Smart City

Smart Cities: In Deutschland nur ein Flickenteppich

Die moderne Stadt von morgen funk­tioniert digital: von der Park­platz­suche bis zur CO2-Redu­zierung. Doch die Entwick­lung von Smart Cities gleicht einem Flicken­teppich. Die Indus­trie warnt, dass Deutsch­land auch hier hinter­herhinken wird.
Von der Anga Com in Köln berichtet Marc Hankmann
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Anga Com 2019 Panel Smart Cities und 5G Wolfgang KopfWolfgang Kopf von der Telekom beklagt, dass es keine Städte übergreifenden Initiativen gibt Anwen­dungen sind vorhanden, aber es hapert an der Umset­zung. So lautet das Fazit der Diskus­sions­runde „Smart Cities und 5G“ auf der Fach­messe Anga Com in Köln. Die Deut­sche Telekom begann bereits vor zwölf Jahren mit ersten Projekten zur Digi­tali­sierung von Städten. „Wir versu­chen jetzt, Geschäfts­modelle zu entwi­ckeln“, sagte Wolf­gang Kopf, Leiter Zentral­bereich Politik und Regu­lierung bei der Telekom. Damit ist er schon etwas weiter als zum Beispiel Voda­fone, deren Smart-City-Projekte noch im Projekt­status sind.

Und so ergeht es den meisten Kommunen, wenn­gleich es eine starke Nach­frage der Städte gibt. So wurde das Programm der Bundes­regie­rung zur Digi­tali­sierung von kommu­nalen Verkehrs­strömen von einer auf 1,5 Milli­arden Euro aufge­stockt. Jedoch erkennt auch der Bund die Schwie­rigkeiten. „Wir wünschen uns ein einheit­liches Vorgehen, sodass Kommunen von den Erfah­rungen anderer profi­tieren können“, sagte Tobias Miethaner, Leiter der Abtei­lung Digi­tale Gesell­schaft im Bundes­minis­terium für Verkehr und digi­tale Infra­struktur, auf dem Panel der Anga Com.

Städte über­grei­fende Initia­tiven gefor­dert

Ins gleiche Horn blies auch Telekom-Manager Kopf. Viele großen Städte arbei­teten parallel an einer Smart-City-Platt­form, ohne sich dabei zu vernetzen oder auszu­tauschen. Daher forderte Kopf auf dem Panel Städte über­grei­fende Initia­tiven. „Wir könnten viel umsetzen, wenn es eine Agenda gäbe“, pflich­tete ihm Bernd Thielk, Geschäfts­führer von willy.tel bei. Er wies zudem auf ein anderes Problem hin: In Hamburg betreibt willy.tel WLAN-Hotspots und könnte durch Auslesen von Smart­phone-Daten Verkehrs­ströme ermit­teln, auf deren Grund­lage der Nahver­kehr in der Hanse­stadt gesteuert werden könnte. Jedoch macht der Daten­schutz diesem Projekt einen Strich durch die Rech­nung.

Anga Com 2019 Panel Smart Cities und 5G Christoph ClémentChristoph Clément von Vodafone rät Städten dazu, einen CIO einzusetzen Und selbst wenn eine Anwen­dung daten­schutz­konform ist, muss man mit der Ableh­nung durch die Bevöl­kerung rechnen. Telekom-Manager Kopf berich­tete von einem Versuch, die Kunden­ströme in einer Einkaufs­passage zu analy­sieren, in dem auch hier Smart­phone-Daten pseudo- und anony­misiert genutzt wurden. „Alle 16 Daten­schutz­beauf­tragte der Länder und der Bundes­daten­schutz­beauf­tragte gaben ihr Okay“, sagte Kopf. Als jedoch die hiesige Tages­zeitung berich­tete, dass Daten ausge­späht würden, sei es mit dem Versuch vorbei gewesen, klagt Kopf.

One-Stop-Shop­ping für Geneh­migungs­verfahren

Anga Com 2019 Panel Smart Cities und 5G Tobias MiethanerTobias Miethaner vom BMVI wünscht sich ein einheitlicheres Vorgehen bei der Entwicklung von Smart Cities Was muss also geschehen, damit deut­sche Städte, vor allem nicht nur die großen Ballungs­zentren, smart werden? „Geneh­migungs­verfahren dauern zu lange und Zustän­digkeiten sind zersplit­tert“, kriti­sierte Chris­toph Clément, Mitglied der Geschäfts­leitung von Voda­fone Deutsch­land, auf der Anga Com. Er forderte, dass Geneh­migungen in den Kommunen gebün­delt werden, quasi in einem One-Stop-Shop­ping für derar­tige Verfahren. „Die Kommunen müssen einen CIO einsetzen, eine Person, die alle Zustän­digkeiten vereint“, rät Clément. Miethaner fügte hinzu, dass auch die Bürger mitge­nommen werden müssen. „Man muss ihnen erklären, welche Vorteile es für sie bringt, wenn zum Beispiel neue Mobil­funk­masten errichtet werden“, sagte Miethaner in Köln.

Das sagte er insbe­sondere mit Blick auf den 5G-Ausbau. Der neue Mobil­funk­stan­dard spielt auch für die Smart City eine wich­tige Rolle, denn mit dem jetzigen 4G-Stan­dard ist eine Echt­zeit­steue­rung des Verkehrs aufgrund der hohen Latenz­zeiten nicht möglich. Spätes­tens bei 5G wird jedoch die Frage der Finan­zierung digi­taler Anwen­dungen aufkommen. Ange­sichts der leeren kommu­nalen Kassen empfahl Kopf alter­native Finan­zierungs­modelle. „Man könnte sich zum Beispiel die Einspa­rungen beim Ener­giever­brauch teilen“, sagte Kopf auf dem Panel. Aber auch dafür bedarf es klar gere­gelter Zustän­digkeiten in den Kommunen.

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