Mobile Payment

Bezahlen per Handy: Noch sicherer als mit Karte?

Mobiles Bezahlen wird zwar beliebter, doch auch die Skepsis ist groß. Warum das Zahlen mit dem Smart­phone im Grunde sicherer ist als mit der Plas­tik­karte - und wie es funk­tio­niert.
Von dpa /

Mobiles Bezahlen setzt sich durch Mobiles Bezahlen setzt sich durch
picture alliance/Jens Büttner/ZB/dpa
Die Deut­schen lieben ihr Bargeld - aber auch mobiles Bezahlen liegt im Trend. Immerhin: Rund 17 Prozent der Verbrau­cher haben im vergan­genen Jahr an der Kasse ihr Smart­phone gezückt. Das belegt eine Umfrage des Handels-Forschungs­insti­tuts EHI. Zwei Jahre zuvor waren es noch zehn Prozent­punkte weniger.

"Die Corona-Pandemie hat den Trend zu bargeld­losem und kontakt­losem Bezahlen befeuert. Und damit auch das Mobile Payment", sagt Kevin Hackl, Experte für Banken und Finanzen beim Digi­tal­ver­band Bitkom. Er glaubt, dass die Nutzung von Bezahl-Apps zunimmt. "Bei großen Händ­lern ist die Tech­nologie bereits etabliert, auch kleine Läden werden sicher bald auf den Zug aufspringen."

Große Auswahl an Apps und Systemen

Mobiles Bezahlen setzt sich durch Mobiles Bezahlen setzt sich durch
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Wer zum Bezahlen Smart­phone statt Geld­börse zücken will, braucht dafür eine App. Die Auswahl ist groß - und etwas unüber­sicht­lich. Denn viele deut­sche Banken bieten eigene Bezahl­sys­teme an, aber eben nicht alle. Dabei sind etwa die Volks- und Raiff­eisen­banken mit der App VR Banking oder die Spar­kassen mit der App Mobiles Bezahlen.

Außerdem gibt es Apple Pay sowie Google Pay und auch Smart­pho­neher­steller wie Samsung und Huawei bieten eigene Apps an. Auch manche Super­märkte wie Edeka oder Netto ermög­lichen mobiles Bezahlen über ihre Kunden-App. Manche davon lassen sich sogar auf smarten Uhren instal­lieren. Allen Systemen gemeinsam ist, dass für den Nutzer keine Extra­kosten entstehen.

"Apps machen das Bezahlen ziem­lich einfach", sagt Markus Montz bei der c't. In der Bezahl-App hinter­legt ein Kunde in der Regel die Daten einer Kredit- oder Debit­karte. Wer keine besitzt, braucht einen Anbieter, der auch die Giro­karte oder PayPal akzep­tiert.

Tech­nologie mit Funk­wellen-Symbol

"In Europa am gebräuch­lichsten ist die NFC-Tech­nologie." Das ist ein Funk­chip im Smart­phone, der die Daten beim Bezahlen an das Gerät des Händ­lers schickt. So ein Chip ist nicht nur im Smart­phone verbaut, sondern auch in Giro- oder Kredit­karten, mit denen sich kontaktlos bezahlen lässt. Ob ein Händler die Tech­nologie nutzt, erkennen Kunden an Hinweisen mit dem Funk­wellen-Symbol.

An der Kasse müssen sie dann das Smart­phone entsperren, je nach Anbieter auch die App öffnen und an das Karten­lese­gerät halten, bis eine Zahlungs­bestä­tigung erscheint. "Norma­ler­weise ist nicht einmal die Eingabe der Pin am Terminal nötig. Das Entsperren des Handys reicht für die Legi­tima­tion aus", sagt Montz.

Manche Apps setzen statt auf NFC auf einen QR- oder Strich­code. Etwa Huawei, das mit dem Unter­nehmen Blue­code zusam­men­arbeitet, oder die Systeme von Lidl, Edeka und Netto. "Für das Bezahlen erzeugt die App einen Code auf dem Handy, den das Personal an der Kasse mit dem Lese­gerät abscannt", so Montz. Dafür muss das Smart­phone entsperrt und die App geöffnet sein.

Mehr Sicher­heit als viele annehmen

Die meisten Menschen, die sich bislang nicht an das mobile Bezahlen heran­getraut haben, geben in der EHI-Umfrage Sicher­heits­bedenken an. Dabei sei es tech­nisch gesehen sogar noch eine Spur sicherer als die Nutzung einer physi­schen Karte, da die Karten­nummer nicht auf dem Gerät gespei­chert werde. "Zusätz­lich kann auf biome­tri­sche Daten zurück­gegriffen werden", sagt Hackl.

Wird das Smart­phone durch einen Finger­abdruck oder Gesichts­scan entsperrt, ist die hinter­legte Karte eindeutig dem Nutzer zuge­ordnet. "Beim NFC-System über­mit­telt der Chip statt der hinter­legten Karten­daten einen Trans­akti­ons­code, den soge­nannten Token, der nur für diesen einen Einkauf genutzt werden kann." Auch QR- oder Strich­codes sind nur einmal gültig.

Und auch unbe­fugt auslesen lassen sich die NFC-Chips im Smart­phone kaum, sagt Montz. Denn wenn der Bild­schirm aus ist, gilt dasselbe meist für den Chip. "Auch wenn er aktiv ist, müsste ein Dieb mit einem Lese­gerät auf vier Zenti­meter heran­kommen. Das bleibt kaum unbe­merkt." Sollte er dann tatsäch­lich Geld ergau­nern, müsste er das auf ein Konto über­weisen und hinter­lässt damit Spuren, gibt Montz zusätz­lich zu bedenken. "Da ist Taschen­dieb­stahl für einen Krimi­nellen einfa­cher und sicherer."

Daten­schutz hängt vom Anbieter ab

Was die Daten angeht, ist das mobile Bezahlen zumin­dest in Bezug auf die Konto­nummer sparsam. "Der Händler kennt nur die Trans­akti­ons­nummer des Bezahl­vor­gangs. Die Konto­daten verbleiben zwischen dem Kunden und seiner Haus­bank", sagt Hackl. Wie es aller­dings um andere Daten steht, das kommt auf den Anbieter der App an. Am daten­spar­samsten sei sicher das Programm der Haus­bank.

"Bei den inte­grierten Mobile Payment-Lösungen der Super­markt­ketten teilen Kunden dagegen Infor­mationen über ihr Kauf­ver­halten mit dem Anbieter. Im Gegenzug erhalten sie Rabatte oder Ange­bote." Wer das nutzt, gebe genauso viele Daten weiter, wie Verbrau­cher, die Treue­karten aus Plastik nutzen, so Hackl.

Das bestä­tigt auch eine Unter­suchung der Stif­tung Waren­test, die zuletzt 2019 Apps für mobiles Bezahlen unter­sucht hat. Demnach haben Kunden­karten und Bonus­pro­gramme gesam­melt, wer was wann und wo einkauft.

Keine Daten flossen dagegen an Apple. "Das Unter­nehmen ist an den Gebühren betei­ligt, die Händler an Zahlungs­dienst­leister bezahlen, genauso wie Samsung Pay. Diese Unter­nehmen brau­chen die Daten daher nicht für ihr Geschäfts­modell", sagt Montz. Google nehme sich in den Nutzungs­bedin­gungen dagegen einiges heraus. Der Inter­net­riese kennt zwar den Kassenbon nicht, aber zum Beispiel den Standort des Nutzers. "Noch sollen die Daten nicht für gezielte Werbung genutzt werden, aber das kann sich jeder­zeit ändern."

Nicht jede App läuft auf jedem Smart­phone

Bei der Auswahl ihres Zahlungs­dienst­leis­ters sind Verbrau­cher je nach Gerät einge­schränkt. Auf den meisten Smart­phones vorin­stal­liert ist die Bezahlapp des Anbie­ters. iPhone-Besitzer haben keine große Wahl, dort läuft beinahe ausschließ­lich Apple Pay, andere NFC-Apps lässt der Hersteller nicht zu. Immerhin arbeiten fast alle großen Banken inzwi­schen mit dem Unter­nehmen zusammen.

Ledig­lich Kunden­karten der Super­märkte und Systeme mit QR- oder Strich­code lassen sich dort auch noch instal­lieren. Android-Nutzer haben dagegen die Wahl zwischen der Bezahlapp ihres Smart­phone-Herstel­lers, der ihrer Bank, falls diese eine bietet, Google Pay und den Kunden­karten.

In Sachen Sicher­heit und Einfach­heit ist Mobiles Bezahlen eine echte Alter­native zu Plas­tik­karten. Aber solange Geschäfte noch immer auf Bargeld bestehen, bleibt Verbrau­chern nichts anderes übrig als auch ein paar Scheine dabei­zuhaben.

Das kontakt­lose Bezahlen per Handy setzt sich in Deutsch­land durch. Vor allem an der Super­markt-Kasse wird das Shoppen via Smart­phone von verschie­denen Anbie­tern unter­stützt. Wir nehmen Mobile Payment per NFC und Wallet-App unter die Lupe und wagen einen Blick in die Zukunft.

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