Themenspecial Reise und Roaming Verdongelt?

Editorial: "Bitte aktivieren Sie mit der richtigen SIM-Karte"

Samsungs Kommunikationspanne um den Euro-Lock
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Kommunikationspanne oder zurückgerudert? Samsung in ErklärungsnötenKommunikationspanne oder zurückgerudert? Samsung in Erklärungsnöten Hat sich Samsung in der nun abgelaufenen Woche "nur" eine Kommunikationspanne geleistet? Oder hatten sie wirklich ihre wichtigsten Smartphones zur Freude der Netzbetreiber regional beschränkt, so dass beispiels­weise in Europa ausgelieferte Handys auch nur noch mit europäischen SIM-Karten funktionieren sollten, sind dann aber zurück­gerudert, als sich Berichte in den Medien und nicht gerade freundliche Kommen­tare in zahlreichen Foren häuften? Mit einem Euro-Lock wäre es beispielsweise bei einem Besuch in den USA nicht möglich, eine amerikanische SIM-Karte einzulegen, um Roaming-Kosten zu sparen. Normales Roaming wäre hingegen kein Problem gewesen - es sollte auf die SIM-Karte ankommen, nicht auf das Netz.

Sicher ist jedenfalls, dass es Samsung-Handy-Packungen mit einem Aufkleber gibt, auf dem steht: "This product is only compatible with a SIM-card issued from a mobile operator within Europe". Darunter wird dann "Europa" als die EU plus einiger weiterer Länder, insbesondere der Schweiz, definiert. Das klingt eher so, als sei der Euro-Lock dauerhaft aktiv, und nicht nur bei der Erstaktivierung. Andererseits enthält eine der ersten Stellungnahmen von Samsung - noch bevor der oben zitierten Korrektur - bereits die folgende Aussage: "Sollte ein in der Europäischen Union erworbenes und bislang noch nicht in Betrieb genommenes Gerät im Ausland erstmals aktiviert werden, können Nutzer bei lokalen Samsung Servicepartnern ihr Gerät für die Region kostenlos freischalten lassen." Das klingt eher so, als ob der Euro-Lock vor allem für die Aktivierung maßgeblich ist, und Samsung duchaus bereit ist, bei der Aktivierung einzelner privat aus der EU in ein Drittland exportierter Geräte zu helfen.

Fraglich ist aber, was ein Aktivierungs-Lock bringen soll. Denn viele legitime Kunden werden von dem genannten "Euro-Lock"-Aufkleber auf der Packung durchaus abgeschreckt. Händler wiederum, die von Samsung nicht erwünschte Grauimporte oder -exporte über Vertriebszonen hinweg durchführen, dürften sich hingegen kaum abschrecken lassen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit reicht zur Aktivierung eine im Zielland roamende SIM eines beliebigen europäischen Netzbetreibers. Den Lieferungen entsprechende SIM-Karten beizulegen, oder die Geräte bereits vor dem Export vorzuaktivieren, sollte beides nicht das große Hindernis für die Graumarkt-Händler sein.

Betroffen sind den Angaben zufolge alle seit Ende Juli hergestellten Versionen der Galaxy-Geräte Note 3, Note 2, S4, S4 mini und S3. In den Vertriebskanälen finden sich aber oft noch früher produzierte Geräte, mit Ausnahme des erst jüngst vorgestellten Note 3.

Kundengängelung im Smartphone-Markt

Bisher waren es vor allem Apple, die mit erstmal unerwarteten Nutzungs­einschränk­ungen negativ auffielen. So funktioniert Tethering mit iPhone und iPad nur, wenn das Netzbetreiber-Profil dieses erlaubt. Manche Netzbetreiber lassen sich die Tethering-Freischaltung von den Kunden extra bezahlen. Bei der LTE-Freischaltung setzt hingegen Berichten zufolge Apple die Netzbetreiber unter Druck. Wer aus Sicht Apples nicht "gut genug" ist - und dazu gehört Gerüchten zufolge auch die Zahl der in Netzbetreiber-Shops verkauften iPhones - bekommt kein LTE-Profil. Hierzulande war o2 von Apples Blockadepolitik betroffen und erhielt von Apple ein LTE-kompatibles Netzbetreiberprofil für das iPhone 5S und 5C erst diesen Freitag zugewiesen.

Nachdem sich Samsung bisher von Apple vor allem positiv inspirieren ließ und insbesondere viele Bedienkonzepte übernahm, scheint man mit dem Euro-(Aktivierungs)-Lock nun Apple auch bei der Verdongelung der Geräte nachzuahmen. Das ist schade, denn Zwangsprofile, Regionalsperren oder Regiolocks gängeln nicht nur die Nutzer, indem einzelne Funktionen oder gar die komplette Mobilfunknutzung eingeschränkt werden, wenn der Nutzer die "falsche" SIM-Karte einlegt. Die Geräte-Hersteller behindern mit diesen Maßnahmen auch den freien Wettbewerb zwischen den Netzbetreibern. Gerade neuen Anbietern werden zusätzliche Hürden auferlegt. Am Ende leidet vor allem der Preiswettbewerb.

Immerhin hat sich nun herausgestellt, dass Samsung nicht die weltweite Verwendung seiner Geräte limitieren will, sondern nur die Erstaktivierung. Da letzteres ziemlich nutzlos ist - siehe die oben genannten Ausführungen - bleibt zu hoffen, dass Samsung die Aktiverungssperre bald wieder zurücknimmt. Sinnvoller wäre es, wenn Samsung bei der Erstaktivierung bei Nutzung einer nicht zur Zielregion des Handys passenden SIM eine Bildschirmseite anzeigt, die erläutert, dass man ein Gerät aus einer anderen Region als die SIM-Karte erworben hat, und die dann die möglichen Nachteile (z.B. unterscheiden sich bei Samsung je nach Zielregion die unterstützten Frequenzen und sogar der Prozessor) dediziert auflistet. Das sollte reichen, damit sich Graumarkthändler in den üblichen Bewertungsportalen viele Negativkommentare einhandeln. Wenn die genannte Bildschirmseite nicht reicht, könnte sie noch durch einen Hologramm-Sticker "Original Samsung - for sale in Europe" ergänzt werden.

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