Jubiläum

15 Jahre Skype: Platzhirsch kämpft gegen neuere Messenger

Skype galt als erster einfacher und weltweit nutzbarer VoIP-Service. In seiner Geschichte erlebte er mehrere Besitzerwechsel - jetzt kämpft er gegen Smartphone-Messenger. Wir schauen auf 15 Jahre Skype zurück.
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Skype feiert in diesem Sommer seinen 15. Geburtstag. Der weltweite Dienst für kostenlose VoIP-Telefonate hat eine wechselvolle Geschichte mit mehreren Besitzerwechseln hinter sich - und er hat die Art und Weise verändert, wie wir über Ländergrenzen hinweg kommunizieren.

Dabei war Skype beileibe nicht der erste Dienst seiner Art - doch als erster konnte er eine derart weite Verbreitung erreichen. Heutzutage muss sich Skype allerdings gegen eine Vielzahl von Smartphone-Messengern behaupten, über die man ebenfalls kostenlos und weltweit telefonieren kann.

Skype: Revolutionär und doch kein echter Pionier

Skype wird 15 Jahre altSkype wird 15 Jahre alt War Skype als Software für Telefonate über das Internet ein Pionier? Nein. Seit 1992 gab es den IP-basierten Dienst CU-SeeMe. Ab 1995 verfügte Windows 95 über die Telefonie-Software "Microsoft NetMeeting", 1996 wurde der zugrundeliegende Standard H.323 von der ITU endgültig zertifiziert. Auch das heutzutage noch verwendete SIP-Protokoll für Internet-Telefonie wurde bereits 1996 erfunden. Im selben Jahr kam das heute noch aktive Unternehmen Net2Phone auf den Markt und vermarktete erfolgreiche VoIP-Dienste.

Und doch hat Skype die Kommunikation revolutioniert: Bis dahin war die Einrichtung und Nutzung einer VoIP-Software oft mühsam und mit Fehlern behaftet. Die Erfinder von Skype erreichten es, eine Internet-Telefonie-Software zu entwickeln, bei der keine Serverdaten eingegeben werden und kein Router oder eine Firewall konfiguriert werden mussten. Beinahe wie von Geisterhand funktionierte die Software auch in komplexeren Netzwerken ohne großen Konfigurationsaufwand, was manchen Netzwerkadministrator verunsicherte.

Doch auch die Art des Datentransports war revolutionär: Der ursprüngliche Skype-Dienst beruhte auf der Peer-to-Peer-Technik, funktionierte also auch beim Ausfall von zentralen Servern. Angesichts der Herkunft der Skype-Erfinder war dies nicht verwunderlich: Die Skype-Gründer hatten zuvor die P2P-Musiktauschbörse Kazaa entwickelt. Mittlerweile wird Skype allerdings rein Server-Client-basiert betrieben.

Skype kannibalisiert Einnahmen für Auslandstelefonate

Skype wurde 2003 von Janus Friis aus Dänemark und Niklas Zennström aus Schweden gegründet. Im April 2003 wurden die Domains Skype.com und Skype.net registriert. Die estnischen Entwickler Ahti Heinla, Priit Kasesalu und Jaan Tallinn entwickelten die erste Version der Skype-Software, die schließlich am 29. August 2003 veröffentlicht wurde.

Skype bot von Anfang an auch technisch eher ungeübten Anwendern die Möglichkeit, mit anderen Skype-Nutzern im In- und Ausland kostenlos über das Internet zu telefonieren. Die Kommunikation mit Kindern oder Enkeln im Auslandssemester oder Bekannten im Urlaub konnte so im besten Fall kostenfrei erfolgen. Lediglich für Telefonate von Skype in herkömmliche Telefonnetze wurden und werden Kosten berechnet.

Die Nutzung von Skype setzte natürlich eine gewisse Internet-Bandbreite voraus, insbesondere bei der Videotelefonie. Dies war 2003 noch längst nicht bei jedem Internetnutzer gewährleistet. Als sich aber mehr und mehr Breitbandanschlüsse durchsetzten, erkannten die Netzbetreiber, dass ihnen wegen Skype möglicherweise lukrative Zusatzeinnahmen für Auslandstelefonate wegbrechen könnten. Skype brachte daher die heute noch geführte Diskussion in Schwung, wie ein Over-the-Top-Anbieter, der mit seiner Software einfach bestehende Netze nutzt, die kostenpflichtigen Dienste des Netzbetreibers kannibalisieren kann. Immer wieder wurde und wird daher gefordert, dass Diensteanbieter wie Skype, Apple oder Google sich an den Kosten für den Netzausbau beteiligen müssten.

Die Skype-Software fand schließlich auch den Weg auf Handys mit Symbian, BlackBerry OS und Windows Mobile/Windows Phone, später auch auf Smartphones mit iOS und Android. Doch hier herrschte außerhalb von WLAN-Netzen zunächst dasselbe Problem wie bei den Desktop-Versionen von Skype: Mobile Datentarife mit GPRS und EDGE waren zu langsam für Videotelefonie, und die MB-basierte Datenabrechnung machte die mobile Skype-Telefonie unattraktiv. Die Text-Messaging-Funktion war aber eine willkommene Alternative zu teuren SMS. Erst mit dem Erfolg mobiler Datenflats über UMTS/HSPA und LTE setzte sich Skype auf Mobilgeräten endgültig durch. Seither haben also auch die Mobilfunkanbieter Marktanteile an VoIP-Apps verloren, insbesondere bei Auslandstelefonaten. Versuche der Netzbetreiber, Skype zu blockieren oder Extra-Gebühren dafür zu erheben, hatten nur kurzen oder keinen Erfolg.

Ein Telefonat via Skype
Ein Telefonat via Skype

Besitzerwechsel, Messenger-Konkurrenz und Datenschutz

Nach und nach bot Skype außer IP-Telefonie und Instant Messaging auch Videokonferenzen, Dateiübertragung und Screen-Sharing. Nicht durchgesetzt haben sich allerdings Versuche, Skype auf internetfähige Fernseher zu bringen. Der nachhaltige Erfolg der Software weckte Begehrlichkeiten bei Investoren. 2005 kaufte eBay Skype und träumte davon, den Telefoniedienst in seinen Marktplatz zu integrieren - doch das misslang. Nach diversen Teilverkäufen übernahm Microsoft 2011 Skype und ist bis jetzt der Eigentümer des Dienstes, der sich nach und nach vermehrt für Business-Nutzer öffnete und mittlerweile auch komplett ohne Software webbasiert im Browser verwendbar ist.

Insbesondere auf Mobilgeräten hat Skype inzwischen aber mächtig Konkurrenz bekommen. Innerhalb Deutschlands und im EU-Roaming telefonieren viele Handy-Kunden mittlerweile mit einer erschwinglichen Allnet-Flat. Und zahlreiche Smartphone-Messenger wie WhatsApp und andere haben mittlerweile die kostenlose Sprach- und Videotelefonie in ihren Funktionsumfang integriert, was dazu führt, dass Skype heutzutage nur noch ein VoIP-Dienst unter vielen ist. Doch die charakteristischen Icons, Smileys und Ruftöne von Skype werden zahlreichen Nutzern der ersten Jahre sicherlich noch einige Zeit in Erinnerung bleiben.

Mit anderen Messengern teilt Skype übrigens auch das Schicksal, sich gegen die oft allzu große Neugier von Geheimdiensten, totalitären Staaten und diktatorischen Regimes zur Wehr setzen zu müssen. Da Skype wie WhatsApp und Facebook in den USA beheimatet ist, verzichten daher vermehrt Kunden auf die Anwendung, obwohl Skype mittlerweile eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eingeführt hat, und wechseln zu in Europa beheimateten Messengern und Crypto-Phone-Diensten.

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