Abgeklemmt

Hintergrundbericht: sipgate stellt VoIP-Produkt sipgate One ein

Anbieter hält Netzbetreiber und die BNetzA für mitschuldig
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Der VoIP-Pionier sipgate stellt sein Produkt sipgate One zum 31. Juli ein. Dies teilt das Unternehmen seinen verbliebenen Kunden per E-Mail und im Blog mit. 2011 war das Projekt sipgate One einem ausgewählten Kundenkreis vorgestellt worden. Die Idee dahinter war eigentlich schon bekannt: Eine einheitliche Rufnummer für alles. Bei einem Anruf auf sipgate One konnte es zeitgleich auf einem Festnetz und einem Mobilfunkanschluss klingeln. Alternativ war ein virtueller Anrufbeantworter schaltbar, der auf Wunsch sogar alle Anrufe herausfilterte, die ohne Rufnummernübertragung eingingen - etwa Werbeanrufe von Call-Centern -, bevor eine Gesetzesänderung die Pflicht zur Übermittlung einer Rufnummer einführte.

Persönliche Rufnummer 0700 praktisch kaum nutzbar

sipgate-Geschäftsführer Thilo Salmon verkündet Aus von sipgate Onesipgate-Geschäftsführer Thilo Salmon verkündet Aus von sipgate One Für persönliche Rufnummern wurde vom Regulierer eigentlich die Vorwahl 0700 vorgesehen, doch dort fehlen bis heute klare Regeln zur Erreichbarkeit aus allen Netzen und zur Tarifierung. Während Anrufe zu 0700 im Festnetz mit zwischen 6 und 12 Cent/Minute berechnet werden (Flatrates finden keine Anwendung), sind die Preise aus dem Mobilfunk nur schwer zu ermitteln und können je nach Anbieter bei bis zu 1 Euro pro Minute liegen, teilweise auch darüber, meistens im 60/60-Sekundentakt.

Für Kunden der Prepaid-Plattformen im Netz von o2 sind alle 0700-Rufnummern bis heute gesperrt. Warum das so ist, konnte man uns selbst auf intensive Nachfrage in München nicht sagen. Auch der Inhaber einer 0700-Rufnummer wird zur Kasse gebeten, wenn beispielsweise der ankommende Anruf nicht auf einer bereits vorhandenen Festnetzrufnummer ankommen, sondern auf einem Handy landen soll. Wenig bekannt ist, dass 0700-Rufnummern nicht zuverlässig aus dem Ausland erreichbar sind, falls sie bei einem "alternativen" Anbieter (also nicht bei der Deutschen Telekom) gehostet werden.

Sipgate One mit Mobilfunk-Rufnummer

Der Charme von sipgate One lag in der Verwendung einer "Mobilfunk"-Rufnummer. Da für ankommende Anrufe auf Mobilfunkrufnummern ein erhöhter Interconnect zu zahlen ist, konnte sipgate ein Produkt anbieten, was ankommende Anrufe ohne Mehrkosten wahlweise auf einen Fest- oder Mobilfunkanschluss weiterleitete, sogar ankommende SMS-Kurznachrichten wurden durchgeleitet.

sipgate vs. Bundesnetzagentur - gibt Google Voice auf?

Eigentlich hatte sich sipgate schon früh um eine eigene Vorwahl bemüht, um eben nicht auf Dritte im Markt angewiesen zu sein, aber ein "Mobilfunkanbieter" ohne "echtes Mobilfunknetz" erschien der Bundesnetzagentur so nicht möglich. Eine jahrelange Verzögerung und eine Aussicht auf eine Rufnummernzuteilung, die erst nach einer von sipgate gegen die Bundesnetzagentur angestrengten Klage möglich schien, sei jedoch nicht die Unterstützung, die man sich von einer Wettbewerbsbehörde erhofft habe, kritisiert sipgate in seinem Kündigungsschreiben die Bundesnetzagentur und vermutet, dass als Folge des jahrelangen Eiertanzes mittlerweile sogar Google von der Einführung des Produktes "Google Voice" in Deutschland Abstand genommen habe.

Zudem habe die Bundesnetzagentur mittlerweile die Position bezogen, dass ein Anbieter eines Produktes im Stile von sipgate One keinen Anspruch auf die Zahlung von Mobilfunkentgelten haben solle. Da die Preise für die Weiterleitung zu anderen (Mobilfunk-) Anbietern auch noch erheblich über dem in anderen westeuropäischen Ländern lägen, sei es faktisch leider nicht möglich, ein Produkt wie sipgate One für den Endkunden kostenfrei anzubieten.

Auf der folgenden Seite unseres Hintergrundberichts erläutern wir, warum das Modell des Interconnects nicht nur seriöse Unternehmen anlockte, wie sipgate von der gemieteten Vorwahl im Beta-Stadium zur "eigenen" Vorwahl kam und ob simquadrat eine Alternative werden könnte.

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