Handy-Reparaturen finden Sie auf unserer Infoseite zum Thema.

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