Fahrzeug-Daten

So wird Ihr Auto zum Smart Car

Auch in älteren Autos steckt ein leistungsstarker Computer, der viele Daten verarbeitet. Mit einem OBD-Stecker und einer App lassen sich die Fahrzeug-Daten auslesen - das Auto wird zum Smart Car.
AAA
Teilen (38)

In Autos steckt jede Menge Technik. Doch nicht immer geben die Fahrzeuge ihre Geheimnisse an ihre Besitzer weiter. Wer ein älteres Modell fährt oder bei der Ausstattung seines Autos auf einen Bordcomputer verzichtet hat, kann zumindest einige Funktionen eines Bordcomputers recht kostengünstig nachrüsten. Denn mithilfe eines kleines Adapters lassen sich Fahrzeug-relevante Werte wie die Motordrehzahl, der Kraftstoffverbrauch sowie die Temperatur des Kühlwassers und des Öls auslesen.

Alles was Auto-Besitzer benötigen, um ihr Fahrzeug zum Smart Car zu machen, ist ein sogenannter OBD-Dongle. Dieser wird in die OBD-Schnittstelle des Autos gesteckt und kann so auf Informationen der Steuergeräte an Bord zugreifen. Mithilfe einer Smartphone-App können die Werte ausgelesen und verarbeitet werden.

Über OBD-Stecker Fahrzeug-Daten auslesen
Über OBD-Stecker Fahrzeug-Daten auslesen

Was ist OBD?

OBD steht für On-Board-Diagnose. Das einheitliche Diagnosesystem wird seit Ende der 80er Jahre dafür genutzt, um die Abgaswerte eines Autos zu kontrollieren. Früher kam vor allem die OBD-I-Norm zum Einsatz, über die abgasrelevante Daten ausgelesen wurden.

Heutzutage sind über die Schnittstelle allerdings weitaus mehr Daten zugänglich. Zugang zu den Fehlerdaten und anderen Parametern gibt die neuere OBD-II-Schnittstelle (auch OBD 2), die bei allen europäischen Fahrzeugen mit Benzin-Motor ab Baujahr 2001 und mit Diesel-Motor ab Baujahr 2004 gesetzlich vorgeschrieben ist. Freiwillig haben die Hersteller die OBD-II-Schnittstelle bereits in Autos ab Baujahr 1996 eingebaut. Kommt es zu Fehlern in den Fahrsystemen, leuchtet eine gelbe Fehlfunktionsanzeige, auch Motorkontrollleuchte genannt, auf.

Auch KFZ-Mechaniker nutzen OBD II für die Fehlererkennung bei Fahrzeugen, denn moderne Autos haben oftmals eine Vielzahl an computergestützten Systemen an Bord, die gewartet werden müssen. Daher schauen viele Mechaniker in der Werkstatt nicht mehr als Erstes unter den Wagen, sondern verbinden ihn über die Schnittstelle mit einem Laptop, um Fehlerinformationen, Echtzeitdaten und andere Parameter auszulesen. Die Fehler-Auslesung in der Werkstatt kann mehrere Euro kosten, unter Umständen kommen noch Folgekosten für die Fehlerbeseitigung hinzu. Eine ungefähre Vorstellung vom Umfang des Problems erhalten Fahrzeughalter bereits vor dem Werkstattbesuch, wenn sie wissen, was für ein Fehler vom Auto gemeldet wurde.

Um den Fehlerspeicher selbst auslesen zu können, wird ein Adapter in die OBD-II-Schnittstelle gesteckt. Einen solchen Adapter gibt es im Internet bereits für wenige Euro. Beim Kauf sollten Kunden auf die CE-Kennzeichnung achten, billige China-Importe sollten vermieden werden. Und einen weiteren Warnhinweis wollen wir an dieser Stelle geben: Mit den OBD-Steckern greifen Fahrzeughalter direkt auf die Elektronik der Fahrsysteme zu. Nutzen sie einen nicht geprüften, minderwertigen Adapter, kann es unter Umständen zu Kurzschlüssen kommen und der Wagen könnte liegen bleiben. Zudem sollten Nutzer ohne genaue Kenntnisse von der Bordelektronik es vermeiden, über den Adapter Änderungen an den Fahrsystemen vorzunehmen - dazu zählt unter Umständen bereits das Löschen des Fehlerspeichers.

Wo befindet sich die OBD-II-Schnittstelle?

Spezielle Vorgaben, wo die Schnittstelle im Innenraum des Autos angebracht sein muss, gibt es nicht. Sie ist jedoch immer innerhalb eines Meters um die Fahrerposition zu finden. Oftmals nutzen die Hersteller eine Position unter der Lenksäule oder im Bereich der Mittelkonsole.

OBD-II-Schnittstelle kann sich an verschiedenen Positionen im Auto befinden.
OBD-II-Schnittstelle kann sich an verschiedenen Positionen im Auto befinden.
Bei der Schnittstelle handelt es sich um eine 16-polige Buchse, die ein wenig an eine Scart-Buchse erinnert. Die Werte, die über OBD II ausgelesen werden, sind bei allen Fahrzeugen gleich. Unterschiede gibt es allerdings bei den verwendeten Über­tragungs­protokollen, die oftmals abhängig vom Hersteller sind. Welches Protokoll verwendet wird, lässt sich - zumindest bei Autos mit einem Baujahr ab 1996 - anhand der Stecker­belegung erkennen. Bei der Wahl des Steckers sollte auf die Kompatibilität mit dem Auto geachtet werden.

App macht Daten zugängig

Der OBD-Stecker kommuniziert über Bluetooth mit dem Smartphone, Tablet oder Laptop. Damit Nutzer an die Daten kommen können, die über die Schnittstelle ausgelesen werden, benötigen sie eine passende Diagnose-Software. Diese gibt es zum Teil kostenlos im Play Store oder App Store, für umfangreichere Software werden meist einige Euro verlangt.

Eine gern genutzte und in der Basis-Version kostenfreie App ist Torque, die allerdings nur für Android angeboten wird. Die Pro-Version kostet 3,55 Euro und erlaubt dem Nutzer eine umfangreichere Überwachung seines Fahrzeuges. Die App zeigt unter anderem Fahrzeug- und Motorwerte, Abgaswerte, die Kühlertemperatur, die Beschleunigung und weiteres an.

Beispiel für Diagnose-Software: Links Torque, rechts die App von Pace
Beispiel für Diagnose-Software: Links Torque, rechts die App von Pace
Einige Anbieter verkaufen sogar Komplett-Pakete - Hard- und Software kommt hier also aus einer Hand. Ein Beispiel ist das Angebot des Berliner Kickstarters Pace. Mit Preisen ab etwa 120 Euro für den OBD-Adapter und die Software, ist das Angebot allerdings weitaus teurer als die selbst zusammengestellte Lösung. Die Pace-App läuft auf Android- und iOS-Geräten. Zudem kann direkt auf der Webseite geprüft werden, ob der OBD-Dongle mit dem eigenen Auto kompatibel ist und wo sich die Schnittstelle für den Adapter in etwa befindet.

Pace zeigt Daten wie die Öltemperatur, die Motor­auslastung und sogar die Querbeschleunigung an. Außerdem informiert die App über den Tankfüllstand und zeigt die günstigsten Tankstellen in der unmittelbaren Umgebung an. Auf Wunsch gibt es sogar Tipps zum spritsparenden Fahren. Gemeldete Fehler werden von der Software analysiert und erklärt - im günstigsten Fall können Nutzer diese somit direkt beheben. Außerdem setzt die App automatisch einen Notruf ab, wenn es zum Unfall gekommen ist und der Fahrer nicht mehr reagiert.

Ein OBD-II-Modul mit Mobilfunk-Schnittstelle und GPS-Empfänger haben wir bereits getestet. Auch wenn der Dienst o2 Car Connection mittlerweile eingestellt wurde, veranschaulicht der Test, welche Möglichkeiten Fahrzeugbesitzer mit einer solchen Smart-Car-Lösung haben.

Teilen (38)

Mehr zum Thema Auto