Angriff

Offensive: Sky gegen DAZN, Netflix, Amazon & Co.

Der zuletzt in die Defen­sive gera­tene Pay-TV-Anbieter Sky geht in die Offen­sive. Mit Fußball, Formel 1 und neuen Serien will er sich der neuen Wett­be­werber erwehren. Für den Kunden wird es unüber­sicht­li­cher.

Sky geht in die Programm-Offensive Sky geht in die Programm-Offensive
Foto: picture alliance/Chris Radburn/PA Wire/dpa
Die Konkur­renz kommt aus mehreren Rich­tungen. Der deut­sche Pay-TV-Pionier Sky muss seit einigen Jahren mit neuen Formen des Wett­be­werbs kämpfen. Auf der einen Seite vor allem mit dem seit 2016 aktiven Sport-Strea­ming­dienst DAZN.

Und auf der anderen Seite mit einer wach­senden Zahl inter­na­tio­naler Film- und Serien-Anbieter wie Netflix, Amazon Prime, Disney+ und Apple TV+.

Jetzt ist dem mit Fußball bekannt gewor­denen Pay-TV-Sender das gelungen, was im Sport als Befrei­ungs­schlag bezeichnet wird. Sky verkün­dete neben dem Kauf der über­le­bens­wich­tigen Bundes­liga-Rechte am Montag auch den Erwerb von Formel-1-Rechten sowie die Produk­tion von deut­lich mehr Serien. In den nächsten drei Jahren werde die Zahl der "Sky Origi­nals" auf bis zu acht pro Quartal erhöht.

Neue große Programm­of­fen­sive geplant

Sky geht in die Programm-Offensive Sky geht in die Programm-Offensive
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Das zuletzt in die Defen­sive gera­tene Unter­nehmen aus Unter­föh­ring nennt das eine "neue, große Programm­of­fen­sive" und wählte dafür große Worte: Diese werde "das Fern­sehen in Deutsch­land verän­dern und Sky in eine neue Ära führen". Anders ausge­drückt: Sky setzt im Kampf um den Kunden und gegen die Konkur­renz auf eine Doppel-Stra­tegie aus Sport und Serien.

"Das Herz der Bundes­liga schlägt nach wie vor bei Sky", sagte Deutsch­land-Chef Devesh Raj der Deut­schen Presse-Agentur: "Gemeinsam mit der Formel 1 exklusiv, der Stär­kung des Film- und Seri­en­be­reichs sowie mit unserer markt­füh­renden Platt­form Sky Q bieten wir für jeden Kunden genau den passenden Inhalt an."

Beson­ders unter Druck stand Sky bei den Fußball-Über­tra­gungen. Sie sind gewis­ser­maßen das Herz­stück des Bezahl-Senders, der vor 29 Jahren unter dem Namen Premiere das erste Spiel live im deut­schen Pay-TV über­tragen hat. Durch den Verlust der Rechte für die Cham­pions League von 2021 an drohte eine exis­tenz­ge­fähr­dende Situa­tion - die nun dank des Bundes­liga-Deals erstmal abge­wendet wurde.

DAZN setzt den Pay-TV-Platz­hirsch unter Druck

Gleich­wohl setzt DAZN den Pay-TV-Platz­hirsch unter Druck und erwarb nach den - offi­ziell noch nicht verkün­deten - Rechten für die Cham­pions League auch ein großes Bundes­liga-Paket. "Dies ist ein Meilen­stein für DAZN auf dem Weg, die Nummer 1 der Live-Sport-Anbieter zu werden", kommen­tierte Deutsch­land-Chef Thomas de Buhr.

Den Angriff des US-Unter­neh­mens Disco­very, das vor vier Jahren Bundes­liga-Rechte für die Tochter Euro­sport erwarb und schon nach zwei Spiel­zeiten weiter­ver­kaufte, hat Sky abge­wehrt. Doch DAZN ist ein anderes Kaliber.

Das erst vor vier Jahren in den Markt einge­tre­tene Unter­nehmen ist nach eigener Aussage "der welt­weit führende Sport-Strea­ming-Dienst". Und DAZN will "seine Präsenz drama­tisch erhöhen und auf mehr als 200 Märkte welt­weit expan­dieren".

Sky: 23,9 Millionen Abos in Europa

Die Sky-Gruppe des US-Konzerns Comcast besteht im Wesent­li­chen aus den Filialen in Deutsch­land, Italien und Groß­bri­tan­nien. Und sie kämpft abseits des Sports mit gewich­tigen Gegnern. Mit dem erst seit sechs Jahren in Deutsch­land aktiven Serien-Spezia­listen Netflix oder neuer­dings mit Disney+ und Apple TV+.

Ein paar Zahlen zum Vergleich: Netflix liegt nach zuletzt starken Zuwächsen bei knapp 183 Millionen bezahlten Mitglied­schaften. Disney+ vermel­dete nur fünf Monate nach dem Start bereits 50 Millionen Kunden. Und Sky? Die letzt­mals für Deutsch­land im Juni 2018 ausge­wie­sene Kunden­zahl liegt bei 5,2 Millionen. Euro­pa­weit sind es nach neuesten Angaben 23,9 Millionen Abon­ne­ments.

Und es gibt noch mehr Konkur­renz, etwa den Online-Handels-Riesen Amazon. Der setzt - neben eigenen Filmen und Serien - verein­zelt auch auf Sport. Er kaufte eben­falls Cham­pions-League-Rechte für den deut­schen Markt und stach Sky dabei aus.

Die ARD will künftig alle Einzel­spiele der Bundes­liga per Audio live und in voller Länge über­tragen. Neu sind auch Video-Clips mit den wich­tigsten Spiel­szenen. Mehr dazu lesen Sie in einer weiteren News.

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