Intelligente Stromzähler

Moderne Messsysteme: Dumme, smarte Stromzähler

Intel­ligente Strom­zähler sind die Voraus­setzung für die dezen­tralen Strom­netze von morgen. Doch die derzei­tigen Geräte enttäu­schen bei der Funk­tiona­lität, Zulas­sungs­hürden behin­dern zudem massiv die Einfüh­rung.
Von dpa /
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Die Kühl­truhe meldet per Push-Nach­richt aufs Handy, wenn sie plötz­lich zu viel Strom verbraucht. Die Wasch­maschine springt an, wenn die Energie günstig ist. Die Solar­anlage speist Strom vom eigenen Dach bei guten Preisen ins Netz. So könnte die neue Ener­giewelt aussehen. Könnte - denn auf die dafür erfor­derli­chen intel­ligenten Strom­zähler warten Stadt­werke und andere Versorger noch immer. Dabei sollte mit ihrer schritt­weisen Einfüh­rung schon vor zwei Jahren begonnen worden sein.

Digi­taler Zähler einge­baut, aber Gateway fehlt

Smart Meter sind bereits seit 10 Jahren im Gespräch. Große Verbreitung haben sie noch nicht gefundenSmart Meter sind bereits seit 10 Jahren im Gespräch. Große Verbreitung haben sie noch nicht gefunden In vielen Haus­halten ist zwar der vertraute schwarze Strom­zähler mit der sich ständig drehenden Scheibe bereits gegen ein Gerät mit Digi­talan­zeige ausge­tauscht worden. Doch intel­ligent sind diese modernen Mess­einrich­tungen nicht, denn sie können sich nicht mit Netz­betrei­bern und Strom­liefe­ranten über das Internet verbinden. Dazu fehlt ihnen die Smart Meter Gateway genannte Kommu­nika­tions­einheit. Die digi­talen Geräte, für die im Jahr maximal 20 Euro berechnet werden dürfen, böten "kaum einen Mehr­wert gegen­über herkömm­lichen Zählern", betont der Strom­riese Eon.

Intel­ligente Strom­zähler sollen deut­lich mehr können. "Kunden erhalten dadurch unter anderem eine bessere Kosten­kontrolle über ihren Ener­giever­brauch, können Strom­fresser iden­tifi­zieren, Nach­zahlungen vermeiden und den Zähler­stand fern­ablesen lassen", streicht eine Eon-Spre­cherin heraus. Für diese Geräte müssen die Verbrau­cher aber mehr bezahlen - bei 100 Euro im Jahr beginnen die nach Verbrauch gestaf­felten gesetz­lichen Preis­ober­grenzen.

Nur für Groß­verbrau­cher vorge­schrieben

Ein Pflicht­einbau der Smart Meter ist nur für größere Verbrau­cher vorge­sehen. Wer im Jahr mehr als 10.000 Kilo­watt­stunden verbraucht oder eine Solar­anlage mit einer Leis­tung von mehr als sieben Kilo­watt betreibt, sollte schon ab 2017 einen Smart Meter erhalten. Bei einem Jahres­verbrauch von mindes­tens 6000 Kilo­watt­stunden soll der Einbau vom kommenden Jahr an beginnen. Ein durch­schnitt­licher Drei-Personen-Haus­halt liegt in der Regel unter dieser Marke. Er kann aber den Einbau eines intel­ligenten Zählers bean­tragen.

Vor allem sollen Smart Meter helfen, die zuneh­mend dezen­trale Strom­erzeu­gung und den Verbrauch flexibel mitein­ander zu verknüpfen. Die Netz­betreiber erhoffen sich unter anderem eine Fülle von genaueren Daten für exakte Vorher­sagen des Strom­bedarfs. Doch ihre Einfüh­rung hat sich zu einem "nicht enden wollenden Hinder­nislauf" entwi­ckelt, wie der Bundes­verband der Energie- und Wasser­wirt­schaft klagt.

Hohe Sicher­heits­stan­dards bremsen Zulas­sung

Smart Meter sind nicht nur intel­ligent, sie können auch zum Einfallstor für Hacker in das Strom­netz werden. Deshalb dürfen nur Geräte einge­baut werden, die strenge Prüfungen des Bundes­amtes für Sicher­heit in der Infor­mati­onstechnik (BSI) bestanden haben. Bislang ist das nur einem Gateway gelungen. Um den Pflicht­einbau starten zu können, müssen aber drei Geräte vom BSI zerti­fiziert werden. Eon hat deshalb bisher auch nur einige Hundert Pilot­geräte montiert.

"Die Anfor­derungen, die das BSI an die Hersteller stellt, sind enorm", sagt Björn Buch­geister von der Aachener Devolo AG, die eines der acht noch im Zerti­fizie­rungs­verfahren befind­lichen Geräte entwi­ckelt hat. Das BSI habe im Laufe des Verfah­rens zusätz­liche Anfor­derungen gestellt. "Der Zerti­fizie­rungs­aufwand ist deut­lich höher als erwartet." Devolo werde seinen Smart Meter deshalb nicht mehr in diesem Jahr auf den Markt bringen können.

Das BSI versi­chert, keine uner­füll­baren Auflagen zu machen. Die Zerti­fizie­rung des ersten Gate­ways im vergan­genen Dezember habe gezeigt, "dass es möglich ist, inno­vative Tech­nolo­gien und smarte Lösungen so zu entwi­ckeln, dass die Infor­mati­onssi­cher­heit gewähr­leistet und die Privat­sphäre der Verbrau­cher gewahrt bleibt", betont ein Spre­cher. Das BSI sei zuver­sicht­lich, dass weitere Hersteller die Forde­rungen bald erfüllten und der verpflich­tende Rollout noch in diesem Jahr beginnen könne.

Stadt­werke frus­triert

Für das Stadt­werkenetz­werk Trianel, dem mehr als 100 Stadt­werke in Deutsch­land und den Nach­barlän­dern ange­hören, kommt das zu spät. Es will aus Verär­gerung über das schlep­pende Geneh­migungs­verfahren seine Smart-Metering-Akti­vitäten bis zum Jahres­ende einstellen. Es gebe nur geringe Perspek­tiven, kurz und mittel­fristig "die getä­tigten Inves­titionen in diesem Geschäfts­bereich zurück­verdienen zu können", schimpft der Spre­cher der Trianel-Geschäfts­führung, Sven Becker. Deutsch­land laufe Gefahr, "sich bei der Digi­tali­sierung im tech­nolo­gischen Klein­klein zu verlieren".

Geräte erfüllen Erwar­tungen nicht

Doch nicht nur an der schlep­penden Einfüh­rung gibt es Kritik. Die intel­ligenten Mess­systeme der ersten Genera­tion würden weit weniger können als ursprüng­lich ange­kündigt, kriti­siert die Haupt­geschäfts­führerin des Verbands kommu­naler Unter­nehmen, Kathe­rina Reiche. "Bild­lich gespro­chen: Die Geräte beherr­schen mit der Addi­tion oder Subtrak­tion die ersten beiden Grund­rechen­arten. Multi­plika­tion oder Divi­sion können sie nicht abbilden." Das sei aber notwendig, um etwa in einem Wohn­quar­tier die Strom­erzeu­gung aus Photo­voltaik und den Verbrauch steuern und schalten zu können. Es sei auch nicht abzu­sehen, "ob die Nach­folge­genera­tion der Geräte dazu in der Lage sein wird".

Mehr zum Thema Sicher­heit von intel­ligenten Strom­zählern können Sie in einem weiteren Beitrag lesen.

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