Samsung Dex Pad

Samsung DeX Pad im Test: Smartphone als PC-Ersatz

Samsung hat im Zuge der Markteinführung des Samsung Galaxy S9 (Plus) eine neue Desktop-Lösung veröffentlicht. Damit lässt sich das Android-Betriebssystem auf einem Monitor spiegeln. Ein gelungener PC-Ersatz?
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Mit der Einführung des Samsung Galaxy S9 und Galaxy S9 Plus gibt es auch eine neue DeX Station, genauer gesagt heißt die Lösung jetzt DeX Pad. Im Gegensatz zur Docking-Station aus dem vergangenen Jahr, in die das Samsung Galaxy S8 oder Galaxy S8 Plus in eine nach hinten gelehnte, aufrechte Position gesteckt wurden, wird das Smartphone jetzt in die Waagerechte gebettet. So lässt es sich auch als Touchpad nutzen.

Das neue DeX Pad ist klein, handlich und leicht - gute Voraussetzungen, um es auch unterwegs mitzunehmen und platzsparend in der Tasche transportieren zu können. Im Vergleich zum Vorgänger kann das DeX Pad nicht nur Full-HD-Displays mit 1920 x 1080 Pixel unterstützen, sondern es lassen sich auch Monitore mit einer WQHD-Auflösung (2560 x 1440 Pixel) verwenden. Zudem ist die neue Version um einiges leichter. Mit 135,4 Gramm wiegt das DeX Pad ganze 94,6 Gramm weniger als die DeX Station aus dem Jahr 2017.

Als Testgerät fungiert ein Samsung Galaxy S9 Plus. Das Handy lässt sich auf einen integrierten Stecker im USB-Typ-C-Format auf dem DeX Pad anbringen. Der Stecker hat ein wenig Spiel. Das ist auch gut so. So wird die Gefahr verringert, den empfindlichen Anschluss am Smartphone zu beschädigen. Trotzdem sollte sowohl beim Verbinden als auch beim Trennen des Smartphones mit dem DeX Pad mit der nötigen Vorsicht heran gegangen werden. Unerlässlich: Der Akku des Smartphones wird automatisch geladen, wenn es mit dem DeX Pad verbunden ist. Es lässt sich auch eine Schnell-Ladefunktion durch das DeX Pad aktivieren. Dann lässt sich das Handy aber nur noch eigenständig und nicht mehr mit dem DeX Pad benutzen. Im Test bekam das Galaxy S9 Plus auch ohne aktivierte Schnell-Ladefunktion in 45 Minuten rund 20 Prozent Akkukapazität dazu.

Anschlüsse des DeX Pad

Das DeX Pad verfügt über zwei USB-2.0-Anschlüsse, zwei USB-Typ-C-Anschlüsse (einen für das Ladekabel und einen für den Anschluss des Smartphones) und einen HDMI-Anschluss. Im Lieferumfang sind neben dem DeX Pad Ladekabel und Adapter auch ein HDMI-Kabel für den Anschluss an einen Monitor oder ein TV-Gerät sowie ein physischer Quick Start Guide enthalten. Mehr wird aber auch nicht benötigt, um das DeX Pad zu verwenden. Eine Netzwerk-Schnittstelle in Form eines Ethernet-Anschlusses wie bei der DeX Station gibt es nicht mehr.

Installation

Der Anschluss des DeX Pads dauert nur wenige Augenblicke. Adapter und Stromkabel werden verbunden, ein Monitor mit dem HDMI- Kabel angeschlossen und in die beiden USB-Anschlüsse werden bei Bedarf Tastatur und Maus gestöpselt. Anschließend lässt sich das Samsung Galaxy S9 Plus mit dem USB-Typ-C-Stecker verbinden. Software wird nicht benötigt.

Ist das DeX Pad mit Strom verbunden und koppelt man das Smartphone, öffnet sich auf dem Smartphone-Bildschirm automatisch die Samsung DeX-App und das Handy-Display wird ausgeschaltet. Stattdessen wird die Desktop-Version von Android 8 Oreo auf dem angeschlossenen Monitor oder TV angezeigt. Das Betriebssystem Android 8 Oreo ist Voraussetzung, damit das DeX Pad funktioniert. Die haben das Galaxy S9 und Galaxy S9+ aber ab Werk installiert. Das DeX Pad funktioniert aber auch mit Galaxy S8 und Galaxy S8+ und dem Galaxy Note 8, die Android 8 Oreo ebenfalls an Bord haben. Samsungs Assistent Bixby lässt sich nicht nutzen, solange das Smartphone mit dem DeX Pad verbunden ist.

DeX-Pad-Desktop und -Funktionen

Die Anzeige des umgewandelten Android-Betriebssystems macht auf dem im Test verwendeten 24-Zoll-Monitor einen guten Eindruck. Sie ist bildschirmfüllend, nicht verpixelt und aufgeräumt. Voreingestellt sind auf der rechten Seite drei Apps, mit denen man Zugriff auf eigene Dateien, Galerie und das Einstellungs-Menü hat. Unten links kann per 9-Punkte-Symbol auf das Menü zugegriffen werden, in dem alle verfügbaren Apps zu finden sind.

Daneben lassen sich alle geöffneten Tabs nebeneinander anzeigen, anwählen und schließen. Ein Button weiter rechts daneben zeigt einen virtuellen Bixby-Button, der aktuell (noch) keine Funktion besitzt. Daneben sind die geöffneten Apps mit App-Icon angezeigt. Im Test-Beispiel sind das Evernote, Google Chrome und Google Assistant. Insgesamt erinnert die Darstellung ein wenig an das Betriebssystem Windows 10.

Die geöffneten Apps werden übersichtlich dargestellt.
Die geöffneten Apps werden übersichtlich dargestellt.
Auf der rechten Seite befindet sich eine erweiterte Anzeige der sonst auf dem Smartphone-Bildschirm am oberen Display-Rand aktiven Statusleiste. Im linken Bereich sind die Benachrichtigungen zu sehen, daneben die Konnektivitätssymbole, die Internet- und Netzempfang anzeigen, Ladestand des Akkus, Tastatur-Einstellungen, Lautstärke, Finder, der auf die systemeigenen Apps zugreifen kann, sowie Datum und Uhrzeit.

Außerdem lässt sich auf das Menü für Schnell-Einstellungen und Benachrichtigungen des Smartphones zugreifen, so wie es auch bei der normalen Benutzung des Handys der Fall ist. Ein Screenshot kann mit einem Klick aufgenommen, bearbeitet und in der Galerie gespeichert werden. Die Statusleiste auf dem Desktop lässt sich auch minimieren, sodass nur noch ein Teil angezeigt wird. Das ist gut, je nach Anzahl der Benachrichtigungen wird die Leiste schnell unübersichtlich.

In den Einstellungen kann das DeX Pad angepasst werden. Dort lässt sich unter anderem ein Bildschirm-Timeout für das DeX Pad festlegen, die Bildschirmauflösung einstellen und verschiedene Hintergrundmotive auswählen. Außerdem lässt sich einstellen, ob sich das Smartphone in Verbindung mit dem DeX Pad als Touchpad nutzen lässt.

Geschwindigkeit und Bedienung

Egal, ob Scrollen, Surfen, Apps öffnen, Textverarbeitung mit Microsoft Word, PowerPoint, Tabellenkalkulation mit Excel oder Notizen - im Test gab es weder eine Eingabeverzögerung noch Ruckler zu sehen. Alle Anwendungen klappten flüssig, nichts stürzte ab oder sorgte für sonstige Probleme. Dafür sorgt sicherlich auch das Samsung Galaxy S9 Plus, das mit 6 GB Arbeitsspeicher und dem Achtkern-Prozessor genügend Power hat.

Im Einstellungsmenü kann das DeX Pad angepasst werden.
Im Einstellungsmenü kann das DeX Pad angepasst werden.
Zum Entsperren muss eine PIN eingegeben werden, Gesichtserkennung und Fingerabdrucksensor funktionieren entsprechend der Positionierung des Smartphones im DeX Pad nicht. Die Eingabe des PIN-Code ist aber nicht als Hindernis oder als negativ zu bewerten, dazu kann gegebenenfalls die angeschlossene Tastatur genutzt werden.

Telefonieren und Nachrichten empfangen

Auch wenn sich das Smartphone im DeX Pad befindet, können Anrufe entgegen genommen werden. Der Hinweis auf einen eingehenden Anruf erfolgt auf dem Monitor. Der Ton wird automatisch über den Lautsprecher des Smartphones im Freisprech-Modus ausgegeben. SMS und Nachrichten über WhatsApp lassen sich ebenfalls anzeigen. Das ist praktisch. So muss das Smartphone nicht vom DeX Pad getrennt werden. Will man einen Anruf nicht im Freisprech-Modus führen, muss das Handy entweder vom DeX Pad getrennt oder ein Bluetooth-Headset benutzt werden.

App-Verwendung am Monitor

Nicht alle Apps sind auf die Bildschirmgröße des Monitors angepasst. Im Test haben wir Facebook geöffnet. Die App wird aber nicht auf Desktop-Größe angezeigt, sondern als eine Art Bildschirmspiegelung auf dem Monitor. Bildschirmspiegelung ist aber auch eine separate Option. Da besteht die Möglichkeit, das Handy direkt auf den Monitor zu projizieren. Die Anzeige füllt dabei allerdings auch nicht den Bildschirm aus und die Seiten des Monitors bleiben schwarz.

Die Desktop-Version von Android Oreo hat Ähnlichkeit mit Windows.
Die Desktop-Version von Android Oreo hat Ähnlichkeit mit Windows.
Im eigenen Store von Samsung, Galaxy Apps, gibt es Anwendungen, die für das DeX Pad optimiert sind. Aber auch für Apps, deren Anzeige noch nicht angepasst worden ist, gibt es eine Möglichkeit, eine optimierte Darstellung zu erzwingen. Wir klicken auf der Desktop-Anzeige auf Einstellungen und wählen die Option Samsung DeX Labs aus. Das Tool befindet sich laut Angaben im Menü noch in der Testphase. Eine Garantie, dass sich Apps an die Größe des Monitors anpassen lassen, gibt es nicht. Damit die Funktion greift, haben wir im Test das Smartphone vom DeX Pad trennen und neu verbinden müssen - ein Neustart also. Im Test klappte die optimierte Darstellung, beispielsweise vom Kult-Kartenspiel Hearthstone des Entwicklers Blizzard Entertainment, einwandfrei. Die Facebook-App wurde nur vergrößert. Das war nicht optimal, ließ sich aber dennoch komfortabler nutzen als ohne das DeX-Labs-Tool. Apps, die speziell für den Touchscreen des Smartphones entwickelt wurden, können nicht geöffnet werden. Im Test öffnete sich beispielsweise das Arcade-Rennspiel Asphalt 8 Airbourne des Herstellers Gameloft genau mit dieser Information nicht.

Die Desktop-Ansicht wirkt wie die Darstellung eines herkömmlichen Betriebssystems wie Windows. Wir bezeichnen es aber nicht als zweitklassige Kopie. Das umgewandelte Android 8 Oreo ist eigenständig und läuft stabil.

Test-Fazit

Das Samsung DeX Pad ist eine nette Spielerei. Textverarbeitung und Surfen mit angeschlossener Maus und Tastatur klappen einwandfrei. Als unverbindliche Preisempfehlung sind 99,90 Euro angegeben, im Preisvergleich ist das Gerät mittlerweile aber schon für unter 60 Euro zu haben. Als All-in-one-Lösung ist ein günstiges Notebook unter Umständen aber besser geeignet. Möglichkeiten und Mobilität sind da eindeutig besser.

Im Einstellungsmenü kann das DeX Pad angepasst werden.
Im Einstellungsmenü kann das DeX Pad angepasst werden.
Das DeX Pad funktioniert gut. Samsungs Top-Modelle haben genug Leistung, um das Betriebssystem ohne Probleme als Desktop-Lösung umzuwandeln. So lassen sich auch mal am TV-Gerät Bilder angucken oder Apps vergrößern. Zum Surfen ist das DeX Pad definitiv besser geeignet als der Browser im herkömmlichen Smart-TV. Browsen mit der Fernbedienung ist oft sehr umständlich.

Wer nur ab und zu mal Textverarbeitung machen oder E-Mails größer lesen will und sich überlegt, nur dafür einen Laptop zu kaufen, für den kann sich das DeX Pad durchaus lohnen. Komfortabel nutzbar ist es aber nur mit einer externen Maus und Tastatur. Wer dazu noch oft auf Reisen ist, kann Monitor oder TV-Gerät im Hotelzimmer nutzen. Eine kleine Maus und Tastatur passen in der Regel ins Gepäck. Grundsätzlich kann das DeX Pad aber kein vollwertiges Notebook ersetzen.

Warum Samsung älteren Smartphone-Modelle keine Updates mehr bereitstellen muss, lesen Sie in einer weiteren Meldung.

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