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Zukunfts-Technik: In Europa noch geredet, in Asien längst gelebt

Der Blogger Sascha Pallenberg kam in Köln auf der Mitglieder­versammlung des DVTM als Gastredner zu Wort. Er zeigte, welche Technologien in Asien längst gang und gäbe sind, wie etwa kostenlose Ladestationen an U-Bahn-Stationen.
Aus Köln berichtet
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Auf der diesjährigen Mitglieder­versammlung des DVTM hatte der Verband den TK- und IT-Experten und Blogger Sascha Pallenberg als Gastredner eingeladen. Pallenberg stammt aus Dortmund, lebt jedoch in Taiwan, wenn er nicht gerade rund um den Globus jettet. Er zeigte anschaulich, was heute schon möglich ist, worüber in Europa noch geredet und was in Asien längst gelebt wird.

Das Hochhaus Taipei 101 wurde von einer IT-Firma gebaut, der Samsung Constructions. Samsung habe alle Produkte bis zum Computerchip im Programm. Die Insel Taiwan, die vor China (Mainland) liegt, befindet sich auf Platz 3 der "App-crazed Countries", also der Länder, welche die meisten Handy-Apps der Welt herunterladen, nach Südkorea und Hong Kong. Das Land habe die Industriali­sierung direkt übersprungen, "vom Reisfeld direkt in die Halb­leiter­technik" und in den Straßen und U-Bahnen werde nicht für Kosmetik oder Begleitung, sondern überwiegend für Consumer Electronics geworben.

Neben der oft diskutierten Google-Brille gibt es längst weniger bekannte Sehhilfen von Samsung oder Microsoft. Moderne Apps projizieren ein dreidimen­sionales Hologramm in den Raum. Man glaubt, die "virtuellen" Objekte seien wirklich da. Die erste Armband-Uhr von Abraham Louis Breguet für Caroline Murat aus dem Jahre 1810 war das erste Wearable Device, findet Pallenberg, die Apple Watch also nicht wirklich etwas Neues. Die erste Smartwatch Pebble schaffte dank Crowdfunding aus dem Nichts 12 Millionen US-Dollar Start­kapital, für die zweite Version kamen schon 20 Millionen zusammen. Bereits vor vier Jahren hatte Sony-Ericsson eine Smartwatch präsentiert.

Trend: Transparente und flexible Displays

Wolkenkratzer in TaipehTaiwan: Transparente Displays und Ladestation in der Bahn schon Alltag Für Pallenberg geht der Trend zu transparenten und flexiblen Displays. Eine "Glas­scheibe" kann zugleich ein Display sein, wobei man aber immer noch "hindurch" sehen kann. Flexible Akkus lassen sich auch in Kleidung einnähen oder "zuschneiden" ohne Kurzschluss oder Gefahr für den restlichen Akku. Das um die Kante herumgezogene Display wie beispielsweise beim Samsung Galaxy Note Edge wird in Taiwan längst um ein weiteres aus dem Handy heraus­ziehbares Display ergänzt.

Das Auto der nahen Zukunft passt sich dem Fahrer an, von der individuellen Beleuchtung (z.B. Philips Ambient Light) oder den eigenen Duft (kein Duftbaum mehr notwendig) bis zur automatisch geladenen Lieblings-App beim Einsteigen. Die Außenhaut des Fahrzeugs könne nahezu komplett aus einem Amoled-Display bestehen, ideal für Werbe­botschaften oder private Grüße an vorbeifahrende Autos oder Passanten.

Autonomes Fahren werde bald selbst­verständlich sein, Pallenberg ist schon die Prototypen von Audi und Mercedes Benz gefahren, im neuesten Modell aus Untertürkheim sitzt man sich gegenüber und konferiert, während das Auto "selbstständig" durch die Stadt rollt. Der künftige Lebensraum werde verstärkt im Auto liegen.

Smart Cities sind in Taiwan längst Wirklichkeit, die U-Bahn von Taipei fahre super pünktlich sekundengenau, das Strecken­netz wurde binnen weniger Jahre erweitert, weil es dort keine langwierigen Baugeneh­migungen gebe, ein Ticket koste umgerechnet etwa 80 Cent. Traumhaft: Auf allen U-Bahn-Stationen gibt es (kostenlose) Lade­stationen für Laptops oder Handys mit passenden Steckern und Kabeln.

Stadt New York informiert über ihre Datenbestände

Sascha PallenbergSascha Pallenberg als Gastredner bei der DVTM-Versammlung Taipei hat 6 Millionen Einwohner, wovon 2 Millionen ein Fahrrad über ein mobiles Bezahlsystem ausleihen, 30 Minuten kosten 12 Cent. Eine Handy-App zeigt, wie viele Fahrräder frei und welche in der Nähe zu finden sind.

Heute sammeln eine Unmenge von Sensoren viele Daten. Beispielsweise kann man anhand der WiFi (WLAN)-Signale erkennen, wie viele Fußgänger an einer Stelle vorbei gekommen sind. In New York wurde so ermittelt, dass nur 5 Prozent aller Einwohner von Manhattan vor 8 Uhr Abends schlafen gehen. Dabei ist Pallenberg wichtig: Der User muss die Herrschaft über seine Daten behalten können, es sollen keine Rückschlüsse auf die einzelne Person möglich sein. Statt Geheimnis­krämerei sei Offenheit gefragt: Unter nycopendata.socrata.com informiert die Stadt New York über ihre Datenbestände.

Nach Erhebungen der Firma Cisco gab es 2010 bereits 12,5 Milliarden Internet-Devices, die Zahl wird sich dieses Jahr auf 25 Milliarden und bis 2020 auf insgesamt 50 Milliarden Geräte weltweit jeweils verdoppeln.

"Wird uns das zu viel?", fragte Pallenberg und hat schon die Antwort parat: "Das ist der Anfang der Entwicklung." Er sieht voraus, dass wir uns in einer Welt bewegen werden, wo es immer schwieriger wird, jeweils auf dem neuesten Stand zu sein. Dafür werden wir bei Energie und Medien künftig weniger abhängig von langjährig gewachsenen Infra­strukturen sein, weil sich permanent alles verändert und neue Angebote dazu kommen. Lineare Media-Kanäle (z.B. das klassische Programm­fernsehen) werden bald verschwinden.

Verkaufsschlager in Taipei: Smartphone-Hülle mit deutschem Reisepass

Manche Trends kehren sich um: Wurden die Mobil­telefone vor Jahren immer kleiner, wachsen sie in der Größe wieder, wie man am Displayformat der Smartphones sehen kann. "Das Smartphone ist das persönlichste elektronische Gerät. Das Smartphone wird Ihnen die Tore zum Smart Home, zur Smart City und zum Auto öffnen."

Interessant: Das beste in Taiwan ist "made in Germany". Der "schnellste Aufzug" der Welt im Hochhaus "Taipei 101" stammt von ThyssenKrupp, erst komme "German Engineering", dann "German Fußball". Verkaufs­renner sei eine Smartphone-Hülle mit der Abbildung eines deutschen Reisepass - darauf: "The most advanced country in the world".

Während der DVTM-Versammlung fand eine Panel­diskussion statt. Zu den Themen zählten unter anderem der Fluch der Flatrates und die Netzneutralität. Zudem gewährte der Vorsitzende des NSA-Unter­suchungs­ausschusses im Deutschen Bundestag interessante Einblicke. All dies lesen Sie in einer weiteren Meldung.

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