Und Schluss

Aus für SchülerVZ: Online-Netzwerk schließt zum Monatsende

Ende April wird das soziale Netzwerk nach sechs Jahren eingestellt
Von Rita Deutschbein mit Material von dpa
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Aus für SchülerVZ: Online-Netzwerk schließt zum MonatsendeAus für SchülerVZ Das soziale Netzwerk SchülerVZ [Link entfernt] schließt endgültig. Am 30. April soll die Plattform dichtgemacht werden, hieß es in einer Ankündigung auf SchuelerVZ.net [Link entfernt] . "Mit der Schließung werden alle deine Inhalte und Daten vollständig und unwiederbringlich gelöscht", heißt es dort an die Adresse der Nutzer. Wer also noch Daten wie Bilder, Nachrichten, Links und Pinnwandeinträge sichern wolle, müsse dies in den verbleibenden Wochen bis zum Ende des Monats tun, so der Ratschlag.

Bei SchülerVZ selbst war am heutigen Morgen niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Etwa 200 000 Nutzer sollen betroffen sein.

Die Investmentgesellschaft Vert Capital hatte die VZ-Netzwerke im September 2012 von Holtzbrinck Digital übernommen. Neben SchülerVZ für Nutzer zwischen zehn und 21 Jahren gehören auch StudiVZ und MeinVZ dazu, die vorerst bestehen bleiben. Damals hieß es, Vert Capital wolle die Netzwerke weiter betreiben und ihre Funktionen erweitern. Zuvor hatte es bereits mehrere Versuche einer Neuausrichtung gegeben, zwischenzeitlich sollte SchülerVZ zu einem Bildungsangebot umgebaut werden.

Die Bemühungen konnten den massiven Nutzerschwund jedoch nicht aufhalten. Hatten die drei VZ-Netzwerke Ende 2010 noch mehr als 12 Millionen Nutzer, besuchten im Dezember 2012 der AGOF zufolge nur noch 1,6 Millionen eine der Seiten.

Lange Zeit ganz vorn mit dabei

Die VZ-Gruppe zählte hierzulande lange Zeit als der Platzhirsch unter den Social-Media-Diensten. Vor eineinhalb Jahren soll SchülerVZ noch fünf Millionen Nutzer gehabt haben. Im Oktober 2005 als Studentenprojekt gestartet, ging studiVZ Ltd. 2007 an die Holtzbrinck Gruppe. Ein Jahr später wurde die VZ-Gruppe seitens Facebook mit Vorwürfen konfrontiert, Bestandteile ihres Netzwerks kopiert zu haben. Der Streit wurde 2009 beigelegt.

Aus für SchülerVZ: Online-Netzwerk schließt zum MonatsendeDie Bekanntgabe auf der
SchülerVZ-Webseite
Damals profitierte die Gruppe von einer hohen deutschen Nutzerzahl. Vor vier Jahren kamen StudiVZ zusammen mit SchülerVZ und MeinVZ auf 8,5 Millionen Nutzer. Der amerikanische Konkurrent konnte im Vergleich dazu kurz nach seinem Start in Deutschland im Jahre 2008 etwa 6,3 Millionen Nutzer aufweisen. Weltweit hatte Facebook schon damals mit 250 Millionen Nutzern eindeutig die Nase vorn.

Mit dem Deutschland-Start von Facebook begann allerdings auch die schleichende Abwanderung der Nutzer der VZ-Gruppe: Ende 2010 hatten sie noch mehr als zwölf Millionen Nutzer. Im Dezember 2012 waren es nur noch 1,6 Millionen. Mehrfach versuchten die Betreiber vergeblich, den Nutzerschwund aufzuhalten. Die Webseite WannstirbtStudiVZ.net hielt den Rückgang der Nutzerzahlen beim StudiVZ über die Jahre hinweg fest und sagt nun ein endgültiges Aus für Februar 2014 voraus.

Immer wieder Datenpannen

Schlagzeilen machten die Netzwerke mit Datenpannen - im Oktober 2009 wurden der Verbraucherzentrale mehr als 100 000 Datensätze aus dem Schüler-VZ zugespielt, darunter persönliche Profildaten, zu denen nur Freunde von Netzwerk-Mitgliedern Zugang hatten. Danach wurde die Sicherheit verbessert. Während die Kritik am Umgang von Facebook mit persönlichen Daten immer lauter wurde, versuchte die VZ-Gruppe, mit Datenschutz zu punkten. Dies wurde dann auch von Verbraucherschützern positiv registriert.

Dennoch entwickelte sich das SchülerVZ im vergangenen Jahr zu einer Art Geisterstadt: Etliche Nutzer legten sich Phantasie-Namen zu und spielten mit fiktiven virtuellen Identitäten. Sogar ein eigenes Fake-Verzeichnis wurde eingerichtet, bei dem man sich weiter anmelden kann.

Der Internet-Unternehmer Ripanti gibt der Marke VZ keine Chance mehr: "Das ist verbrannt." Für einen nationalen Anbieter sei es sehr schwierig, gegen Facebook zu bestehen. Statt einer landesweiten Plattform können sich eher Netzwerke mit einem regionalen Schwerpunkt behaupten. So hat "Wer Kennt Wen" in Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland weiter eine aktive und stabile Community. "Die Zukunft liegt im Regionalen", sagt Ripanti. "Für viele ist Facebook zu groß, sie wollen sich online mit Leuten aus ihrer Umgebung vernetzen."

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