Smart Home

Vernetzter Haushalt: So schränken Sie Datensammelei ein

Egal, ob es ums Sauber­machen geht oder um die Über­wachung des Eigen­heims: Das Wohnen wird zuneh­mend digital. Doch das Smart Home hat auch Schat­tenseiten. Wie schützt man seine Daten?
Von dpa /
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Intel­ligente Leuchten, smarte Saug­roboter, spre­chende Helfer­lein: Die Auswahl an Geräten, die Verbrau­cher in den eigenen vier Wänden unter­stützen, ist groß. Sie machen das Leben einer­seits zwar leichter. Ande­rerseits sammeln sie mitunter im Hinter­grund auch fleißig Daten der Nutzer.

Die aller­meisten dieser Haus­halts­geräte stünden regel­mäßig mit dem Hersteller in einer Kommu­nika­tions­verbin­dung - und sei es nur, um den Wartungs­status oder Updates abzu­rufen, erklärt Dennis-Kenji Kipker, Rechts­wissen­schaftler von der Univer­sität Bremen.

Kipker weist auch darauf hin, dass einige Hersteller die Gerä­tenut­zung von einer Online-Regis­trie­rung abhängig machen. Deshalb sollten sich Verbrau­cher über­legen, ob es notwendig ist, ihre genauen Adress­daten und den Klar­namen anzu­geben. Alter­nativ könne man mit Pseud­onymen arbeiten, erklärt der Experte.

Smartes Zuhause: Auf Datensicherheit achten
Smartes Zuhause: Auf Datensicherheit achten

Daten­schutz oder Daten­sammelei

Auf dem Markt lassen sich, grob gesagt, zwei Formen von Anbie­tern unter­scheiden: Das sind Unter­nehmen, die sich stark an den geltenden Daten­schutz­richt­linien orien­tieren und sich um Trans­parenz bemühen - und es gibt jene, die so viele Daten wie möglich erfassen wollen. Häufig werden diese dann etwa für Marke­ting­zwecke weiter­genutzt.

Beim Kauf von Geräten mit Smart-Home-Anwen­dungen sollte daher Wert darauf gelegt werden, dass die Hersteller ein daten­schutz­freund­liches System sowie entspre­chende Vorein­stel­lungen verwenden - das nennt man auch Privacy by Design bezie­hungs­weise Privacy bei Default. Dazu rät Helga Block, die Landes­beauf­tragte für Daten­schutz und Infor­mati­onsfrei­heit von Nord­rhein-West­falen.

Vor dem Kauf einer elek­troni­schen Haus­halts­hilfe sollte man sich genau über den Hersteller infor­mieren. Ein wich­tiges Krite­rium: Wo kommt der Produ­zent her? "Unter Daten­schutz­gesichts­punkten sollte man immer EU-Herstel­lern den Vorzug geben, da diese dem strengen Regime der Daten­schutz­grund­verord­nung, DSGVO, unter­liegen - selbst wenn sie Daten ins Ausland über­mitteln", rät IT-Rechtler Dennis-Kenji Kipker.

Die Frage ist: Was passiert mit den erfassten Infor­mationen? Unter Daten­schutz­gesichts­punkten sei zu unter­scheiden, ob die gesam­melten Angaben nur lokal genutzt würden oder auch in eine Hersteller-Cloud über­tragen und dort ausge­wertet würden, meint Helga Block.

Apps kritisch betrachten

Grund­sätz­lich können sich Nutzer auch über­legen, ob sie wirk­lich jedes Gerät mit einer App ansteuern müssen. Gerade die Apps neigen aus Exper­tensicht dazu, zusätz­liche perso­nenbe­zogene Daten, die gar nichts mit der Gerä­tenut­zung an sich zu tun haben, zu sammeln. Maik Morgen­stern vom IT-Sicher­heit-Forschungs­institut AV-Test empfiehlt, vor dem Kauf Erfah­rungs- und Test­berichte zu lesen. Zudem sollten sich Verbrau­cher dazu schlau­machen, inwie­fern sich die Privat­sphäre-Einstel­lungen anpassen lassen.

Auch die Produkt­details zählen: Verbrau­cher sollten sich fragen, "ob sie wirk­lich sämt­liche Funk­tionen brau­chen und damit riskieren, dass im Zwei­fels­fall mehr Daten aufge­zeichnet werden", so Morgen­stern.

Senden von Daten einen Riegel vorschieben

Wer sich ein smartes Haus­halts­gerät zulegt, kann an einer mögli­cher­weise über­mäßigen Daten­sammelei mitunter nur schwer etwas ändern. Es ließe sich aller­dings, wenn sich das Gerät im eigenen WLAN befinde, eine Fire­wall einrichten und damit das Senden an die Server der Unter­nehmen verhin­dern, sagt Morgen­stern. Das sei jedoch sehr kompli­ziert und nur etwas für IT-Experten.

Stellt sich die Frage, ob all diese Bedenken so gravie­rend und einschnei­dend für Verbrau­cher sind, dass man von einem Kauf absehen sollte? Für Experten hängt die Antwort darauf vom Gerät und dessen Nutzung ab. "Wenn Kameras und Mikro­fone im Spiel sind, sind immer auch hoch­sensible Daten betroffen", sagt Dennis-Kenji Kipker.

Bei anderen Geräten, beispiels­weise einer Kaffee­maschine, die elek­tronisch vernetzt ist, bestehe hingegen nahezu kein Risiko. Kipker betont abschlie­ßend das Risiko der Nutzung von Klar­namen, weil damit ein Bezug zu Person und Ort herge­stellt werden könnte.

Smart Speaker sind vernetzte Laut­spre­cher, die über Sprach­befehle gesteuert werden. Pioniere der Technik sind Amazon und Google, aber auch Apple, Micro­soft und Samsung sind aktiv. Beim Daten­schutz gibt es große Bedenken.

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