Galaxy S8

Goophone S8: Dreiste Galaxy S8 Kopie

Das Samsung Galaxy S8 und S8 Plus ist ab 28. April für alle verfügbar, aber das Goophone S8 ist schon jetzt zu haben. Ein optisch fast perfekter Klon mit starken Einschränkungen bei der Hardware.
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Die S-Reihe bei Samsung stellt in der Regel technisch das derzeit Beste des gesamten Android-Marktes dar. So auch das Samsung Galaxy S8 und dessen Plus-Variante, die mit randlosem Infinity Display, Iris-Scanner und leistungsstarken Exynos 8895 Prozessor aufwarten kann. Das Goophone S8 des chinesischen Herstellers HDC ist ein optisch sehr akkurater Klon, aber auf technischer Ebene das komplette Gegenteil. Ein Leser hat uns auf den sprichwörtlichen China-Klon aufmerksam gemacht. Erhältlich ist er je nach Händler umgerechnet schon ab 80 bis 95 Euro bei diversen Importhändlern.

Rein von der Optik her hat sich HDC wirklich Mühe gegeben, das Samsung Galaxy S8 zu kopieren. Es besitzt ein Unibody-Gehäuse, die Rückseite ist aus Glas-ähnlichem Kunststoff und die Front sieht sehr kompakt aus. Erst im Detail offenbaren sich die Unterschiede und klaren Hinweise auf eine Kopie des Originals. Samsung hat das Firmenlogo auf der Front abgeschafft, was auf den vorliegenden Fotos allerdings unterhalb des Displays zu sehen ist. Außerdem ist den Bildern zu entnehmen, dass der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite auf der falschen Seite der Kamera sitzt. Das Galaxy S8 hat den Sensor rechts von der Kamera, im Goophone S8 sitzt dieser aber Links.

HDC Goophone S8
Kleines Detail: Der Fingerabdrucksensor ist auf der falschen Seite
Da passt es schon fast wieder perfekt ins Bild, dass das vermeintliche Riesen-Display auf der Front von einem sichtbaren schwarzen Rahmen eingefasst ist. Ein in den Ecken rundes Display besitzt das Goophone S8 von HDC jedenfalls nicht.
Übrigens scheint sich HDC selbst nicht so ganz einig zu sein, ob man das Gerät selbst auf den Produktfotos zeigen soll oder das Original von Samsung. Es gibt etliche Fotos, auf denen das angesprochene Logo wie beim Vorbild nicht auf der Front zu sehen ist, oder der Fingerabdruck­sensor auf der richtigen Seite verbaut ist. Zumindest ist dies bei einem der anbietenden Online-Händler der Fall.

Durch und durch Fake-Hardware

HDC Goophone S8Von vorne ist das Goophone S8 täuschend echt Wirklich dreist wird es mit dem Blick auf die verbaute Hardware. Denn während das Galaxy S8 mit einem 5,8 Zoll großen QHD+ AMOLED-Display mit 2960 mal 1440 Pixel aufwarten kann, beherbergt das Goophone S8 nur ein 5,5 Zoll großes IPS-Display mit für heutige Verhältnisse mageren 960 mal 540 Pixel Auflösung. Auch der verbaute Mediatek MT6580 Prozessor mit 1,3 GHz und vier Kernen kommt nicht mal ansatzweise an einen Exynos 8895 mit 8 Kernen heran. Sieht man alleine schon daran, dass der völlig veraltete ARM Mali-400 MP Grafikchip nicht mal ansatzweise eine Chance gegen den ARM Mali G71 MP20 hat.

Weiter geht es mit einer 8 Megapixel Hauptkamera auf der Rückseite, welche per Software auf 13 Megapixel interpoliert wird. Dasselbe gilt auch für die Frontkamera, deren echte 2 Megapixel auf 5 Megapixel interpoliert werden. Gespeichert werden die Aufnahmen im 8 GB großen internen Speicher, welcher vom System allerdings als 128 GB angezeigt wird. Selbst der 1 GB große RAM wird als 4 GB dargestellt. Will man eine MicroSD-Speicherkarte verwenden, so ist man auf maximal 32 GB beschränkt, auch wenn das System erneut 64 GB vorgaukeln kann. Wie ausdauernd der verbaute 2100 mAh Akku ist lässt sich schwer sagen.

HDC Goophone S8
Selbst TouchWiz ist vor dem Kopieren nicht sicher
Vorinstalliert ist mit Android 5.0 Lollipop ein mittlerweile veraltetes Betriebssystem, was - wer hätte es gedacht - als Android 6.0.1 Marshmallow angezeigt wird. Lustig ist da fast schon, dass HDC sogar die TouchWiz-Oberfläche von Samsung mit kopiert hat und nicht nur das Äußere. Dies geht aus dem Screenshot von einem Video des Goophoone S8 hervor. Dreist ist zudem, dass die Modellnummer SM-G950 des originalen Samsung Galaxy S8 in den Systeminformationen übernommen wurde.
HDC Goophone S8
Bis auf die Android- und Baseband-Version passt alles, einschließlich der Modellnummer
Zumindest eine Sache hat das Goophone S8 als Kopie dem Original von Samsung voraus: Man kann von Beginn an zwei SIM-Karten in dem Gerät verwenden. Allerdings nur eine mit maximal HSDPA für Downloads im Mobilfunknetz, denn die zweite SIM-Karte ist wie üblich bei Dual-SIM-Smartphones auf GPRS/EDGE beschränkt. Fast schon obligatorisch im Bezug auf das restliche Gerät ist auch hier die Fake-Anzeige eines LTE-Modems. Bluetooth steht in Version 3.0 zur Verfügung und das WLAN-Modul unterstützt nur die Standards 802.11b und 802.11g.

Persönliche Meinung des Autors

Man ist ja gewohnt, dass in China quasi alles kopiert wird, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Aber eine dermaßen dreiste Kopie ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. Das ein Teil der verbauten Hardware zudem noch anders im System angezeigt wird, setzt dem Ganzen die Krone auf. Andererseits ist Goophone respektive HDC auch bekannt dafür, jegliches gut laufende Top-Smartphone der Premiumhersteller akkurat sowie sehr schnell zu kopieren und in den Verkauf zu schicken, noch bevor die Originale verfügbar sind.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Sache mit dem iPhone 5 von Apple, welches HDC damals als Goophone i5 kopiert und vor dem iPhone 5 von Apple verkauft hatte. Goophone war sogar so dreist und wollte Apple wegen Designklau anzeigen.

Trotzdem bin ich echt schockiert, dass sowas überhaupt noch in China möglich ist. Selbst für 100 Euro, was das Gerät umgerechnet kosten soll, halte ich das für nichts anderes als Elektroschrott. Für 90 bis 100 Euro gibt es hierzulande bereits das Moto E3 von Lenovo, welches nicht nur die bessere Verarbeitungsqualität haben dürfte, sondern auch um einiges performanter läuft. Andererseits ist das normal in China und in gewisser Weise auch nachvollziehbar, dass solche Geräte existieren. Immerhin können sich nur die wenigsten Chinesen ein echtes Galaxy S8 leisten mit seinen gut 800 Euro UVP. Der Rest ist schon mit einer billigen Kopie zufrieden, die für Telefonieren, Chatten und ein wenig im Netz surfen ausreicht.
Trotzdem kann ich bei dem Goophone S8 nur den Kopf schütteln und hoffen, dass europäische Kunden nicht auf den Hersteller hereinfallen.

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