150 MBit/s

Samsung Galaxy Core LTE im Test: Schnelles LTE gepaart mit Langeweile

LTE-Smartphones müssen nicht über 500 Euro kosten, das Samsung Galaxy Core LTE bringt für 190 Euro ein modernes LTE-Modul mit. Doch im Test fragten wir uns, ob das Konzept wirklich aufgeht und wer so ein Gerät überhaupt braucht.

Das einzige wirklich herausragende Merkmal des Samsung Galaxy Core LTE ist das LTE-Modul. Es funkt in den LTE-Frequenzen 800/900/1800/2600 MHz, in den UMTS-Bändern 850/900/2100 MHz sowie in den GSM-Frequenzen 850/900/1800/1900 MHz. In unserem Test wechselte das Telefon innerhalb kürzester Zeit zwischen WLAN und mobilem Datennetz und zurück. Auch der Wechsel in einen älteren Mobilfunkstandard bei mangelhafter LTE-Versorgung klappte reibungslos.

Standard-Zubehör mit Netzteil, USB-Kabel, Kopfhörer und Anleitung Standard-Zubehör mit Netzteil, USB-Kabel, Kopfhörer und Anleitung
Bild: teltarif.de / Alexander Kuch
Dass das Samsung Galaxy Core LTE im Freien bei guter LTE-Versorgung ordentliche Datenraten vorweisen kann, hatten wir erwartet. Zusätzlich begaben wir uns mit einer im E-Plus-Netz geschalteten - momentan LTE-fähigen - SIM-Karte in die Berliner U-Bahn, und zwar an die Stellen, an denen momentan das E-Plus-Netz auf LTE aufgerüstet wird. Auf der Linie U9 konnten wir am nahe unserer Redaktion gelegenen U-Bahnhof Turmstraße unterirdisch satte 33 MBit/s im Downstream messen, auch im Tunnel hatten wir bei voller Fahrt mehrfach Werte über 10 MBit/s. Brach die LTE-Versorgung ab, benötigte das Smartphone unterirdisch allerdings deutlich länger, um ins UMTS- oder EDGE-Netz zu wechseln. Dies kann aber auch an den aktuellen Bauarbeiten liegen - oberirdisch trat dieser Effekt nicht auf.

Nicht aktuell, aber ein Kompromiss wegen schwacher Hardware: Android 4.2.2 Nicht aktuell, aber ein Kompromiss wegen schwacher Hardware: Android 4.2.2
Bild: teltarif.de / Alexander Kuch
Obwohl das Smartphone auf alle Eingaben flüssig reagierte, spürt man bei der Systemleistung den günstigen Preis des Geräts. Bei den Benchmarks AnTuTu und 3DMark ruckelte es ständig, für grafisch aufwändige Spiele sind weder CPU noch Grafikeinheit noch das Display geeignet. Bei AnTuTu schnitt das Galaxy Core LTE sogar noch schlechter ab als die betagten Modelle Galaxy S3 und Galaxy Note 2. Aus heutiger Sicht ist das Galaxy Core LTE ein ordentliches Smartphone für Telefonie und Messaging, das - warum auch immer - ein tolles LTE-Modul mitbringt.

Kameras, Akku und die Frage nach dem Sinn dieses Smartphones

Rutschsichere Rückseite, aber schwache Kamera Rutschsichere Rückseite, aber schwache Kamera
Bild: teltarif.de / Alexander Kuch
Auch bei den Kameras hat Samsung sichtlich den Rotstift angesetzt: Die rückseitig verbaute Hauptkamera mit 5 Megapixel Auflösung können wir nicht einmal für Schnappschüsse empfehlen. Die Bilder hatten einen sichtlichen Braunstich und selbst bei optimaler Sonnenbeleuchtung waren so gut wie alle Kanten und Farbübergänge ausgefranst. Der günstige Preis gilt hier übrigens nicht als Ausrede - das machen die Einsteiger-Telefone der Lumia-Serie von Nokia/Microsoft bereits deutlich besser. Auch die VGA-Frontkamera ist maximal für Videotelefonie zu gebrauchen - Selfie-Fotos können wir damit nicht empfehlen. Im Folgenden zeigen wir Ihnen drei Original-Fotos der Kamera, die dieses Urteil untermauern, auch als Party-Knipse bei schlechtem Licht taugt die Kamera nicht:

Samsung Galaxy Core LTE

Der wechselbare 2100 mAh-Akku hat sich in unserem Test als durchaus leistungsfähig erwiesen, was wohl damit zusammenhängt, dass das pixelarme Display nicht viel Energie beansprucht und auch bei reduzierter Helligkeitseinstellung noch hell genug leuchtet. Samsung gibt als Internetnutzungszeit 8 bis 11 Stunden an, was realistisch sein dürfte. Die Videowiedergabezeit dürfte mit 8 Stunden allerdings ebenso zu hoch angesetzt sein wie die Audio-Wiedergabezeit von 64 Stunden. 11 Stunden Gesprächszeit sind wohl nur dann machbar, wenn der Nutzer alle anderen Funkstandards ausschaltet und während der Telefonate niemals aufs Display schaut. 430 Stunden Standbyzeit sind ebenfalls unrealistisch - in unserem Test hat der Akku bei normaler Nutzung aber gut zwei Tage, manchmal sogar noch ein paar Stunden länger durchgehalten. Der wechselbare Akku liefert eine ordentliche Leistung Der wechselbare Akku liefert eine ordentliche Leistung
Bild: teltarif.de / Alexander Kuch

Nach diesem Test stellt man sich beim Samsung Galaxy Core LTE unwillkürlich die Frage: Wer braucht so ein Telefon? Keine Frage, das LTE-Modul ist super, doch die Inhalte, die man damit normalerweise abruft, sind - einen entsprechenden mobilen Datenvertrag vorausgesetzt - HD-Videos, hochauflösende Fotos oder grafisch anspruchsvolle Online-Spiele. Doch die Darstellung all dieser Inhalte macht auf dem Smartphone überhaupt keinen Spaß, und für Spiele ist obendrein die Leistung viel zu schwach. Man könnte also zu dem - von Samsung sicherlich nicht beabsichtigten - Schluss kommen, dass das Galaxy Core LTE, auch dank des guten Akkus, einen guten mobilen LTE/UMTS-Hotspot für Tethering abgeben würde.

Fazit: Veraltetes Smartphone, das einen guten LTE-Hotspot abgibt

Die Einzelnoten im Handy-Test:
  • Technische Ausstattung: 2
  • Bedienung, Handling, Software: 2
  • Hardware, Verarbeitung, Material: 1,5
  • Basis-Feature des Handys: 2,5
  • Einschätzung des Redakteurs: 3
  • Gesamtnote: 2,2
Im Test kann das Samsung Galaxy Core LTE mit einem superschnellen LTE-Cat4-Modul glänzen, das Downstreamraten von bis zu 150 MBit/s ermöglicht. Keine gute Idee ist es aber, dieses mit einem Billig-Handy zu kombinieren, bei dem Prozessor, Display und Kameras technisch schon mehr als angestaubt sind. Dank des ordentlichen Akkus kann das Smartphone damit maximal als LTE-Hotspot sowie für Telefonie oder Messaging dienen.
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