Mobil-Prozessor

Samsung Exynos 9810 mit Deep-Learning-Funktion vorgestellt

Noch bevor die CES 2018 offiziell ihre Pforten öffnet, nutzt Samsung die Gunst der Stunde und stellt mit dem Exynos 9810 seinen neusten Prozessor für mobile Geräte vor. Neben deutlich mehr Leistung stehen Alltags-Funktionen im Mittelpunkt
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Seit Jahren ist zwar Qualcomm der führende Anbieter für Smartphone-Prozessoren, jedoch kann sich Samsung mit den eigenen Modellen der Exynos-Reihe mindestens genauso erfolgreich gegen die Übermacht behaupten. Nun hat der südkoreanische Konzern mit dem Exynos 9810 getauften Acht-Kern-Chip sein neustes Modell vorgestellt.

Technisch basiert der Prozessor auf der dritten Generation der Mongoose-Kerne, die Samsung auf Basis der ARM-v8-Architektur entwickelt hat. Vier Kerne arbeiten dabei im Cluster mit bis zu 2,9 GHz Spitzenleistung, was die Multi-Core-Leistung verglichen zum Vorgänger aus Galaxy S8 (Plus) und Galaxy Note 8 um bis zu 40 Prozent nach oben treibt. Vier weitere Kerne sollen dabei mit deutlich niedrigeren Taktraten auf Energie­effizienz getrimmt sein. Diese Kerne kommen mittlerweile traditionell für weniger rechen­intensive Aufgaben und Hintergrund-Apps im Leerlauf zum Einsatz.

Hergestellt wird der Exynos 9810 in der zweiten Generation des 10-Nanometer-FinFET-Prozesses. Die reine Verbesserung der Prozessorleistung ist jedoch nicht der einzige Punkt, in welchem Samsung erhebliche Verbesserungen vorgenommen hat.

Gigabit-LTE und künstliche Intelligenz

Samsung ExynosDer neue Exynos 9810 ist ein echtes Kraftpaket Unter anderem hebt Samsung hervor, dass der Exynos 9810 der weltweit erste SoC mit Gigabit-LTE nach Cat.18 ist, dessen LTE-Modem zudem die sechsfache Carrier Aggregation (6CA) unterstützt, sprich die Bündelung von bis zu 6 LTE-Kanälen für den Download. Theoretisch werden somit bis zu 1,2 GBit/s erreicht. In der Praxis werden es jedoch deutlich weniger sein, was sowohl auf die in Deutschland verwendete Netz­technologie als auch physikalische Gegebenheiten zurück­zuführen ist. Zusätzlich wird 4x4 MIMO und 256 QAM von dem integrierten LTE-Modem unterstützt.

Den zweiten Schwerpunkt bildet eine in den Chip eingebaute Deep-Learning-Funktion, die laut Samsung vornehmlich bei der Bild­erkennung und Kategorisierung zum Tragen kommen soll. Ein speziell auf neuronale Anwendungen optimierter Kern wie im Fall des Kirin 970 oder des Pixel Visual Core scheint es sich demnach wohl nicht zu handeln.

Zusätzlich soll diese Engine für eine hybride 3D-Gesichtserkennung verwendet werden können, die klassische Techniken bestehend aus Software und Hardware miteinander verbinden kann. Dadurch soll die Erkennung bedeutend optimiert werden im Bezug auf Schnelligkeit und Genauigkeit, heißt es. Gut möglich, dass dies in Zusammenhang mit der verbesserten Iris-Erkennung zusammen­hängt, die laut Gerüchten im Galaxy S9 (Plus) bereits zum Einsatz kommen könnte.

Samsung Exynos
Dieser Chip wird im Galaxy S9 (Plus) stecken

Neue Video- und Kamera-Qualitäten

Aufhorchen lässt, dass Samsung im Exynos 9810 einen Videocodec zum encodieren von HEVC-Medien implementiert, mit bis zu 10-Bit-Farbtiefe. Oder anders ausgedrückt: Theoretisch könnten Smartphones mit einem Exynos 8910 wie das kommende Galaxy S9 (Plus) das HEIF-Bildformat von Apple nativ verarbeiten. Dessen Hintergründe und Vorteile haben wir in einem separaten Artikel für Sie näher beleuchtet.

Mit dem neuen HEVC-fähigen Videocodec, den Samsung als Multi-Format Codec (MFC) bezeichnet und zudem auch den VP9-Videocodec unterstützt, wird sogar die Aufnahme von UHD-Videos mit bis zu 120 Frames pro Sekunde ermöglicht. Zu weiteren speziellen Video-Fähigkeiten, beispielsweise die Aufnahme von Ultra-Zeitlupe nach dem Vorbild von Sony, hat Samsung nichts weiter verraten.

Laut Samsung befindet sich der SoC bereits in der Massen­produktion, was den Einsatz im Galaxy S9 und Galaxy S9 Plus für den europäischen Markt sehr wahrscheinlich macht.

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