Smart Home

Smart-Home-Funkstandards: Kommunikation muss stimmen

Smart Home ist längst keine Zukunfts­musik mehr. Vernetzte Leuchten, Ther­mostate und Haus­geräte verrichten in vielen Haus­halten ihren Dienst. Und die Technik entwi­ckelt sich weiter, wird viel­sei­tiger.

Das Türschloss öffnet sich, sobald sich ein Bewohner nähert. Der Staub­sauger arbeitet sein Programm ab, egal ob jemand daheim ist oder nicht. Roll­läden fahren morgens auto­matisch hoch und abends wieder runter.

All das funk­tio­niert entweder auf Sprach­befehl oder per App: Will­kommen im Smart Home. Immer mehr Geräte und Kompo­nenten kommen hinzu und lassen sich in das vernetzte Haus inte­grieren.

"Als Smart Home bezeichnet man die Vernet­zung tech­nischer Geräte, die sich zentral oder aus der Ferne steuern lassen", erklärt Alex­ander Matheus vom VDE Prüf- und Zerti­fizie­rungs­institut. "Die Band­breite reicht von der einfa­chen vernetzten Steck­dose bis hin zum voll auto­mati­sierten Haus."

Viele Nutzer starten mit der Beleuch­tung oder Alarm­anlagen

Smart-Home-App auf einem iPad des Anbieters Loxone Smart-Home-App auf einem iPad des Anbieters Loxone
Bild: picture alliance/dpa | Marijan Murat
Zu den klas­sischen Anwen­dungen gehören heute die Fern­steue­rung verschie­dener Geräte - Multi­media, Sicher­heit, Klima und Heizung sowie Beleuch­tung der Räume. Beliebt sind als Einstieg smarte Alarm­anlagen und die Video­über­wachung des Haus­ein­gangs oder Grund­stücks. Viele Nutzer beginnen mit der Beleuch­tung.

Wer die Heizungs­anlage in ein Smart Home-System einbindet, kann sie ener­gie­effi­zienter betreiben. Das ist vor allem für Haus­eigen­tümer ein Anreiz, sich damit zu beschäf­tigen.

Bevor jemand sein Zuhause vernetzt, sollte er oder sie sich gut über­legen, welchen Nutzen das haben soll und wie weit er oder sie dabei gehen möchte - am besten, bevor man die ersten Geräte instal­liert. Denn davon hängt ab, welche Technik sinn­voll ist. Bei der Auswahl eines Smart Home Anbie­ters sowie eines Systems sollten Kunden auch auf Sicher­heit bei der Verar­bei­tung ihrer Daten achten.

Auf verschie­dene Funk­stan­dards achten

"Für die meisten Haus­halte kommen funk­basierte Systeme in Frage, denn sie lassen sich unkom­pli­ziert instal­lieren und bei Bedarf erwei­tern", sagt Sebas­tian Klöß vom Digi­tal­ver­band Bitkom in Berlin. Es gibt Basis­sets, zu deren Grund­aus­stat­tung meist einzelne Aktoren, Sensoren und eine Schalt­zen­trale gehören, die die einzelnen Geräte anfunkt.

Dabei gibt es laut Klöß aber ein Problem: "Bindet der Kunde Geräte verschie­dener Hersteller in sein Smart Home ein, kann es sein, dass diese sich unter­ein­ander nicht verstehen." Da sie in verschie­denen Funk­netzen arbeiten, funk­tio­niert das Netz­werk nicht.

Im Smart Home können verschie­dene Funk­stan­dards zur Anwen­dung kommen. Am bekann­testen und am meisten verbreitet ist WLAN, der Stan­dard für Funk­netz­werke zur Verbin­dung mit dem Internet. "Das hat eigent­lich jeder zu Hause, viele Geräte werden direkt per WLAN ange­spro­chen", erklärt Klöß. Für Smart Home ist WLAN aber eigent­lich über­dimen­sio­niert - und so ener­gie­intensiv und stör­anfällig.

Besser geeignet sind seiner Meinung nach speziell für das Smart Home entwi­ckelte Funk­stan­dards, etwa ZigBee. "Dieser Funk­stan­dard wird gern im Beleuch­tungs­bereich genutzt", erläu­tert Klöß. ZigBee werde von vielen Herstel­lern unter­stützt und habe einen nied­rigen Ener­gie­ver­brauch. "Z-Wave ist eben­falls ein herstel­ler­über­grei­fender Funk­stan­dard, der von vielen Smart-Home-Geräten genutzt wird."

Unter­schiede der offenen und geschlos­senen Systeme

"Wählt der Kunde ein Smart Home-System eines einzelnen Herstel­lers, ist er an dessen Funk­technik gebunden", sagt Rein­hard Loch, Leiter der Gruppe Ener­gie­effi­zienz und erneu­erbare Ener­gien von der Verbrau­cher­zen­trale NRW. In der Regel könne der Kunde dann keine Produkte anderer Hersteller in sein Netz­werk inte­grieren. Experten spre­chen von einem geschlos­senen System.

Offene Systeme können hingegen meist Geräte verschie­dener Hersteller einbinden. "Sie haben einen von verschie­denen Anbie­tern für Smart Home-Lösungen unter­stützten Stan­dard, zum Beispiel Blue­tooth LE, EnOcean, WLAN, Z-Wave und ZigBee", erklärt Loch.

Nutzer, die sich nur wenig mit Technik beschäf­tigen wollen, können auf einen einzelnen Smart Home-Anbieter setzen, der alle Kompo­nenten aus einer Hand bereit­stellt. "Das funk­tio­niert in der Regel gut." Loch rät Verbrau­chern aber darauf zu achten, "dass alle Anwen­dungen verfügbar sind, die sie einbinden wollen."

Wer expe­rimen­tier­freu­diger ist, kann versu­chen, Geräte mehrerer Hersteller in sein Smart Home zu inte­grieren. Dazu muss man sich aber inten­siver mit der Technik beschäf­tigen. "Denn auch offene Systeme haben ihre Grenzen", gibt Alex­ander Matheus zu bedenken.

Die Technik entwi­ckelt sich weiter

Es gibt aber Hoff­nung. "Einzelne geschlos­sene Systeme öffnen sich inzwi­schen auch für andere Hersteller, oft jedoch nur für gewisse Grund­funk­tionen", erläu­tert Klöß. "Oder es werden keine auto­mati­schen Updates ange­boten."

In Zukunft könnte es leichter werden, Smart Home zu nutzen, ohne dass Kunden auf einzelne Hersteller fest­gelegt sind. Die Konkur­renten Amazon, Apple und Google bereiten gemeinsam mit anderen Smart Home-Anbie­tern einen neuen offenen Stan­dard vor - mit dem Namen Connected Home over IP. "Wann erste Geräte für diesen Stan­dard auf den Markt kommen, ist aber noch nicht genau abzu­sehen", sagt Klöß.

Für Anwender ist es einfa­cher geworden, seit sich digi­tale Sprach­assis­tenten auf dem Markt etablieren. "Sie fungieren gewis­ser­maßen als Dolmet­scher und zentrale Schalt­stelle im Smart Home", erklärt Klöß.

Program­miert man sie beispiels­weise für die tägliche Morgen­rou­tine im Haus, fahren die Assis­tenten laut Klöß zur fest­gelegten Uhrzeit die Roll­läden hoch und schalten das Licht, das Radio sowie die Kaffee­maschine ein. "Meist klappt das auch dann, wenn die einzelnen Geräte mit verschie­denen Funk­stan­dards funk­tio­nieren".

Und die Entwick­lung geht immer weiter. In ein paar Jahren wird die Technik dank künst­licher Intel­ligenz auf das Verhalten der Menschen reagieren - und so auto­matisch wissen, was die Bewohner brau­chen. "Dann wird das Smart Home ein selbst lernendes Haus sein, das die Bedürf­nisse der Bewohner erkennt und die Abläufe selbst­ständig managt", sagt Alex­ander Matheus.

Damit man von künst­licher Intel­ligenz auch profi­tieren kann, muss man ihr Vertrauen. Die EU-Kommis­sion hat Regeln für KI vorge­schlagen. Details zu dem Thema lesen Sie in einer weiteren News.

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