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Statt 8-Core & Full-HD: Diese mobilen Entwicklungen sind wichtiger

Wir wollen längere Akkulaufzeit, offene Systeme und Sprachsteuerung

Im Tablet-Markt gibt es bereits erste Geräte, die mehrere (momentan maximal zwei) Betriebssysteme vorinstallliert haben und diese nach Wahl des Nutzers booten. Es mag lächerlich erscheinen, dass wir so etwas auch für Smartphones fordern - doch für ambitionierte PC- und Notebook-Besitzer gehört dies seit Jahren zur Normalität: Programmieren und Surfen mit Linux, Spielen mit Windows. Hier wiederholen wir also unsere Forderung nach mehr Flexibilität, sehen aber auch die Probleme, die damit zusammenhängen.

Schon jetzt ist es möglich, Geräte zu rooten oder Jailbreaks zu installieren. Dies hat den Vorteil, lästige Zwangswerbung loszuwerden und "System-Apps" (zu denen bei Android auch Google+, Google Talk und andere gehören) bei Bedarf ab- und zuzuschalten.

Doch aufgrund der Komplexität ist das eher etwas für technisch versierte Nutzer - die Mehrzahl der Anwender nutzt brav (oder ignoriert) die vorgegeben Konfiguration. Wahrscheinlich kommt nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der Anwender auf die Idee, alternative Apps für E-Mail, Videowiedergabe und Fotoverwaltung zu nutzen. Der mobile Internet-Browser dürfte die einzige Anwendung sein, wo etwas mehr Variation auf Smartphones herrscht.

So abwegig alle diese Ideen in manchen Ohren klingen mögen: Noch in den 1990er Jahren mussten sich Branchengrößen wie Microsoft vor Autoritäten wie der Europäischen Kommission dafür verantworten, dass sie ihr Betriebssystem mit zuviel (!) Anwendersoftware ausliefern und dadurch den Wettbewerb behindern würden. Für das Ergebnis - die angepasste XP-Variante ohne Windows Media Player - hat sich allerdings kaum jemand interessiert.

Dass Multiboot-Systeme (ohne Virtualisierungslösung) technisch realisierbar sind und auch von den Nutzern angenommen werden, zeigt das Beispiel von Apple Boot Camp, das seit 2006 allen Nutzern eines Intel-basierten Macs erlaubt, Windows auf einer separaten Festplattenpartition zu installieren. Beim Start fragt der Mac den Nutzer auf Wunsch, welches System er booten möchte.

Um das auch auf aktuellen Mobilgeräten zu ermöglichen, müssten sich die Hersteller allerdings von der starken Bindung der Software an die Hardware endgültig verabschieden. Dieser Prozess hat längst begonnen - Windows RT für ARM-Prozessoren ist ein erstes Ergebnis. Jetzt fehlt nur noch der Wille der Hersteller, diesen Weg weiterzugehen.

Bedienung und Interfaces - eine Wegstrecke ist geschafft

Google Glass: Ein Blick in die Zukunft unserer Technik-Nutzung? Google Glass: Ein Blick in die Zukunft unserer Technik-Nutzung?
Foto: Google
Bezüglich der Bedienung von Mobilgeräten müssen wir anerkennen, dass eine rasante und gute Entwicklung bereits hinter uns liegt. Touchscreens lassen unter dem Motto "Wischen is possible" überkommene Bedienphilosophien mittlerweile alt aussehen.

Laut Aussage vieler Forscher und Entwickler befinden wir uns bei der natürlichen Interaktion mit technischen Geräten allerdings immer noch in der Steinzeit. Sprachsteuerungen wie Siri haben in den letzten Jahren zwar gezeigt, wohin der Weg gehen könnte, stehen selbst aber ganz am Anfang einer wünschenswerten Entwicklung. Ob sich Gestensteuerungen - wie bei Spielekonsolen und ersten Smart-TVs - auch bei mobilen Geräten durchsetzen können und überhaupt sinnvoll sind, bleibt abzuwarten.

Eigentlich sollten kabellose Funktechniken den Kabelsalat bei mobilen Geräten schon längst beendet haben. Bei der Datenübertragung ist das dank WLAN und mobilem Internet auch längst der Fall, doch bei der Akku-Aufladung und bei der Audio-Wiedergabe dominieren immer noch die schwarzen oder weißen Schnüre. Wichtiger als grenzenlose Leistungssteigerungen wäre es unseres Erachtens, dem Nutzer beim Kauf die Auswahl zwischen einem kabelgebundenen und einem Bluetooth-Headset zu überlassen und für die Energieversorgung zukünftig gnadenlos auf kabellose Ladenschalen zu setzen, auch im Bereich der Einsteiger-Smartphones.

Flexible Displays gibt es bereits, doch bei einem Smartphone nutzen sie nichts, solange der Rest des Telefons nicht biegsam ist. Doch flexible Platinen und vor allem Akkus gehören zu den Wünschen, deren technische Realisierung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, sodass Mobiltelefone nicht mehr wie Briketts in unseren Hosentaschen hängen.

Auch die Integration von Mobilfunktechniken in ganz andere Formfaktoren - wie beispielsweise Handy-Uhren - ist unserer Auffassung nach ein Trend, der unbedingt weiterverfolgt werden sollte. Das Ziel könnte es beispielsweise sein, Mobiltelefone und Multimedia-Features mehr und mehr in die Kleidung zu implementieren - das Zusammenwachsen des Nutzers mit diesen "Wearables" würde ganz neue Bedienmöglichkeiten und Anwendungsmöglichkeiten eröffnen, ohne dass wir ständig mit einer oder zwei Händen ein quaderförmiges Gerät vor unsere Nase halten müssen.

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