Keine Ruhe mehr

Sky: Bahnfenster überträgt bald Werbenachrichten ins Gehirn

Technologie übermittelt Ton über Vibrationen direkt ins Gehirn
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Ein Bild, das man häufig antrifft: Ein müder Pendler lehnt seinen Kopf gegen die Fensterscheibe der Bahn, mit der er gerade unterwegs ist. Wenn es nach dem Pay-TV-Anbieter Sky geht, könnte das aber zukünftig weniger erholsam sein als bisher. Der Anbieter hat zusammen mit der Düsseldorfer Werbeagentur BBDOproximity ein Konzept entwickelt, bei dem Werbenachrichten über die Fensterscheibe direkt in das Gehirn des Pendlers übertragen werden.

Im Feldtest, der im Winter in München und in einem Pendlerzug zwischen Aachen und Düsseldor durchgeführt wurde, wurden Reisende gefragt, ob sie nicht die Sky-Go-App herunter laden wollen und Video streamen möchten.

Das Konzept des sprechenden Fensters wurde erstmals letzten Monat auf dem Cannes-Lions-Festival gezeigt. Auf der Veranstaltung an der Côte d'Azur treffen sich laut Angaben des Veranstalters jährlich rund 11 000 Kreative.

Julia Buchmaier, Pressesprecherin von Sky, sagte teltarif.de gegenüber, dass es sich bei dem Konzept nur um eine Idee für den Wettbewerb gehandelt habe. Momentan sei ein Einsatz der Technologie noch nicht geplant - künftig aber durchaus denkbar. Als Sender sei man immer an neuen Werbemöglichkeiten interessiert. Der zum Einsatz gekommene Prototyp müsse aber noch weiter entwickelt werden. Sky: Werbung über das FensterSky: Werbung über das Fenster

Knochenschall: Gehirn wandelt Vibrationen in Töne um

Die Übertragung geschieht mit Hilfe eines speziellen Gerätes, das an der Fensterscheibe montiert ist. Die kleine Box bringt die Scheibe dann zum Vibrieren. Lehnt sich nun ein Pendler dagegen, werden diese Vibrationen vom Gehirn direkt in Ton übersetzt. Jemand, der nicht in Kontakt mit der Scheibe ist, hört diese Werbebotschaft nicht. Hergestellt wurde der Prototyp von Audiva. Die Firma ist spezialisiert auf die Übertragung von Klängen per Knochenschall.

Die Idee Töne per Knochenschall zu übertragen ist an sich nicht neu. Militärs und Hörgeschädigte weltweit nutzen die Technologie schon lange. Vorteilhaft ist, dass die Tonübertragung auch dann genutzt werden kann, wenn ein Gehörschutz zum Einsatz kommt. Andernfalls können Geräusche aus der Umwelt ungestört wahrgenommen werden. So können Läufer beispielsweise Musik hören und trotzdem ihre Umwelt wahrnehmen.

Abzuwarten bleibt, wie die Öffentlichkeit reagiert

Auch Suchmaschinengigant Google setzt bei dem Google-Glass-Projekt auf diese Technik. Neu ist aber der Einsatz im öffentlichen Raum. Es bleibt abzuwarten, wie eine etwaige Kampagne von der Öffentlichkeit aufgenommen wird und ob die Anzahl zerbrochener Fensterscheiben ansteigt.

Ein Werbevideo, das bei YouTube aufgetaucht ist, stößt in den Kommentaren größtenteils auf Unverständnis. Während einige Nutzer die Macher hinter dem Konzept angreifen, sagen andere viele zerbrochene Fensterscheiben hervor oder gehen davon aus, dass die Geräte von den Fenstern gerissen werden. Wieder andere entwickeln Lösungsansätze und empfehlen zum Beispiel einfach einen Pullover zwischen Kopf und Fenster zu positionieren. Ist die Stoffschicht breit genug, dürften die Vibrationen nicht mehr beim Pendler ankommen.

Die Technologie im Video

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